Innovation aus NÖ: Wärmepumpe für die Industrie. Niederösterreicher Bernhard Adler hat spezielle Wärmepumpe entwickelt, die Industrieabwärme nutzt.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 13. August 2019 (03:09)
ecop
Bei der Bioenergie Bucklige Welt in Schwarzau am Steinfeld wird seit 2017 eine erste ecop-Wärmepumpe getestet.

Was es für Privathaushalte schon gibt, ist für die Industrie hier noch Nachholbedarf: Die Rede ist von Wärmepumpen. Hier gibt es im industriellen Bereich ein riesiges Einsparpotenzial – denn die produzierte Abwärme in der Industrie wird bislang wenig genutzt.

„Wir haben gesehen, dass in der Industrie ein definitiver Bedarf an Wärmepumpen da ist“, sagt Bernhard Adler, Gründer der ecop Technologies GmbH. „Bisher wird in diesem Bereich viel mit fossilen Brennstoffen gemacht.“ Nur: Herkömmliche Wärmepumpenverfahren eignen sich nicht für hohe Temperaturen und sind für den Einsatz in der Industrie ineffektiv. Außerdem nutzen manche Wärmepumpen ein Kältemittel, dessen Emissionen klimaschädlich sind.

Daher hat Adler, der in Gramatneusiedl (Bezirk Bruck/Leitha) wohnt, nach seinen Angaben ein neues und nachhaltiges Verfahren entwickelt, das nur ein Gas verwendet, das aus der Luft gewonnen wird. „Außerdem wird ein anderer Prozess genutzt“, so Adler – und diesen Prozess, der Energie aus Industrieabwärme rückgewinnt, hat er bereits seit über einem Jahrzehnt entwickelt. Adler verspricht einen Effizienzgewinn durch seine Wärmepumpe von bis zu 100 Prozent.

Preisgekröntes Verfahren

Bereits in seiner Jugend hat Adler, der eine HTL absolviert hat, sich mit Thermodynamik befasst. Im Jahr 2007 hat er sein Unternehmen gegründet, 2011 sind erste Investoren mit eingestiegen, bis 2014 wurde der erste vollfunktionsfähige Prototyp gebaut und im Labor getestet – eine Rotationswärmepumpe mit 700 kW – Produktname: Rotation Heat Pump K7.

Das Verfahren ist mit vier Patentfamilien geschützt, insgesamt sind das über 60 weltweite Patente. Mittlerweile hat ecop für sein Verfahren einige renommierte Preise abgeräumt – etwa den Europäischen Umweltpreis der Europäischen Kommission 2018 und den Staatspreis Umwelttechnologie 2018/19.

Referenzprojekt von ecop ist die Bioenergie „Bucklige Welt“ in Schwarzau am Steinfeld (Bezirk Neunkirchen). Hier ist die Industrie-Wärmepumpe seit 2017 im Einsatz. „Wir wollten den Jungen eine Chance geben, und da sind wir als kleiner Betrieb natürlich flexibler“, sagt Bioenergie-Geschäftsführer Peter Aigner, der auch Geschäftsführer der Therme Linsberg GmbH ist, die etwa Bad Erlach, Schwarzau und Teile von Wiener Neustadt mit Fernwärme versorgt. Ein Risiko war natürlich mit dabei: Die Projektkosten für eine ecop-Wärmepumpe belaufen sich auf 500.000 bis 700.000 Euro.

Mehr als 30 zusätzliche Mitarbeiter bis 2022

Für die Zukunft hat ecop-Geschäftsführer Bernhard Adler jedenfalls noch einiges vor. „Wir sind jetzt gerade dabei, die Serienüberleitung durchzuführen“, sagt er. 2020 sollen dann drei Anlagen produziert werden. Die Produktion am derzeitigen Standort im oberösterreichischen Neuhofen an der Krems ist darauf ausgelegt, 30 bis 40 Maschinen pro Jahr herzustellen. Aktuell beschäftigt ecop 16 Mitarbeiter, 2022 sollen es 50 sein. In diesem Jahr will ecop auch die Gewinnschwelle erreicht haben.

Um die Serienüberleitung auszufinanzieren, läuft derzeit auch eine Crowdinvesting-Kampagne auf Green Rocket. Ecop hat es geschafft, als einziges Nicht-Immobilien-Projekt unter die Top 15-Crowdinvesting-Projekte im 1. Halbjahr 2019 in Österreich zu kommen. Funding-Ziel der bis 15. August laufenden Kampagne sind 750.000 Euro.

Vorläufig werde sich ecop mit seinen Wärmepumpen auf die Industrie fokussieren, sagt ecop-Geschäftsführer Adler. Die Vision dahinter ist aber eine große: „Wir wünschen uns, dass unser Verfahren zum Standardverfahren für alle Wärme- und Kälteanlagen wird. Theoretisch geht das bis zum Kühlschrank hinein.“