Dorfhelferin: Von Beruf Alleskönnerin. Dorfhelferin ist ein einzigartiger und vielfältiger Beruf, den es nur in Niederösterreich gibt. Er vereint soziale Tätigkeiten wie Kinder- und Altenpflege mit landwirtschaftlichen Aufgaben, vom Traktorfahren bis hin zum Kuhmelken.

Von Sophie Kronberger. Erstellt am 17. Oktober 2018 (02:29)
Sophie Kronberger
Das Schönste am Job als Dorfhelferin ist für Maria Halmer die Kinderbetreuung. Und wenn die Kulisse passt, dann gibt es nichts auszusetzen.

In Emmersdorf an der Donau liegt der landwirtschaftliche Betrieb, in dem Maria Halmer seit drei Wochen wohnt und arbeitet. Die Sonne strahlt ins Gesicht, und genauso strahlt Halmer, als sie auf die Donau und das Stift Melk hinunterblickt. „So eine schöne Kulisse, das macht das Arbeiten gleich viel einfacher“, sagt sie.

Halmer ist eine von insgesamt 33 Frauen, die momentan in Niederösterreich den Beruf der Betriebs- und Dorfhelferin ausüben. Immer dann, wenn eine betriebsführende Bäuerin etwa durch Schwangerschaft oder Krankheit ausfällt, kann eine Dorfhelferin beantragt werden, damit die Arbeit am Hof wie gewohnt weiterläuft und keine finanziellen Einbußen entstehen. Der Beruf vereint Heim- und Betriebshilfe gleichermaßen.

Tiere, Natur, Kochen und Kinderbetreuung

Maria Halmer ist in Emmersdorf der Ersatz für die Bäuerin Birgit, deren Betrieb auf Milchkühe und Stiere spezialisiert ist. Da diese erst vor kurzem ein Kind bekommen hat und zusätzlich auch mit einer Angina im Bett liegt, fehlen starke Hände im Betrieb. „Ich bin also da, damit sich Birgit ausruhen kann“, erzählt Halmer, die ursprünglich aus St. Veit an der Gölsen im Bezirk Lilienfeld kommt. Eine Woche nach der Geburt des kleinen Samuel ist sie in den Betrieb gekommen, um tatkräftig anzupacken.

„In der Früh füttere ich zuerst die Kaninchen. Dann stehen Stall ausmisten am Programm sowie das Haus putzen und alle Mahlzeiten des Tages zubereiten. Und natürlich kümmere ich mich jederzeit, wenn es gerade notwendig ist, um den kleinen Mann“, erzählt Halmer, während sie Samuel im Arm hält. „Kuhmelken muss ich hier nicht, das macht der Opa der Familie.“ Aber sonst zählt das natürlich auch zu ihren Aufgaben. Grundsätzlich sei jeder Tag verschieden.

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Neben all den anstrengenden Tätigkeiten auf dem Hof findet Maria Halmer dennoch Zeit zu backen, denn „am Nachmittag gehört schon ein guter frischer Striezel zum Kaffee“. 

„Ich mache einfach, was gerade zu tun ist“, erklärt Halmer. Seit drei Jahren übt die 22-Jährige den herausfordernden, aber spannenden Beruf aus. Wie viele Einsätze sie schon hatte, kann sie gar nicht mehr genau sagen. „Mehr als 40 werden es schon gewesen sein.“ Viele Einsätze, die meistens vier Wochen dauern, dokumentiert sie in einem kleinen Büchlein, in dem sie Postkarten und Fotos einklebt. „Als Erinnerungsbuch“, lächelt Halmer.

Bereits in der Hauptschule erfuhr Maria Halmer durch Freundinnen vom Beruf der Dorfhelferin. Später in der Landwirtschaftlichen Fachschule Sooß gab es eine Vorstellung der dazugehörigen Ausbildung an der LFS Gießhübl. Die Entscheidung, die Ausbildung zu machen, sei schnell für sie gefallen.

Praxisnahe Ausbildung mit viel Theorie

Seit 1966 haben rund 500 Frauen diese einzigartige Ausbildung absolviert. Auch Männern ist dieser Beruf zugänglich, bis jetzt hat jedoch kein Mann die Ausbildung abgeschlossen. Anfang September haben sieben Damen mit der Ausbildung begonnen. Kinder- und Krankenpflege, Küchen- und Haushaltsführung sowie Landwirtschaft stehen auf dem Lehrplan der neunmonatigen Ausbildung. In vier verschiedenen Übungsbetrieben wird geschnuppert und so praxisnah erlebt, was es heißt, eine Betriebs- und Dorfhelferin zu sein.

Viel Eigeninitiative sei auf jeden Fall gefordert, erklärt Halmer. „Es wird erwartet, dass man mitdenkt und anpackt, wo es gerade notwendig ist.“ Man müsse einen guten Überblick bewahren und sich schnell in den Betrieb einleben können, fasst Maria Halmer das Anforderungsprofil zusammen. Für sie sei es der ideale Job, da er alles vereine, was sie gerne mache. „Ich bin gern in der Natur, und die Arbeit mit Tieren macht mir Freude, aber besonders gerne passe ich auf die Kinder auf und spiele mit ihnen.“ Es sei vor allem schön, den Kindern beim Aufwachsen zu zusehen. „Vielleicht komme ich ja auch eines Tages wieder in diesen Betrieb und kann sagen, dass ich den Samuel schon als ganz kleines Baby gekannt habe“, lächelt Halmer.

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