15,6 Prozent mehr Arbeitslose im Februar als im Vorjahr. Trotz angespannter Lage hat Niederösterreich den geringsten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu den anderen Bundesländern zu verzeichnen. Jobchance50+ und NÖ Lehrlingsoffensive sollen eine Perspektive geben.

Von Redaktion NÖN.at. Erstellt am 01. März 2021 (11:31)
432.539 Personen arbeitslos, Höchststand Mitte April lag bei 588.000
APA (Symbolbild)

So wie in Gesamtösterreich haben natürlich auch in Niederösterreich die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt mit sich gebracht. Aktuell liegt die Arbeitslosigkeit um 9.250 bzw. 15,6% höher als im Februar des Vorjahres (nach +17,1% im Jänner). Das ist seit dem Höchststand im April der geringste Anstieg in Niederösterreich und auch österreichweit der geringste Anstieg aller Bundesländer.

„Wir arbeiten konsequent weiter, der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Programme wie Jobchance50+ und die Lehrlingsoffensive haben wir für heuer bereits aufgestockt, um den Menschen Perspektiven zu geben. Auch für eine berufliche Weiterbildung oder Umorientierung haben wir Maßnahmen ergriffen. Ein Instrument ist dabei unser NÖ Kompetenzkompass, der jedem seine individuellen Stärken aufzeigt und damit den Grundstein für die persönliche berufliche Weiterentwicklung legt“, betont der für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrat Martin Eichtinger

Rechnet man die Schulungsteilnehmer_innen dazu, waren in NÖ im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat mit 77.648 um 9.469 oder 13,9% mehr Personen beim AMS NÖ registriert. Auch das ist österreichweit der geringste Anstieg.

„Mit der Ende vergangenen Jahres gestarteten Corona-Joboffensive wollen wir Niederösterreicher_innen die arbeitslos sind bei der Aus- und Weiterbildung in zukunftsträchtigen Berufen und im betriebsnahen Bereich unterstützen, um die Arbeitslosigkeit rasch und nachhaltig zu reduzieren“, erklärt der Landesgeschäftsführer des AMS-NÖ Sven Hergovich.

Entwicklung nach Alter, Geschlecht und Dauer der Arbeitslosigkeit

Nach Altersgruppen gab es bei den Personen im Haupterwerbsalter (25-49 Jahre) Ende Februar im Jahresvergleich einen Anstieg um 18,5% und bei den Älteren (50plus) einen Anstieg von 13,3%. Den geringsten Anstieg gab es mit 9,0% bei den Jugendlichen.

Auffallend ist nach wie vor der mit 20,0% höhere Anstieg der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr bei den Frauen, während er bei den Männern 12,4% beträgt.

Die Covid-Krise wirkt sich weiterhin besonders auf die Langzeitarbeitslosigkeit aus, die mit plus 58,1% (+5.688 Personen) überdurchschnittlich gestiegen ist und im Februar bei 15.476 Personen liegt.

Anstieg nach Branchen, Nationalität und Bezirken

Nach Branchen gab es die stärksten Zuwächse gegenüber dem Vorjahr im Handel (1.893), in der Beherbergung und Gastronomie (1.843), im Bereich Gebäudebetreuung und der Arbeitskräfteüberlassung (insgesamt ca. 1.350), in der Warenherstellung (798) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (684). Der Anstieg im Baubereich hält sich gegenüber dem Vorjahr vor dem Hintergrund der Pandemie in Grenzen (563).

Die regionalen Arbeitsmärkte sind ebenfalls vom Corona-bedingten Lockdown geprägt. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit mit Ausnahme von Zwettl (-3,4%) in allen NÖ Arbeitsmarktbezirken. Am deutlichsten ist das Plus in Waidhofen/Ybbs (28,3%), in Mödling (23,8%), in Korneuburg (22,7%), in Schwechat (22,0%), in Scheibbs (21,2%) und in Bruck/Leitha (20,0%). Mit Abstand am niedrigsten steigt die Arbeitslosigkeit in allen waldviertler Bezirken.

Stellenmarkt

Erste positive Signale zeigen sich am Stellenmarkt: Ende Februar liegt der Bestand an gemeldeten offenen Stellen mit 10.921 etwa auf dem Niveau des Vorjahres (-1,6%).