Niedrig- Preise als Märchen. NÖN-Preisvergleich /  Wie ein Testeinkauf (Bild) bei Tank- stellenshops und Supermärkten zeigt, liegt die Preisdifferenz bei bis zu 37 Prozent. Ein Sortiment „zu Preisen, die nur wenig über jenen im Supermarkt liegen“ verspricht die zum

Von Heinz Bidner. Erstellt am 16. Juni 2014 (23:59)
NOEN, Christine Haiderer

Ein Sortiment "zu Preisen, die nur wenig über jenen im Supermarkt liegen", verspricht die zum Rewe-Konzern gehörige Supermarktkette Billa auf ihrer Homepage. Und von „Lebensmitteln zu Supermarktpreisen“ schreibt Spar online. Was nicht dabei steht: Diese Aussagen gelten nur für bestimmte Artikel.

NÖN-Testeinkauf zeigt große Differenzen

Die NÖN machte nämlich die Probe aufs Exempel, stellte einen kleinen Warenkorb aus Markenprodukten (Chips, Schokolade, Soft- und Energydrink) samt Semmerln zusammen und ging in St. Pölten einkaufen. Das Ergebnis: Bis auf den Preis für Semmeln bei Spar waren alle Produkte im Tankstellenshop der jeweiligen Kette teurer als im Supermarkt.

Am besten schnitt dabei noch Spar ab

Hier lag die durchschnittliche Differenz zwischen Supermarkt und Spar express-Tankstellenshop bei 25 Prozent. Bei Billa waren es 29 Prozent.

Der Tankstellenshop-Vertrieb via Merkur inside war gar um 37 Prozent teurer

Bei einem Rechnungsbetrag von 7,76 Euro sind das Mehrkosten von 2,08 Euro. Umgekehrt ist hier das Service am besten: Geöffnet ist rund um die Uhr – an jedem Tag im Jahr.

„Spar bietet als einziger Eigenmarken, Brot und Backwaren, Obst und Gemüse zu Supermarkt-Preisen an allen Spar express-Tankstellenshops an“, erklärt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Markenprodukte wären um etwa zehn bis 15 Prozent teurer als im Supermarkt. Höhere Produktpreise würden grundsätzlich auf den höheren Personalkosten wegen der langen Öffnungszeiten basieren.

Bei Rewe (Billa, Merkur) weist man jegliche Gestaltungsmöglichkeit der Verkaufspreise von sich, zumal man nur Lieferant sei. „Für die Verkaufspreise ist der Tankstellenshopbetreiber zuständig“, so eine Sprecherin. Es gebe aber über das Sortiment betrachtet immer wieder Produkte, die gleich teuer wie im Supermarkt wären.

Klicken Sie auf die Grafik, um sie in voller Auflösung anzuzeigen:



 

NÖN-Testeinkauf 

Rechnungssummen beim Einkauf (11. Juni, St. Pölten) von je 2 Semmeln, Milka Milchschokolade (100 g), Coca Cola light (500 ml), Red Bull (250 ml), Kelly’s Chips classic (175 g) in Supermarkt-Shops. Preisunterschied zur je zugehörigen Supermarktkette (Spar, Billa bzw. Merkur) in Prozent.
  • Spar express (bei Turmöl) 7,06 €  (+25 % )   

  • Billa stop & shop (bei JET) 7,28 €  (+29 % )      

  • Merkur inside (bei BP)  7,76 €  (+37 %)       


Absatzmarkt ohne Ladenöffnungsregeln

Öffnungszeiten. Attraktiv ist die Belieferung von Tankstellenshops für große Handelsketten vor allem deshalb, weil hier die strengen Ladenöffnungszeiten des Handels nicht gelten. Abgesehen von einzelnen Ausnahmeregelungen dürfen Geschäfte in NÖ nämlich maximal 72 Stunden pro Woche offen halten – von Montag bis Freitag zwischen 5 und 21 Uhr sowie am Samstag zwischen 6 und 18 Uhr.

Standortausbau. 2010 starteten Billa (in Kooperation mit JET) und Spar (mit Shell sowie der Dopplergruppe unter den Marken Turmöl und BP) die Belieferung von Tankstellenshops unter ihren Marken. 2012 kam Merkur (mit BP selbst) dazu. Mittlerweile gibt es in Österreich 121 Tankstellenshops mit Billa-, 89 mit Spar- und 44 mit Merkur-Logo. Etwa ein Sechstel davon befindet sich in NÖ. Tendenz weiter steigend. Damit haben die beiden größten Lebensmittelhändler auch hier die Nase vorn. Ihre Umsätze via Tankstellenshops geben sie nicht bekannt. Shop-Betreiber sind meist Tankstellenpächter, aber auch Mineralölfirmen selbst. Ins Tankstellengeschäft gestartet ist heuer die Marke Nah&Frisch mit zwei Testshops in OÖ – in Kooperation mit der Doppler-Gruppe.