NÖ-Industrie meldet Aufschwung und will impfen. Die Konjunkturumfrage der NÖ-Industrie für das erste Quartal 2021 ist positiv: Das Vor-Corona-Produktionsniveau wurde überschritten, der Aufschwung ist angelaufen. Um diesen nicht zu gefährden, fordert IV-NÖ-Präsident Thomas Salzer eine rasche Impffreigabe für reisende Industrie-Schlüsselkräfte. Als Bremsklotz könnte sich der Fachkräftemangel entpuppen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 20. April 2021 (15:42)
IV-NÖ Präsident Thomas Salzer
Usercontent, Andi Bruckner

Die NÖ-Industrie ist nach eigener Wahrnehmung dabei, die Coronakrise hinter sich zu lassen. Trotz Pandemie und resultierender Krise sei die wirtschaftliche Erholung in den niederösterreichischen Industriebetrieben bereits angelaufen.

"Wichtig ist jetzt, dass dieser Aufschwung nicht durch weitere Verzögerungen bei der Impfstrategie oder den Fachkräftemangel gebremst wird“, sagt Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung NÖ anlässlich der Ergebnisse der IV-NÖ-Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2021. Bereits jetzt haben sich rund 400 Unternehmen aus NÖ als betriebliche Impfstelle vorangemeldet – etwa ein Drittel davon ist aus der Industrie. 

Der Optimismus begründet sich auch auf dem Impffortschritt und darauf dass der Produktionssektor von der Pandemie weniger stark getroffen wurde als der Dienstleistungssektor. 

Damit die NÖ-Industrie keine Kundenaufträge am Weltmarkt verliert und kein Verlust von Arbeitsplätzen droht, müssten international tätige Schlüsselkräfte beim Impfen priorisiert werden, "sobald die Impfungen der Menschen aus Hochrisikogruppen abgeschlossen sind", fordert Salzer. Die Industrie produziere ja für den Weltmarkt, sei von Auslandsmärkten abhängig und auf internationale Geschäftsreisen angewiesen.

Die Industriellenvereinigung geht davon aus, dass Österreichs Industrie bereits heuer im ersten Quartal das Prä-Covid-Produktionsniveau überschritten haben dürfte, erwartet aber, dass die gesamte Volkswirtschaft mindestens fünf Quartale länger brauchen wird. Besonders kräftig war die Erholung in der Autoindustrie und in der Chemie.

Österreich darf globalen Aufschwung nicht verpassen

Die Umfrageergebnisse des IV-NÖ Konjunkturbarometer, mit dem das Geschäftsklima als Mittelwert zwischen der Beurteilung der aktuellen und der Geschäftslage in sechs Monaten erfasst wird, geben Grund zur Hoffnung: Im ersten Quartal 2021 ist es von plus 16 auf plus 30,6 Punkte deutlich gestiegen. "Wichtig ist, dass Österreich beim weltweiten Aufschwung jetzt nicht den Anschluss verliert“, sagt Salzer.. Zum zweiten Mal seit Beginn der Coronakrise überwiegen die positiven Einschätzungen unter den quartalsweise befragten Industrieunternehmen.

Bei den erhobenen Detailergebnissen kam es ausnahmslos zu Verbesserungen gegenüber dem vierten Quartal 2020. Die kräftige Erholung und erhöhte Nachfrage in der Kfz-Zulieferindustrie und der chemischen Industrie werden als Gründe hier genannt. In diese Branchen fällt Großteil der niederösterreichischen Industrieunternehmen. Darüber hinaus gibt es aber auch Branchen wie die Luftfahrtindustrie oder Gastro-Zulieferer, die starke Einbußen verzeichneten.

Rund Dreiviertel (71%) der befragten NÖ-Industrie-Betriebe rechnen mit einem gleich bleibenden Beschäftigtenstand in drei Monaten. Knapp ein Viertel (23 %) rechnet in den kommenden drei Monaten sogar mit einem höheren Beschäftigtenstand, während nur noch sechs Prozent von einem niedrigeren Beschäftigtenstand in den kommenden drei Monaten ausgehen. 

Unterm Strich ergibt das einen Bewertungssaldo von plus 17 Prozentpunkten und eine deutliche Verbesserung zum Vorquartal, wo die negativen Einschätzungen mit einem Bewertungssaldo von minus 42 Prozentpunkten noch einen deutlichen Überhang hatten

Fachkräftemangel trotz vielen Arbeitslosen ein Thema

Im Vergleich zur Gastronomie und den persönlichen Dienstleistungen haben sich die Arbeitsplätze in der Industrie als krisensicher erwiesen“, resümiert Salzer. Der Fachkräftemangel sei jedoch nach wie vor ein Thema – und das obwohl es mehr Arbeitslose gibt als in der Zeit vor der Krise.

„Den Menschen, die jetzt auf Arbeitssuche sind, fehlen leider sehr oft die Qualifikationen, die in der Industrie benötigt werden“, sagt Salzer. Er warnt davor, dass der Fachkräftemangel den Aufschwung einbremsen könnte. 

Darüber hinaus sei auch die Lehrlingsrekrutierung in der Pandemie herausfordernd. Die Zahl der Lehranfänger in der NÖ-Industrie sei im Vorjahr von 738 auf 635 zurückgegangen. Betriebe befürchten jetzt, dass sich der Rückgang heuer fortsetzen könnte, wenn Lehrlingsmessen und Tage der Offenen Tür nicht möglich sind. "Zudem hören wir aus einigen Unternehmen, dass es im Vorjahr weniger HTL-Abbrecher gegeben hat. Für die Industriebetriebe sind die HTL-Abbrecher jedoch sehr wichtig, weil sie ein gutes Grundwissen für eine technische Lehrausbildung mitbringen“, sagt Salzer.