Flughafen legt Pläne für dritte Piste vorerst auf Eis. ​​​​​​​Der Flughafen Wien hat nach dem massiven Passagiereinbruch 2020 die Pläne für die dritte Piste fürs Erste auf Eis gelegt.

Von Redaktion APA. Erstellt am 21. Januar 2021 (14:39)
Flughafen Wien
Flughafen Wien AG

Es würden keine Maßnahmen für die Realisierung getätigt, sagte Flughafen-Vorstand Günther Ofner am Donnerstag. Vor der Coronapandemie war geplant, 2024 oder 2025 mit den Arbeiten zu beginnen. "Das Projekt ist nicht abgesagt", es könnte aber sein, dass sich das "einige Jahre nach hinten schiebt", so Ofner. Auch andere Investitionen wurden zurückgereiht.

Die für Luftfahrt zuständige Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) begrüßt die Entscheidung der Flughafen-Vorstands und geht davon aus, dass die Baupläne für immer in den Schubladen bleiben werden und die dritte Start- und Landebahn gar nicht mehr gebraucht wird. "Wir werden in Zukunft deutlich weniger fliegen, als noch heute", meinte die Ministerin. "Es ist aus diesem Grund wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll, den Bau der dritten Piste am Flughafen Wien nicht weiter voranzutreiben", teilte sie in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Die Umweltschutzorganisation WWF forderte das endgültige Aus für die dritte Piste.

Hoffen auf Aufschwung

Der Flughafen Wien hofft auf einen Aufschwung ab Mitte des Jahres. "Während sich aus heutiger Sicht die ersten drei bis sechs Monate noch schwach entwickeln werden, ist ab Sommer und im zweiten Halbjahr ein deutlicher Anstieg bei den Passagieren zu erwarten", teilte das börsenotierte Unternehmen am Donnerstag in der Früh mit. Nach 7,8 Millionen Passagieren 2020 rechnet der Vorstand für heuer mit 12,5 Millionen Fluggästen und einem kleinen Gewinn.

Der Wiener Airport hat 2020 wegen der Coronakrise um 75 Prozent weniger Fluggäste abgefertigt als 2019. Die stärksten Passagierrückgänge verzeichnete der Flughafen mit über 99 Prozent weniger Reisenden im April und Mai 2020, aber auch in den Monaten Juni, November und Dezember betrug das Minus über 90 Prozent. Am schwächsten Tag des Jahres, dem Ostermontag am 13.4.2020, frequentierten gerade mal 154 Reisende das Terminalgebäude. Aktuell seien es rund 5.000 Passagiere täglich. Im Frachtgeschäft war der Rückgang weniger dramatisch.

Passagierzahlen "in das Jahr 1994 zurückkatapultiert"

Die Coronakrise habe die Passagierzahlen "in das Jahr 1994 zurückkatapultiert", sagte Vorstandskollege Julian Jäger in der Online-Pressekonferenz. "Rückblickend sind unsere schlimmsten Befürchtungen um ein Vielfaches übertroffen worden." Bis der Airport der Bundeshauptstadt die Krise verdaut hat, wird es noch Jahre dauern. Für 2021 geht der Vorstand bei den Passagieren von 40 Prozent des Vorkrisenniveaus aus, für das zweite Halbjahr sogar von 50 Prozent. 2022 sollten es 70 Prozent und 2023 80 Prozent sein. 2019 hatte der Flughafen noch einen Passagierrekord mit 31,7 Millionen Reisenden geschrieben. Die Zahl der Airlines, die Wien anfliegen, hat sich im Coronajahr 2020 annähernd halbiert, von 75 auf nur mehr 38. Statt 200 Destinationen werden derzeit nur rund 100 Ziele angeflogen.

Die Flughafen Wien AG hat 2020 erstmals in ihrer Geschichte einen Verlust geschrieben - erwartet werden rund 70 Mio. Euro, die Ergebnisse sollen am 4. März veröffentlicht werden. Im Geschäftsjahr 2021 will der Vorstand aber bereits wieder schwarze Zahlen schreiben. Aus heutiger Sicht werde heuer ein Umsatz von 430 Mio. Euro, ein Betriebsergebnis (EBITDA) von 150 Mio. Euro und ein Nettogewinn von 4 Mio. Euro erwartet. Die Nettoverschuldung werde auf rund 100 Mio. Euro sinken und die Investitionen bei rund 62 Mio. Euro liegen. Die Liquidität sei für alle vorhersehbaren Krisenszenarien gesichert, hieß es in der Pressemitteilung.

Prognosen von Impfungen abhängig

Die Prognosen macht der Flughafen-Vorstand von den Impfungen abhängig. "Das steigende Vertrauen der Bevölkerung in die Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit der Impfung sollte trotz der aktuell schwierigen Phase in der Folge dazu führen, dass wieder mehr Menschen für Sommer und Herbst Urlaubsflüge buchen", so Ofner. "Für das Gesamtjahr rechnen wir mit rund 12,5 Millionen Passagieren am Standort Wien, mehr als 70 Prozent davon erwarten wir in der zweiten Jahreshälfte", ergänzte Jäger.

Die beiden Vorstände setzen dabei auch auf einen digitalen Impfpass der EU als international gültiges Reisedokument. Als kritische Infrastruktur sollten die Flughafen-Mitarbeiter übrigens spätestens im März geimpft werden. Für Jäger ist klar, dass künftig viele Länder bei der Einreise einen Corona-Impfnachweis verlangen werden. Dies sei auch nichts neues. Die bekannteste vorgeschriebene Impfung ist die Gelbfieberimpfung. Ohne sie ist eine Einreise in einigen Ländern nicht möglich.

Das Vorstandsduo drängt auf eine Verlängerung der Corona-Kurzarbeit. Dies sei die Voraussetzung, um Kündigungen am Flughafen zu vermeiden. Alle rund 5.300 Mitarbeiter des Unternehmens sind seit März 2020 in Kurzarbeit. Eine Dividende wird es wegen der Coronahilfen 2021 nicht geben. Ofner erwartet - abseits der Kurzarbeit - rund 20 Mio. Euro an Hilfen vom Staat zu erhalten.