Talk über Zukunftsmarkt Rumänien. Rumänien bietet als aufstrebender Absatzmarkt und Produktionsstandort vielversprechendes Zukunftspotenzial für niederösterreichische Unternehmen.

Von David Brandl. Erstellt am 15. November 2019 (15:43)
Beim "Rumänien Business-Talk": WKNÖ-Vizepräsident Christian Moser (von links), der rumänische Botschafter in Österreich S.E. Bogdan Mazuru, Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav, Harald Neumann, Honorarkonsul von Rumänien in Niederösterreich und Vorstandsvorsitzender der NOVOMATIC AG, IV-NÖ-Präsident Thomas Salzer, ecoplus Geschäftsführer Helmut Miernicki
Jana Madzigon

Schon seit dem EU-Beitritt Rumäniens 2007 unterstützt ecoplus International mit seinem Büro in der boomenden Wirtschaftsregion Temeswar niederösterreichische Betriebe beim Einstieg in den rumänischen Markt.

Um heimischen Unternehmen die enormen Geschäftsmöglichkeiten im ehemaligen Ostblockstaat aufzuzeigen, luden ecoplus International gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Niederösterreich und der Industriellenvereinigung Niederösterreich zum „Rumänien Businesstalk“ ein.

505 Millionen Euro Export

Dass Niederösterreichs Wirtschaft stark vom Export abhängig ist, führt Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav vor Augen. Denn rund 40 Prozent aller Beschäftigten des Bundeslandes würden direkt oder indirekt mit dem Export in Verbindung stehen. Obwohl Rumänien nur an elfter Stelle der wichtigsten Exportmärkte steht, nahm das Handelsvolumen im letzten Jahr um 22,3 Prozent zu und liegt nun bei rund 505 Millionen Euro. Somit zeigt sich das große Wirtschaftspotenzial des osteuropäischen Landes.

Auch WKNÖ-Vizepräsident Christian Moser streicht die Chancen vor allem für kleine- und mittlere Unternehmen hervor. So habe sich Rumänien mit einem Wirtschaftswachstum von plus 4,8 Prozent im ersten Halbjahr 2019 schon seit den letzten Jahrzehnten von einem Billiglohnland zu einem industrialisierten EU-Land gewandelt. In diesen Tenor stimmt ebenfalls der rumänische Botschafter in Österreich Bogdan Mazuru ein und bewirbt sein Heimatland als unternehmensfreundlichen Wirtschaftsstandort.

Rumänien schätzt „made in NÖ“

„Zu den Exportschlagern, die von Niederösterreich aus nach Rumänien gehen, zählen vor allem elektrische Maschinen, Kessel und mechanische Geräte“, erläutert IV-NÖ Präsident Thomas Salzer. Darüber hinaus biete sich das Land als attraktiver Industriestandort an, weil dort günstige Produktionsbedingungen vorherrschen.

Im Rahmen des Rumänien Business Talks berichten ebenso Manfred Wildauer (Kotányi), Josef Scheinreif (Schubert & Franzke) und Thomas Edl (DELTA BLOC) von ihren langjährigen Erfahrungen am rumänischen Markt. In einem sind sie sich einig, von Gewürzen über Kartographie bis hin zu Betonschutzwänden, rumänische Konsumentinnen und Konsumenten schätzen niederösterreichische Qualitätsprodukte. Nicht zuletzt zog DELTA BLOC kürzlich einen 100 Millionen Euro schweren Auftrag der rumänischen Straßenerhalter an Land. Somit trägt schon bald Niederösterreich zur Verkehrssicherheit auf Rumäniens Schnellstraßen bei.

Neben der Textilindustrie und dem Bausektor betont Gregor Postl (WKÖ), dass auch die Pharmaindustrie und die Landwirtschaft großes Potenzial für niederösterreichische Unternehmen bergen. Darüber hinaus sieht Scheibenreif Zukunftschancen für den rumänischen Tourismussektor und verweist dabei auf dies faszinierende Naturlandschaft des Landes. Interessierten Investoren empfehlen die erfahrenen Unternehmer den ersten Schritt zu setzen und den sogenannten „first mover advantage“ zu nützen, um in Zusammenspiel mit nachhaltigen persönlichen Kontakten sich langfristig am Zukunftsmarkt Rumänien behaupten zu können.

„Brain drain“ – Fluch oder Segen?

Obwohl Rumänien mit knapp über 19 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern das siebent größte Land der EU ist, kämpft es seit Jahrzehnten mit Abwanderung. Laut einem Bericht der Weltbank aus 2018 schrumpfte Rumänien alleine von 2000 bis 2017 um rund drei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Die Emigration vor allem nach Italien und Spanien wirkt sich negativ auf den rumänischen Arbeitsmarkt aus. Denn besonders hochqualifizierte Rumäninnen und Rumänen verlassen ihr Heimatland in Richtung Westen. Mit diesem „brain drain“ verliert das Land enorm an Wissen. Allein 2017 befand sich fast ein Fünftel der rumänischen Erwerbsbevölkerung im Ausland.

Auf der anderen Seite stärken die Geldsendungen der Emigrantinnen und Emigranten die Kaufkraft in Rumänien. Darüber hinaus stellt die Weltbank fest, dass dadurch Armut und Einkommensungleichheiten zurückgehen würden. Infolgedessen steigen mit der zunehmenden Inlandsnachfrage auch die Investitionschancen von niederösterreichischen Unternehmen.