NÖ-Kooperationen bringen Innovation, Geld und Krisenschutz

Aktualisiert am 22. November 2022 | 15:10
Lesezeit: 4 Min
Über 500 Betriebe kooperieren in den vier Branchennetzwerken der NÖ-Wirtschaftsagentur Ecoplus in Forschungs-, Entwicklungs- und Wissensprojekten. Die Firmenkooperationen machen sich auch für die regionale NÖ-Volkswirtschaft "millionenfach" bezahlt, bestätigt nun eine Economica-Studie.
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Synergien nutzen, Kräfte bündeln und Innovation fördern: Das sollen die seit 2001 existierenden Branchencluster der Wirtschaftsagentur Ecoplus in Niederösterreich für und mit den rund 500 Partnerbetrieben.

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Lebensmittel Cluster Beirätin und Prokuristin der Grätzl Getränke GmbH Eva-Maria Gratzl, Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger und Studienautor Christian Helmenstein bei der Präsentation der Economica-Studie "Die Volkswirtschaftliche Bedeutung der Cluster NÖ".
Foto: Norbert Oberndorfer

Herzstück der vier NÖ-Cluster in den Bereichen Lebensmittel, nachhaltiges Bauen, Kunststoff und Mechatronik sind die überbetrieblichen Kooperationsprojekte, in denen Unternehmen gemeinsam forschen, entwickeln und voneinander lernen. Die Ecoplus-Clusterpartner wie etwa Welser Profile, Haubis, Wienerberger, Miraplast und Gratzl Getränke erwirtschaften in Summe 21 Milliarden Euro pro Jahr und sind für 90.000 Mitarbeiter verantwortlich.

"Jeder Wertschöpfungs-Euro, der in einem Cluster-Projekt entsteht, löst weitere 66 Cent an zusätzlicher Wertschöpfung aus", sagt Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger. Die vier Cluster sorgten in Summe für eine Wertschöpfung von über 220 Millionen Euro und generierten durch die Clusterprojekte mehr als 1.200 Jobs bis dato. Die Clusterteams agieren dabei wie Trendscouts, klopfen digitale Innovationen auf ihre Bedeutung ab und bereiten sie so auf, dass sie auch in heimischen KMU zum Einsatz kommen können, erklärt Danninger. "Unser langfristiges Ziel ist es Niederösterreich zu einer der führenden smarten Wirtschaftsregionen zu machen." Für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und eine klimafitte Zukunft des Wirtschaftsstandorts seien die Cluster jedenfalls ganz wichtige Multiplikatoren.

279 Millionen Euro in zwanzig Jahren

Das bestätigte auch eine Economica-Studie über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Ecoplus Cluster von 2001 bis 2021. Mehr als 7.200 Firmenkooperationen in rund 1.320 Projekten hätten in den letzten 20 Jahren eine Bruttowertschöpfung in Niederösterreich von 279 Millionen Euro ausgelöst. Das entspreche etwa der Wertschöpfung des österreichischen Bergbaus, sagt Ökonom und Studienautor Christian Helmenstein vom Economica Institut. Außerdem flossen 101 Millionen Euro an den Fiskus, die Sozialversicherungsträger und damit auch an Länder und Gemeinden.

Das Ecoplus-Cluster-Programm habe überdies geholfen, mehr Fördermittel aus Brüssel abzuholen. Sechs von zehn Euro in den Projekten stammen aus den Budgets der Unternehmen selbst. "Der Rest sind EU und nationale Fördermittel", so Helmenstein. Die Branchennetzwerke tragen damit wesentlich zur Innovationssteigerung der gesamten Region bei und sind auch ein bedeutender Beitrag zur regionalen Wertschöpfung. "Alle drei Werktage wird in den NÖ-Clustern ein neues Projekt aufgegleist - das ist eine enorme Management-Leistung", sagt der Ökonom.

Gratzl: "Ich bereue es nicht"

Eva-Maria Gratzl, Prokuristin der Gratzl Getränke GmbH, ist seit zehn Jahren ehrenamtliche Beirätin des Lebensmittel-Cluster Niederösterreichs. Die Fachbeiräte mit Vertretern aus Wirtschaft und Forschung sind für die thematische Ausrichtung innerhalb des Clusters zuständig. Gratzl bereue ihre Entscheidung als Unternehmerin Teil eines Clusters zu sein nicht. "Im Gegenteil, ich bereue es, nicht schon früher Mitglied geworden zu sein. Im operativen Geschäft bleibt sehr wenig Zeit für Austausch und Dialog. Die Clusterarbeit hingegen bringt mir ein Hinhören, ein Kräfte bündeln, einen Wissens- und Erfahrungsaustausch, Inspiration für Neues, Trends erkennen und eben die Möglichkeit für Kooperationsprojekte mit Partnern, um einen Wettbewerbsvorsprung zu erhalten", sagt Gratzl. 

Konkret erzählt Gratzl von einem Energiemanagement-Projekt für die Lebensmittelbranche, um die Energieeffizienz zu steigern und Energiekosten einzusparen. Das Projekt war lange vor der aktuellen Krise geplant. "Da sieht man den prophetischen Ansatz", so Gratzl. Von den Grundlagen der Wärmelehre, Pivot-Tabellen und Ökobilanz erstellen bis hin zu den Wärmepumpen-Basics sei der Workshop unter Federführung der FH Burgenland "unglaublich" bereichernd gewesen.

Ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki zeigt sich sicher, dass die überbetriebliche Zusammenarbeit unter dem Motto "Innovation durch Kooperation" auch in Zukunft zum Beispiel bei der digitalen Transformation der Betriebe den Unterschied macht. Vom Biokunststoff über Energieeffizienz-Maßnahmen lange vor der Energiekrise bis hin zur klimafitten Gebäudesanierung hätten die Cluster jedenfalls in den letzten zwanzig Jahren bereits viele Innovationsfrüchte hervorgebracht, so Miernicki.

Links
Cluster und Plattformen (Ecoplus Niederösterreich)