WIFO-Studie: Die Zukunft liegt in den Regionen. Was die Menschen im Land bewegt, hat das WIFO im Auftrag der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien in einer der umfangreichsten sozialwissenschaftlichen Befragungsstudien untersucht. Starker Wunsch nach dezentralen Lösungen für soziale Infrastruktur

Von Walter Fahrnberger. Update am 23. Februar 2021 (17:00)
Studie im Auftrag der Raiffeisen Holding Niederösterreich Wien reg. Gen.m.b.H.  Durchgeführt von WIFO.
NÖN-Grafik: Gastegger

Eines vorweg: Die mit knapp 16.000 Teilnehmern große Studie „Niederösterreich - Morgen“ über die subjektiven Zukunftserwartungen der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher wurde vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) bereits 2019, also vor Corona, durchgeführt. Deshalb wurden die Ergebnisse 2020 mit qualitativen Interviews von Meinungsführern im Land noch einmal hinterfragt.

Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisen Holding NÖ-Wien.hk
Thomas Topf

„Dabei hat sich gezeigt, dass sich Ergebnisse der Studie bestätigt bzw. Trends wie der Wunsch nach dezentralen Lösungen nochmals verstärkt haben“, erklärt Auftraggeber Erwin Hameseder, Obmann Raiffeisen-Holding NÖ-Wien. Dort will man aus den Erkenntnissen gemeinsame Lösungsmodelle in den Regionen entwickeln.

88 Prozent sind mit ihrem Leben sehr zufrieden

Jedenfalls zeigt die Studie klar, dass die Niederösterreicher mit ihrem Leben sehr zufrieden sind (88%). Jeder Zweite blickt aber sehr kritisch in die Zukunft, was sich durch die Corona-Pandemie in verschiedenen Lebensbereichen wohl noch verstärken wird. Besonders stark ausgeprägt ist im Land die Verbundenheit mit Familie (94%) und Freunden (83%) – die sich laut den Ergebnissen weiter intensivieren wird – sowie die regionale Verbundenheit. Mit dem Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen sind mehr als drei Viertel aller Befragten zufrieden.

WIFO-Leiter Christoph Badelt (v. l.), Studienautorin Sandra Bilek-Steindl (WIFO) und Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, präsentierten die Studie „Niederösterreich – Morgen“, bei der 16.000 Personen aus Niederösterreich zu den Themen Leben, Wohnen, Arbeit und Mobilität befragt wurden.
Elia Zilberberg

Sorge bereiten den Landsleuten die Kosten fürs Wohnen. Obwohl sieben von zehn Niederösterreichern in Eigentum leben, befürchten ebenso viele höhere Belastungen durch laufende Kosten. Deshalb spielen alternative Wohnformen künftig eine große Rolle. Nachdem Gemeinden oft das Geld fehlt, sieht Hameseder die Chance für Regionalentwicklungsgesellschaften, die strategisch wichtige Liegenschaften für die Kommunen ankaufen könnten.

Raiffeisen plant Dorf-Office in Regionen

Ähnliches gilt auch für Büroflächen. Sowohl als Arbeitsräume für Jungunternehmer als auch als Alternativen fürsHomeoffice plant Raiffeisen die Schaffung von kooperativen Räumen in ihren Genossenschaftshäusern. Dort könnten sogenannte Dorf-Offices entstehen, die das Land als attraktiven Lebensort aufwerten würden.

Eine wesentliche Änderung erfährt aktuell die Mobilität. Nur mehr 60 Prozent der Erwachsenen unter 29 Jahren haben laut der WIFO-Studie ein eigenes Auto oder Motorrad. Daher sollen künftig auch mehr Carsharing-Modelle oder Fahrtendienste angeboten werden. Erste Beispiele dazu gibt es in Niederösterreich bereits.

Der Leiter des WIFO, Universitäts-Professor Christoph Badelt sieht in der Studie einige starke Aussagen, die ein umfassendes Bild der Lebensstruktur im Land ergeben. Neben der hohen Zufriedenheit der Menschen sieht Badelt aber auch Zukunftsthemen, die Unsicherheit geben. "Zum Wohlfühlen braucht es eine soziale Infrastruktur. Das aktive gesellschaftliche Leben ist ein Symbol der gelebten Regionalität. Das ist nötig, um auch die nächste Generation zufriedenzustellen", so Badelt.