Neue Westbahn, alte Sünden. Bahnverkehr / Im Dezember startet die milliardenteure Hochleistungsstrecke Wien – St. Pölten.

Erstellt am 16. September 2012 (18:08)
ÖBB-Chef Christian Kern und Verkehrsministerin Doris Bures waren nun auf Testfahrt mit dem Railjet durchs Tullnerfeld, in St. Pölten wurde Halt gemacht. Spitze waren über 250 Stundenkilometer, im Regelverkehr sind aber nur 230 erlaubt.Franz Gleiß
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Von Heinz Bidner

336,4 Stundenkilometer. Dieser Temporekord für Österreich wurde bei einer Testfahrt mit dem Messzug ICE-S der Deutschen Bahn im August aufgestellt. Und zwar auf dem neuen Westbahnabschnitt Tullnerfeld zwischen Wien und St. Pölten.

Die ÖBB selbst müssen sich im Regelverkehr, der mit 9. Dezember auf diesen 60 Kilometern starten soll, mit Spitzen von 230 begnügen. Für mehr ist der ÖBB-Vorzeigezug Railjet, der von einer Taurus-Lok angetrieben wird, nicht zugelassen. Zur Relation: Die Königsklasse transeuropäischer Hochgeschwindigkeitsbahnsysteme beginnt laut EU erst bei Tempo 250.

Markant: Während die Planungen für die neue Westbahn bereits im Jahr 1990 starteten, kam die Taurus-Lok erstmals im Jahr 2000 zum Einsatz. Dass es sich um eine Fehlentscheidung zugunsten der Taurus handelt, sieht ÖBB-Vorstand Franz Seiser im NÖN-Gespräch allerdings nicht. Man müsse ja nicht immer jedes Tempo voll ausreizen.

Vergangene Woche lobten Verkehrsministerin Doris Bures und ÖBB-Konzernchef Christian Kern bei einer Testfahrt vor Journalisten jedenfalls die neue 2,8 Milliarden Euro teure Westbahnstrecke. Gefahren wurden über 250 km/h. Bures sprach von einer „ordentlichen Konkurrenz“ zum Auto, Kern vom „Eintritt Österreichs ins Hochgeschwindigkeitszeitalter“.

Mit Fahrplanwechsel im Dezember wird die direkte Fahrt Wien-Westbahnhof – St. Pölten-Hauptbahnhof 25 statt 41 Minuten dauern. Züge mit Halt in der Station Tullnerfeld sollen 32 Minuten benötigen.