Eine Greißlerei voll Herzlichkeit. Nachhaltig, gut und regional: Das wird in der „d’Greisslerei“ gelebt. Wohlfühlklima ist beim Einkauf garantiert.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 21. Oktober 2018 (02:01)

„Es ist kein Geheimnis, dass sich die Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten merklich verändert hat. Prognosen zufolge wird sich der Trend der letzten Jahrzehnte künftig noch deutlicher durchsetzen, und die Landwirtschaft wird hauptsächlich nur mehr aus ganz großen Betrieben bestehen. Diesen Trend können und wollen wir so nicht akzeptieren!“ Das ist die klare Ansage von Barbara Bürgmayr-Posseth.

Sie betreibt „d’Greisslerei“, einen Nahversorger der besonderen Art in St. Leonhard am Forst im Bezirk Melk. Die 36-Jährige ist in der Gastronomie groß geworden. Ihre Großeltern führten ein Wirtshaus in Kilb. Außerdem war sie auf Saison und hat in einem Restaurant in der Wachau gearbeitet. Schon länger hegte sie den Wunsch, sich selbstständig zu machen. „Außerdem wollten wir den Ortskern von St. Leonhard beleben“, nennt sie als Motivation, mit einem Bekannten, Michael Hörmann, hier vor zwei Jahren „d‘Greisslerei“ einzurichten.

„Unsere Produkte erfahren höchste Wertschätzung, von der Erzeugung über den Vertrieb bis hin zum Verkauf an den Endverbraucher.“ Barbara Posseth-Bürgmayr

„Fahr nicht fort – kauf im Ort klingt abgedroschen, kommt bei uns aber erst richtig zur Geltung“, sagt sie. Über Förderung via Leaderregion und stundenlange Eigenleistung der Familie entstand „d’Greisslerei“, die durch sympathisches Ambiente hervorsticht. Schwerpunkte im Geschäft: Regional und nachhaltig muss es sein.

Da gerade in ihrer Heimat sehr viele Klein- und Mittelbetriebe vorhanden sind, die so von der Bildfläche verschwinden könnten, holte sie diese als Produzenten und Lieferanten ihrer Waren mit ins Boot. „Diesen Landwirten wollen wir die Möglichkeit bieten, dem Trend zu trotzen. Daher möchten wir deren Produkte direkt vermarkten“, sagt sie.

„Wir schaffen Arbeit für unsere Landwirte. Wir wollen selbst davon leben können und die Produkte sollen gesund, schmackhaft und leistbar sein.“ Barbara Posseth-Bürgmayr

Das Vermeiden von Verpackungsmüll hat im Geschäft oberste Priorität. Das breite Sortiment an Trockenwaren wie Nudeln, Müsli und Zucker kann man im Geschäft kaufen, ohne dabei Abfall zu produzieren. In Glassäulenspendern werden diese Produkte aufbewahrt und können vom Kunden per Selbstbedienung in bereitgestellte Pfandgläser gefüllt werden. „Jeder kann somit aktiv einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten und bis 180 Kilogramm Müll pro Jahr vermeiden“, rechnet sie vor.

Doch neben dem Umwelt- und Klimaschutzgedanken lebt man in der Greißlerei auch Herzlichkeit. „Das ist uns ein ganz großes Anliegen. Jeder soll sich wohlfühlen, wenn er zu uns kommt, egal, ob er nur gustieren will, etwas kaufen oder Kaffee und Kuchen genießen möchte“, betont Barbara Bürgmayr-Posseth.

Führungen durch das Geschäft sind möglich

Denn das unterscheidet „d‘Greisslerei“ von anderen Geschäften. „Keiner soll das Gefühl haben, er muss etwas kaufen. Ich mache sehr gerne mit den Interessierten eine Führung durch das Geschäft“, erzählt sie. Kunden kommen mittlerweile aus der ganzen Region, denn wer hier kauft, weiß ganz genau, wo es herkommt. „Wir stehen mit unseren Produzenten und Lieferanten in engem Kontakt. Wir leben die gleiche Philosophie.

Unsere Produkte erfahren höchste Wertschätzung, von der Erzeugung über den Vertrieb bis hin zum Verkauf an den Endverbraucher“, betont sie. Mittlerweile hat sie einen fixen Stammkundenstock, auch Durchreisende machen gerne Halt, denn: „Bei uns ist immer eine Hetz und Gaudi“, schmunzelt sie. Stolz ist sie, dass sie von „Frau in der Wirtschaft“ im Vorjahr zur beliebtesten Niederösterreicherin gewählt wurde. Das „d´Greisslerei“-Konzept funktioniert. „Wir schaffen Arbeit für unsere Landwirte. Wir wollen selbst davon leben können, und die Produkte sollen gesund, schmackhaft und leistbar sein“ , betont die Unternehmerin.