Baustoff-Engpass gefährdet Baustellen. Produktionsausfälle und Logistikschwierigkeiten verursachen Mangel und Höchstpreise. Die Bau-Branche rechnet schon bald mit Problemen.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 28. April 2021 (05:44)
Symbolbild
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Seit Jänner erleben Häuslbauer, Baufirmen und Baustoff-Händler schon die vierte Preiserhöhung bei Baustahl (80 Prozent teurer), Bauholz (50 Prozent), XPS-Platten und Kanalrohren. Die Branche verzeichnet Baustoff-Preise wie vor zwanzig Jahren und kämpft mit wochenlangen Lieferzeiten bis hin zu kompletten Bestell-Stornierungen durch Produzenten.

Als Gründe für die Baustoff-Bredouille werden die weltweit anziehende Konjunktur und die hohe Baustoff-Nachfrage wegen eines massiven Baubooms im In- und Ausland ins Treffen geführt. Pandemiebedingte Produktionsausfälle und Logistikprobleme verschärfen die Lage. China hat sich vom Eisen-Exporteur zum Importeur gemausert, die USA zahlen Höchstpreise für Bauholz und saugen den Weltmarkt leer. Frächter sind Mangelware, und wenn sie fahren, dann nicht mehr zum ursprünglichen Tarif, die Container-Schifffahrt ist seit Pandemie-Beginn stark eingeschränkt und hat sich um ein Fünffaches verteuert.

Eine Entspannung ist nicht in Sicht, im Gegenteil: „Die Situation ist heuer viel dramatischer als sonst“, sagt Susanne Übellacker, Obfrau der Baustoff-Händler.

Susanne Übellacker ist Landesgremialobfrau des Baustoffgewerbes.
J. Bollwein, J. Bollwein

Derzeit könne man die Baufirmen als Kunden noch „irgendwie“ bedienen, künftig werde es aber zu Verzögerungen kommen. „Baufirmen hamstern, was nur geht. Jeder fragt jeden. Wir bekommen Verfügbarkeitsanfragen aus ganz Österreich. Dieses Ausmaß hatten wir noch nie“, erzählt Übellacker. Besonders im Argen sei die Situation bei XPS-Platten, die auch bei der Kellerdämmung zum Einsatz kommen. „Die Industrie nimmt nicht einmal Bestellungen entgegen.“ Aber auch bei anderen Dämmstoffen, bei Eisen, Kanalrohren, Bauholz und Epoxidharz gebe es massive Lieferprobleme.

Baustellen könnten bald still stehen

Dass Baufirmen Vorräte aufkaufen, schließt Robert Jägersberger, NÖ-Innungsmeister Bau, aus.

Robert Jägersberger ist Bundes- und Landesinnungsmeister Bau.
G. Lechner, G. Lechner

Die Situation stuft er aber ähnlich akut ein. „So eine Situation gab es noch nie. Dass einzelne Produkte durch den Weltmarkt beeinflusst waren, hat es schon gegeben, aber nicht in diesem Ausmaß.“ Baustellen seien aktuell noch in Betrieb, aber schön langsam können gewisse Arbeiten nicht mehr erledigt werden. „Ohne Kanalrohre, ohne Dämmung kann man kein Fundament betonieren – dann steht die Baustelle“, sagt Jägersberger. So eine Situation malen einige Baufirmen für den Herbst an die Wand. Trotz voller Auftragsbücher wäre ohne Baustoffe keine Arbeit mehr möglich.

<spunQ:h1 class="quote">„Ohne Kanalrohre und Dämmung kann man kein Fundament betonieren – dann steht die Baustelle.“<em> Robert Jägersberger, Bundes- und Landesinnungsmeister Bau</em></spunQ:h1>

Übellacker und Jägersberger vermuten auch einen Hauch Kalkül und Spekulation hinter den aktuellen Teuerungen: Dass Produzenten gezielt weniger herstellen beziehungsweise Baustoffe zurückhalten, um den Preis nach oben zu treiben. „Die Leidtragenden sind die Ausführenden“, sagt Jägersberger.

Wann sich die Marktsituation bei Baustoffen beruhigen wird, wissen beide nicht. „Wir hoffen, dass die europaweite Produktion wieder anspringt und dass Transportketten wieder funktionieren“, sagt Jägersberger. Unabhängig davon merke man, dass Kommunen bei öffentlichen Bauvorhaben mehr sparen. Und die Zukunft des privaten Häuslbauer-Markts hänge stark von den Folgen der Pandemie (Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit) ab, sagt Susanne Übellacker. Sie zeigt sich zur aktuellen Baustoff-Bredouille aber optimistisch: „Nach jedem Regen kommt die Sonne wieder: Das Preisniveau wird sich schon wieder einspielen.“

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