Niederösterreich

Erstellt am 12. Februar 2019, 04:32

von Anita Kiefer

Wienerberger setzt auf Digitalisierung & Innovation. Neue Service-App für Kunden im Sommer. Und neuer Ziegel soll Schlagzeilen machen.

Mike Bucher ist Chef von Wienerberger Österreich. Bundesweit werden pro Jahr 600 Millionen Ziegel vom Unternehmen produziert, in Niederösterreich sind es 150 Millionen.  |  Franz Gleiß

Niederösterreich ist in Österreich ein Kernland für den Ziegelproduzenten Wienerberger. Von den bundesweit 500 Mitarbeitern, die für Wienerberger arbeiten, sind 150 in Niederösterreich beschäftigt. Nämlich in den beiden Produktionsstandorten Hennersdorf (Bezirk Mödling) und Göllersdorf (Bezirk Hollabrunn). Und hier wird auch heuer im Jubiläumsjahr des Wand- und Dachziegelspezialisten investiert. Zwischen 2018 und 2020 fließen acht Millionen Euro in die beiden Werke.

Jenes in Göllersdorf steht im Februar und März für sechs Wochen still. „Hier wird eine Schleifanlage eingebaut, außerdem gibt es Optimierungen am Trockner und am Ofen. Ab April bzw. Mai werden wir hier auch geschliffene Ziegel produzieren“, erklärt Wienerberger Österreich-CEO Mike Bucher im Gespräch mit der NÖN. In Hennersdorf sei bereits 2018 viel passiert, verrät er. Hier waren es hauptsächlich Optimierungen im Bereich Trockner und Ofen. Seit Mai 2018 läuft hier der Regelbetrieb. „2019 werden wir dort so lange wie möglich durchproduzieren und erst Ende des Jahres weitere Umbaumaßnahmen während des Betriebs durchführen.“ Diese werden Optimierungen bei der Presse und der Setzanlage, wo nasse und später auch trockene Ziegel umgeladen werden, sein.

Abseits von Investitionen in die Lager ist der gesamte Wienerberger-Konzern aktuell dabei, sich dem Thema Digitalisierung zu widmen. In Belgien wird heuer ein Bau-Roboter getestet, der mehrgeschoßig Zwischen- und Außenmauern mauern kann – und das selbstständig. „Der Bauroboter ist auch eine Idee, wie man dem Fachkräftemangel begegnen kann“, sagt Bucher. Bis der Roboter auf Baustellen eingesetzt werden kann, wird aber noch einige Zeit vergehen.

„Ich unterschreibe keine Rechnung mehr“

Abgesehen davon ist Wienerberger in Österreich dabei, papierlos zu werden. „Wir haben eine interne App, wo auf interne Datenbank mit Datenblättern, Prospekten, Verlegeanleitungen, Produkte etc. zugegriffen werden kann. Diese App wollen wir jetzt noch auf Hochglanz polieren und sie spätestens im Sommer für Kunden auf den Markt bringen“, erklärt Bucher. Die Kunden können diese Serviceapp dann kostenfrei nutzen.

Auch was interne Abläufe angeht, ist Wienerberger am Weg zum papierfreien Büro. „Ich unterschreibe keine einzige Rechnung mehr“, so Bucher – die werden via App freigegeben.

Für Herbst 2019 kündigt der Wienerberger-Chef auch eine analoge Innovation an: Einen neuen, im burgenländischen Pinkafeld produzierten Dachziegel. Mehr verrät er noch nicht, nur so viel: „Er wird Schlagzeilen machen.“

"Ziegel kann vom Bauboom nicht so profitieren"

Länder-Ergebniszahlen gibt Wienerberger nach wie vor keine bekannt. Anfang des Vorjahres ging Bucher für 2018 von einem Plus von drei Prozent im Wand- und einem ebenso großen Minus im Dachbereich aus. „Es kam nicht so, weil wir auf der Wandseite weniger gut und auf der Dachseite weniger schlecht waren. In beiden Bereichen lagen wir demnach auf Vorjahresniveau.“ Und das trotz des Baubooms. „Den gibt es, aber der Ziegel kann davon nicht so profitieren.“

Im Dachbereich sei man an der Talsohle angelangt. „Ich hatte anfang des Vorjahres Bedenken wegen der fehlenden Sanierungsquote. Die fehlt auch weiterhin, das Niveau verringert sich seit 2012. Nur von 2017 auf 2018 ist es gleichgeblieben.“

Für 2019 geht Bucher von einem ähnlichen Ergebnis wie 2017 und 2018 aus. Wienerberger, das heuer übrigens sein 200-jähriges Bestehen feiert und seit 150 Jahren börsennotiert ist, produziert in NÖ rund 150 Millionen Ziegel pro Jahr, bundesweit sind es 600 Millionen.