Neue Gäste aus Tirol und Vorarlberg. Massiver Einbruch bei den Nächtigungen, doch der Radtourismus boomt. Österreicher entdeckten das Urlaubsland Niederösterreich.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 16. September 2020 (05:17)
Genuss-Radfahren in Niederösterreich ist bei nationalen und internationalen Gästen sehr beliebt.
Niederösterreich Werbung/Astrid Bartl

„Das Jahr 2020 wird das schlimmste Jahr in der Geschichte des heimischen Tourismus werden. So etwas haben wir noch nicht erlebt.“ Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, bringt die Situation der Branche auf den Punkt.

Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung.
Lisi Specht

Sind in den letzten 20 Jahren die Nächtigungszahlen in Österreich stetig gestiegen, kam heuer nach einer „exzellenten Wintersaison“ mit dem Lockdown der Totalausfall von März bis Mai, der nicht mehr aufzuholen ist.

Im Juni gingen die Nächtigungen im Vergleich zum Vorjahr österreichweit um 60 Prozent zurück. Die Sommermonate Juli und August werden österreichweit mit einem Minus von rund 17,5 Prozent zu Buche stehen. Niederösterreichs Tourismus verzeichnete im Juli laut Landesrat Jochen Danninger ein Minus von 210.000 Nächtigungen (-23,6 Prozent).

Extrem betroffen ist der Städtetourismus. In Wien zum Beispiel liegt der Rückgang bei bis zu 80 Prozent. Und das spürt auch Niederösterreich in einigen Regionen. Das größte Minus verzeichnen Schwechat (Flughafen), Vösendorf, Baden und Klosterneuburg. Verantwortlich dafür ist laut Michael Duscher, Geschäftsführer der Niederösterreich-Werbung, der Einbruch beim Wirtschafts- und Seminartourismus: „Hier leiden wir unter dem Kollateralschaden von Wien“, so Duscher. Auch im Gesundheitstourismus bei Thermen und Kuren liegt der Rückgang bei bis zu 30 Prozent.

Michael Duscher, Geschäftsführer der NÖ-Werbung.
Hurnaus

Doch es gibt auch positive Entwicklungen in Niederösterreich, wie Duscher weiß. Dazu zählen die Seen-Regionen und Raddestinationen. Das sind zum Beispiel Lunz am See oder die Wachau.

Mehr Junge und mehr Österreicher kamen

Erfreulich ist, dass aufgrund der Coronakrise mehr Österreicher ihr Heimatland als Urlaubsdestination entdeckt haben. Laut Stolba waren im Juli um 15 Prozent mehr Landsleute „daheim“ auf Urlaub als im Vorjahr. Der Rückgang bei den ausländischen Gästen kann dadurch zwar nicht kompensiert werden, doch auch nach Niederösterreich kamen neue Schichten. „Wir haben einen Zuwachs von Gästen aus Tirol, Vorarlberg und auch Salzburg“, so Duscher.

Viele von ihnen verbrachten zum ersten Mal ihren Urlaub in Niederösterreich. Laut dem NÖ-Werbung-Chef haben die Bereiche Wandern, Natur und Radfahren an Bedeutung gewonnen. Der E-Bike-Boom komme Niederösterreich mit den Radstrecken wie Donau- oder Ybbstalradweg zugute. „Das Genuss-Radfahren hat sich bei Gästen aus Deutschland, Tschechien oder der Slowakei als Mega-Trend manifestiert“, weiß Duscher, der auf den bevorstehenden Weinherbst hofft: „Auch wenn die Situation mit Corona schwieriger wird. Eine Weinwanderung kann man auch zu zweit machen.“

Dennoch wird das Jahr 2020 Spuren hinterlassen. Experten rechnen damit, dass 20 bis 25 Prozent der Tourismusbetriebe in wirtschaftliche Nöte kommen werden. Davor ist man auch in Niederösterreich nicht gefeit.

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