Neues Öffi-Tarifsystem 2016. Warum der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) seine lange angekündigte Reform auch in diesem Jahr nicht schafft.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 10. Juni 2014 (14:01)
NOEN, Erich Marschik
„Wir waren sehr weit, weshalb wir die Umstellung ankündigen konnten. Dann haben sich die Spielregeln zur Bestellung und Finanzierung auf europäischer Ebene grundlegend geändert“, erklärt VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll. Erich Marschik

Seit etwa zehn Jahren wird immer wieder eine Reform des Zonen- und Tarifsystems (siehe Infobox) im Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) angekündigt. Umgesetzt wurde sie bis dato nicht. Und auch heuer – zum 30-jährigen Bestandsjubiläum des größten Verkehrsverbundes Österreichs – wird es sich nicht ausgehen, erklärt VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll gegenüber der NÖN.

„Aller Voraussicht nach werden wir die Umsetzung 2016 schaffen, wobei sich der Sommer anbieten würde“, meint Schroll. „Der grundsätzliche Organisationsplan steht. Wir bereiten schon die Software vor.“

Änderungen der Rahmenbedingungen

Warum der Starttermin immer wieder nach hinten verschoben wurde? Viel Zeit kosteten den VOR – der nicht nur für einheitliche Tarife im Verbundraum sorgt, sondern auch im Auftrag der Länder Verkehre bei den Öffi-Anbietern bestellt – die zwischenzeitlichen Änderungen der Rahmenbedingungen.

„Wir waren sehr weit, weshalb wir die Umstellung ankündigen konnten. Dann haben sich die Spielregeln zur Bestellung und Finanzierung auf europäischer Ebene grundlegend geändert. Damit haben unsere Vorarbeiten so nicht mehr gepasst und wir mussten in vielen Bereichen von vorne anfangen“, erklärt Schroll zu einer 2009 in Kraft getretenen EU-Verordnung (Public Service Obligations).

Tarifumstellung wie ein Lichtschalter

„Wir müssen uns die Zeit nehmen, die wir brauchen“, sagt Schroll: „Eine Tarifumstellung muss funktionieren wie ein Lichtschalter: Den einen drehe ich ab und den anderen auf.“ Immerhin müssten Tausende Ticketautomaten in NÖ, Wien und dem Burgenland und die Software umgestellt werden. Die Kosten schätzt er auf drei Millionen Euro. Kinderkrankheiten könne man sich nicht leisten. Daher solle im Vorfeld auch eine halbjährige Test- und Schulungsphase stattfinden.

Was den VOR derzeit ebenfalls stark beschäftigt, ist die Vollinbetriebnahme des Wiener Hauptbahnhofs gegen Ende 2016 – samt neuer Angebote und Umstiegsrelationen. Immerhin ist der Verbund für die Ausschreibung der Zubringerverkehre, vor allem im Busbereich, zuständig.

Im Vorjahr wurden 974 Millionen Personen im VOR-Gebiet in der Ostregion befördert. Das ist fast eine Verdreifachung binnen der letzten 30 Jahre.

Neuer Mega-Verbund: So soll er aussehen

Status quo. Der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) gehört den Ländern NÖ, Wien (zu je 44 Prozent) und Burgenland. Im Verbundraum, der Wien und die angrenzenden Regionen von NÖ und dem Burgenland umfasst, sorgt er unter anderem für einheitliche Fahrgasttarife bei allen Öffis. Den Rest von NÖ und dem Burgenland deckt der Verkehrsverbund NÖ-Burgenland (VVNB) ab. Das Management beider Verbünde ist bereits ident.

Ausblick. Im Jahr 2016 soll der VVNB im VOR aufgehen. Dabei soll das komplexe Zonen- und Tarifsystem erneuert und vereinfacht werden. Nach bisherigen Überlegungen sollen rund um die Kernzone Wien kleinere und billigere Zonen entstehen, die sich annähernd an den Gemeindegrenzen orientieren dürften. In diesem Mega-Verbundgebiet werden über 3,7 Millionen Menschen leben – über 40 Prozent der Bevölkerung Österreichs.

Tariferhöhung im Juli: So spart man Geld

Teuerung. Diesen Sommer werden im Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) die Ticketpreise erhöht.

Ab 1. Juli 2014 steigen damit die Preise für Einzelfahrscheine von derzeit 2,10 auf 2,20 Euro je Zone. Wochen- und Monatskarten werden ebenfalls teurer. Ab 1. Juli werden dann auch die Jahreskarten-Preise in den Außenzonen um durchschnittlich 2,8 Prozent erhöht. Das Top-Jugendticket (60 Euro) und die Jahreskarte für die Kernzone Wien (365 Euro) sind von der Teuerung ausgenommen.

Sparmöglichkeiten. Vorverkaufstickets wie Einzelfahrscheine bleiben bis Jahresende gültig. Wer sparen will, deckt sich damit noch vor Juli ein. Vorsicht: Wer 2015 mit alten Fahrscheinen erwischt wird, zahlt 103 Euro Strafe. Eine Jahreskarte sollte man bei Bedarf vor August kaufen. Auf der Strecke Wien-St. Pölten spart man so 50 Euro.