Arbeitslosigkeit ist auf Vorkrisenniveau gesunken. Im Juli liegen die Arbeitslosenzahlen in Niederösterreich erstmals im selben Bereich wie vor der Pandemie. In der Beherbergung und der Gastronomie war der Rückgang am deutlichsten. Männliche Jugendliche haben am meisten von der aktuellen Entwicklung am Arbeitsmarkt profitiert. Landesrat Martin Eichtinger und Landesgeschäftsführer des AMS NÖ Sven Hergovich gehen davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen weiter sinken werden.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 02. August 2021 (14:15)
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APA Pfarrhofer

Mit Ende Juli meldete das Arbeitsmarktservice Niederösterreich (AMS NÖ) 45.663 Personen auf Jobsuche. Das sind um 15.920 also 25,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Wert liegt damit erstmals unter dem vor der Pandemie im Jahr 2019. Ein Ergebnis, welches neben Niederösterreich nur in einem weiteren österreichischen Bundesland erreicht werden konnte. Nämlich in Kärnten. Bundesweit wurde im Juli zwar ein Rückgang im Vergleich zum Vormonat erzielt. Gemessen an den Zahlen 2019 ist aber ein Anstieg der Arbeitslosen um 4 Prozent zu vereichnen.

„Es stehen aktuell mit 17.433 im mehrjährigen Vergleich beispiellos viele offene Stellen zur Verfügung“, sagt Sven Hergovich Landesgeschäftsführer des AMS NÖ. So wurden im Vormonat dem AMS Niederösterreich 8.015 neue Stellenangebote gemeldet.

Im Juli konnten 5.938 offene Stellen mit geeigneten Arbeitssuchenden besetzt werden. „Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein kräftiges Plus von 45,5 Prozent“, betont Hergovich.

Vermittlungsstrategie wird fortgeführt

„Insgesamt haben die Maßnahmenpakete für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt dazu beigetragen, dass der konjunkturelle Aufschwung so gut spürbar ist. Niederösterreich kann langsam aufatmen,“ meint der für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrat Martin Eichtinger.

Damit die Arbeitslosenzahlen weiterhin sinken, wird die Vermittlungsstrategie des Arbeitsmarktservices Niederösterreich (AMS NÖ) unverändert fortgeführt, sagt Hergovich.

Größter Rückgang in der Gastronomie

Die Zahl der Arbeitslosen ist in den verschiedenen Branchen unterschiedlich stark zurückgegangen. In der Beherbergung und Gastronomie war der Rückgang am deutlichsten spürbar: Mit 2.982 weniger Arbeitslosen. Ähnlich stark war der Rückgang im Handel (-2.669) und im Bereich Gebäudebetreuung und Arbeitskräfteüberlassung (-2.500). Auch in der Warenerzeugung ging die Zahl der Arbeitslosen mit einem Minus von -1.662 im Branchenvergleich deutlich zurück, zudem im Verkehr (-943) und im Baubereich (-816).

Unterschiede wurden zusätzlich in Bezug auf Arbeitsmarktbezirke verzeichnet. Die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich ist im Mostviertel (rund -34 Prozent) und im Waldviertel (rund -30 Prozent) am meisten zurückgegangen.

Überwiegend Langzeitarbeitslose

In Niederösterreich sind Ende Juli 13.428 und damit 29,4 Prozent aller vorgemerkten Personen länger als 12 Monate arbeitslos. „Die drohende Verfestigung der Arbeitslosigkeit bleibt die größte Herausforderung am niederösterreichischen Arbeitsmarkt“, sagt Hergovich. So gibt es in unserem Bundesland um 14,4 Prozent mehr Langzeitarbeitslose als im Vorjahr. Österreichweit beträgt dieses Plus gar 26,7 Prozent.

Männliche Jugendliche profitieren am meisten

Im Juli 2021 profitieren Männer von der derzeitigen Entwicklung am Arbeitsmarkt mehr als Frauen. Diese Tendenz ist bereits aus den Vormonaten bekannt. Konkret waren Ende Juli 8.205 weniger Männer arbeitslos, das entspricht einem Minus von 26,4 Prozent. Zum Vergleich: Zeitgleich waren 7.715 weniger Frauen arbeitslos, also ein Minus von 25,3 Prozent.

Im Altersvergleich ging die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen am deutlichsten zurück im Vergleich zu Juli 2020 (-42,2 Prozent). Im Vergleich zu 2019 waren zudem um 17 Prozent weniger Jugendliche arbeitslos. Mit zunehmendem Alter wird der Rückgang der Arbeitslosen geringer. So beträgt er bei den Personen im Haupterwerbsalter, sprich die 25 bis 49-Jährigen (-28,7 Prozent) und bei den Personen mit 50 Jahren oder älter (-17,2 Prozent).