Discos im Dauer-Lockdown. Seit knapp einem Jahr sind Tanzlokale zu. Die Sehnsucht nach dem Aufsperren ist auch in Niederösterreich allseits groß.

Von Michael Chudik. Erstellt am 03. Februar 2021 (05:45)
Andreas Brandstetter ist einer der vielen Nachtklub-Betreiber, deren Lokal sich seit mittlerweile über 300 Tagen im Dauer-Lockdown befindet.
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Langsam rückt das unpopuläre Corona-Jubiläum näher. Seit bald einem Jahr befinden wir uns im Krisenmodus. Die Pandemie trifft jedoch nicht alle Branchen gleich. Während manche mit wenigen Einschränkungen „weiterleben“ konnten, stehen einige Branchen ausnahmslos seit Mitte März still. Eine, die der Corona-Pandemie fast völlig zum Opfer fiel, ist die Nachtgastronomie.

Die Wirtschaftskammer Niederösterreich zählt mit Stand 31. Dezember 2020 insgesamt 383 Tanzlokale, Diskotheken und Bars. Letztere konnten im Sommer öffnen. So manche Bars – insbesondere in der Kremser Altstadt – hielten sich dabei an ganz penibel an den Gesetzestext, wonach das Betreten nach 1 Uhr zwar nicht gestattet ist, jedoch der Aufenthalt im Lokal auch nicht untersagt war. Wer also vor 1 Uhr drin war, durfte auch drinbleiben.

Während für Bars die Lockerungen im Sommer ein kleiner Lichtblick waren, sehen die Betreiber von Tanzlokalen und Diskotheken noch kein Licht am Ende des Tunnels. Sie befinden sich seit 325 Tagen im Dauer-Lockdown und müssen sich wohl noch weiter gedulden.

Keine Planungssicherheit

„Es gibt einfach keine Planungssicherheit“, sagt Peter Sachs, der eine Diskothek in Altlichtenwarth im Weinviertel betreibt. „Die psychische Belastung ist fast größer als die finanzielle.“ Letztere sollte den Betreibern durch zahlreiche Corona-Hilfsmaßnahmen zu einem Teil abgenommen werden. Härtefallfonds, Fixkostenzuschuss, Umsatzersatz, Verlustersatz, Ausfallsbonus. Da kann man schon durcheinander kommen.

Wie gut die Hilfen funktionieren, darüber sind sich die Nachtgastronomen im Land uneinig. „Ich muss sagen, dass alles sehr gut funktioniert hat. Die Unterstützungszahlungen sind stets rasch geflossen. Wir haben nie Liquiditätsprobleme gehabt. Natürlich hat man einen Verdienstentgang, aber da greift eh der Härtefallfonds“, schildert Robert Gelbmann, dessen Lokale „K1“ und „Stehachterl“ in Amstetten seit bald einem Jahr leer stehen. Der Gastronom ist allerdings breiter aufgestellt, betreibt noch drei weitere Lokale, die er im vergangenen Jahr zumindest zeitweise öffnen konnte.

Ganz anders sieht die Lage bei der Diskothek Sachs im Weinviertel aus: „Wir betreiben noch ein Freibad im Sommer, damit haben wir uns über Wasser halten können. Sonst hätten wir unsere Rechnungen nicht mehr bezahlen können“.

Irgendwo dazwischen positioniert sich der St. Pöltner Gastronom Andreas Brandstetter. Seine zwei bekannten Diskotheken „Laboom“ in St. Pölten und „Till Eulenspiegel“ in Neulengbach stehen ebenfalls seit einem knappen Jahr still. „Die Wahrheit liegt bei mir in der Mitte. Ich könnte nicht sagen, dass das mit den Hilfen gar nicht funktioniert, aber es war schon sehr schleppend“, meint Brandstetter, der zusätzlich zu seinen zwei Diskotheken noch eine Konditorei und einen Sportfischer-Shop betreibt.

Mietbetriebe wohl am härtesten betroffen

Die größten Probleme sieht WKNÖ-Gastro-Spartensprecher Kurt Reischer, wenn eine Diskothek im Mietbetrieb ist: „Wenn die Vermieter nicht direkt hinter einem stehen, dann wird es schwierig, diese Zeit zu überstehen“.

Wann Niederösterreichs Tanzlokale wieder öffnen können, steht aktuell in den Sternen. Ob im Sommer, im Herbst oder gar erst im nächsten Jahr, einig sind sich die Betreiber, dass Discos die Ersten waren, die zusperren mussten, und vermutlich die Letzten sein werden, die aufsperren dürfen.