Schlumberger reduziert Personal. Branchenprimus streicht jeden zehnten Job und kürzt Grundwein-Ankauf in NÖ um ein Viertel. Etappensieg gegen Sektsteuer bei Bundesfinanzgericht. USA als neuer Hoffnungsmarkt.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 01. Juni 2015 (04:30)
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Mit März 2014 wurde die Sektsteuer in Österreich eingeführt. 90 Cent je Flasche. Unter lautem Wehgeschrei der Branche, die eine Wettbewerbsverzerrung zu den weniger besteuerten – vor allem ausländischen – Prosecco- oder Frizzante-Herstellern sieht.

Im zweiten Halbjahr 2014 sei der Sektabsatz in Österreich um 25 Prozent eingebrochen, sagt Eduard Kranebitter, Vorstand des größten heimischen Sektherstellers Schlumberger, zur NÖN. Im ersten Quartal 2015 gab es weiterhin Rückgänge.

Kranebitter: "Geht auch um Arbeitsplätze"

„Für mich ist am schlimmsten, dass es dabei auch um Arbeitsplätze geht – bei uns und bei den Zulieferbetrieben in NÖ“, erklärt der Manager: „Wir mussten die Belegschaft um über zehn Prozent reduzieren.“ Die Zahl der inländischen Beschäftigten sank damit in Wien und Bad Vöslau von insgesamt 105 auf 90 Personen.

Auch bei den bislang rund 450 Grundweinlieferanten – zu 80 Prozent aus dem Weinviertel – wird es Abstriche geben. „Diese Zahl wird reduziert. Dazu laufen jetzt Gespräche mit den Winzern, die natürlich schockiert sind“, erklärt Kranebitter.

In Einzelfällen würden die Abnahmemengen bei der heurigen Ernte um bis zu 40 Prozent sinken. Insgesamt will Schlumberger um 25 Prozent weniger Grundwein kaufen. Ein angedrohter Zukauf von billigerem italienischem Wein sei aber vom Tisch, so der Manager.

Er hofft indes weiter, dass die Sektsteuer wieder abgeschafft wird. Von den kalkulierten 35 Millionen Euro hat der Bund im Vorjahr wegen falscher Berechnungen bekanntlich nur 6 Millionen Euro eingenommen.

"Gesetz widerspricht Gleichheitsgrundsatz"

„Wir sagen, das Gesetz ist verfassungswidrig, weil es dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht, und haben beim Bundesfinanzgericht eine Klage eingebracht“, sagt Kranebitter. Vor einem Monat habe Schlumberger Recht bekommen. Nun beschäftigt sich damit der Verfassungsgerichtshof. Kranebitter erwartet für Juni, dass er sich der Empfehlung des Bundesfinanzgerichts anschließen wird.

Mit dem neuen schwedischen Eigentümer Frederik Paulsen, der im Dezember mit seiner Schweizer Sastre S.A. die Schlumberger-Aktienmehrheit von der deutschen Familie Underberg übernommen hat, ist Kranebitter glücklich:

„Unsere große Chance für die Zukunft ist der Export.“ Das werde von Paulsen forciert. Derzeit liegt die Exportquote bei 36 Prozent.

Während der bislang wichtigste Auslandsmarkt Deutschland weiter ausgebaut werden soll, will Schlumberger in den USA neu durchstarten. Ab September wird die Premiumspirituosen-Distributionsschwester Marussia Beverages dort den Vertrieb für Schlumberger übernehmen.

Die Ziele: In fünf Jahren könnte in den USA eine halbe Million Flaschen verkauft werden. Der Deutschland-Absatz könnte dann von aktuell 450.000 auf eine Million Flaschen steigen.


Daten & Fakten

Die Schlumberger-Gruppe mit Sitz in Wien hat in den ersten drei Quartalen des letzten Geschäftsjahres (bis Ende 2014) mit rund 220 Mitarbeitern 163,8 Millionen Euro im In- und Ausland umgesetzt (minus 10 Prozent). Das Konzernergebnis sank auf 1,3 Millionen Euro (minus 27,2 Prozent).

Zur Sektkellerei Schlumberger zählen die Marken Schlumberger, Goldeck und Hochriegl. Zur Kräuterspirituosen-Tochter Gurktaler gehören die Marken Gurktaler, Rossbacher, Leibwächter.