Kaum Rückgänge bei Krediten in NÖ erwartet

Erstellt am 16. August 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
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Laut einer Studie der Hypo NÖ fürchten 15 Prozent der Befragten, aufgrund der neuen Kreditregeln keinen Kredit zu bekommen. 35 Prozent rechnen, dass sie länger für die nötigen Eigenmittel sparen müssen, 17 Prozent planen eine kleinere Immobilie.
Foto: Shutterstock.com/veronastudio
Strengere Regeln für Kreditnehmer könnten die Immobilienpreise verändern.
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Seit 1. August 2022 gelten in Österreich bei der Vergabe von Krediten über 50.000 Euro neue Regeln. Vorgaben, wie 20 Prozent Eigenmittelquote und Kreditraten, die höchstens 40 Prozent des Nettohaushaltseinkommens ausmachen, wurden Banken zwar bereits davor empfohlen, sind allerdings erst durch die jetzt in Kraft getretene Verordnung der Finanzmarktaufsicht (FMA) verpflichtend.

Die aktuellen Herausforderungen und Krisen beeinflussen laut WKNÖ-Spartenobmann der Banken und Versicherungen Reinhard Karl auch das Bankwesen. „Die systemischen Risiken haben im Lichte des Immobilienpreisbooms der letzten Jahre, der im Juli erfolgten Leitzinserhöhung der EZB, sowie durch die sich in Folge der Pandemie und der Situation in der Ukraine eintrübenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stärker zugenommen“, sagt Karl.  Aus diesem Grund habe das Finanzmarktstabilitätsgremium der FMA empfohlen, die Kreditvergabestandards der Banken stärker zu regulieren. Renovierungen oder der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger bis zu einer Geringfügigkeitsgrenze von 50.000 Euro fallen nicht unter die neuen Vorgaben.

Karl geht aber nicht davon aus, dass die neue Kreditvergabeverordnung einen drastischen Rückgang bei Kreditanträgen bewirken wird, obwohl die Erbringung der Eigenmittelquote vor allem für junge Familien in Zukunft eine Herausforderung darstellen wird.

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Reinhard Karl: „Verordnung braucht Nachschärfungen.“
Foto: Kelety

Karl sieht zudem auch Nachschärfungen der Verordnung nötig „weil gerade bei Jungfamilien das mit dem beruflichen Aufstieg steigende Einkommen nicht berücksichtigt wird“, erklärt Karl.

Einfluss auf den Immobilienmarkt

Auch WKÖ-Fachverbandsobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder Georg Edlauer ist der Meinung, dass die neuen Regelungen die Finanzierbarkeit von Krediten nur in rund 20 Prozent aller Fälle beeinflussen werden. Dennoch wirke sich diese teilweise eingeschränkte Finanzierbarkeit laut Edlauer negativ auf die Nachfrage am niederösterreichischen Immobilienmarkt aus.

„Sinkt die Nachfrage, steigen die Preise gedämpfter“, erklärt Edlauer. Die Immobilienpreise in Niederösterreich seien in den letzten zwei Jahren zwar verhältnismäßig stark gestiegen, lägen aber im Bundesländervergleich immer noch in der unteren Hälfte.

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Georg Edlauer: „Regeln beeinflussen Immobilienmarkt.“
Foto: privat

Das belegen auch die jährlichen Quartalserhebungen der Bauträgerdatenbank Exploreal. Beim Quadratmeterpreis der zum Verkauf angebotenen Wohnungen, die 2022 oder später fertiggestellt werden, liegt Niederösterreich im Bundesländervergleich an sechster Stelle. Billigere Wohnungen bekommt man laut den Daten von Exploreal aktuell nur im Burgenland, in Oberösterreich und der Steiermark.

Beim Vergleich mit den Vorjahreszahlen ist in fast allen Bundesländern eine deutliche Preissteigerung zu erkennen. In Niederösterreich selbst zeichnet sich diese Entwicklung vor allem in den Bezirken Mödling, Korneuburg und St. Pölten-Land ab. Der durchschnittlich angebotene Preis von 2021 neu fertiggestellten Wohnungen erhöhte sich beispielsweise im Bezirk Mödling um 38 Prozent im Vergleich zu Wohnungen, die heuer oder später fertiggestellt werden. Niederösterreichweit sind ganz neue Wohnungen jetzt um 15 Prozent teurer, als im Vorjahr erbaute.

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