Nö. Versicherung legte 2011 zu - Sparte Leben stagniert auch 2012. Die Niederösterreichische Versicherung (NV) ist im Jahr 2011 im Sachbereich weiter gewachsen, stellt sich aber in der Lebensversicherung auch für 2012 auf eine Stagnation ein.

Erstellt am 30. März 2012 (09:24)
Im Gespräch verwies Generaldirektor Hubert Schultes dazu auf die bei der Zukunftsvorsorge ab heuer halbierte staatliche Förderung und das generell niedrige Zinsniveau, wodurch die Produkte unattraktiver würden. Für die schärferen Eigenkapitalregeln "Solvency II" sieht Schultes sein Haus gut gerüstet: Mit weiteren Eigenmittelstärkungen werde man hier auf eine Rate von an die 400 Prozent kommen.
 
Die Förder-Kürzung bei der Zukunftsvorsorge bezeichnet Schultes als "Drama", die "Niederösterreichische" hat in dem Bereich doch mehrere tausend Verträge jährlich abgeschlossen und zuletzt fast 9 Prozent Zuwachs erzielt. Ganz eingestellt hat man dagegen die Einmalerläge, da die Refinanzierung mittlerweile ein Problem sei.
 
Insgesamt steigerte die NV ihre Prämieneinnahmen 2011 um 4,4 Prozent auf 263,1 Mio. Euro. In Schaden/Unfall wurde ein Plus von 5,5 Prozent erzielt, wobei die Schäden von 137,8 auf 124,6 Mio. zurückgingen. Wegen des Ausbleibens schwerer Unwetterschäden und anderer Großschäden (etwa Feuer) wie im Jahr davor verbesserte sich die Schadenquote im direkten Geschäft von 67,4 auf 57,5 Prozent.
 
Im Autogeschäft erzielte die NV im Vorjahr erstmals seit 2007 wieder ein Prämienwachstum, doch ist Schultes insbesondere mit der Kasko nicht zufrieden. Hier herrsche ein intensiver Wettbewerb, und die Schadensätze seien unbefriedigend. Die Kfz-Haftpflicht dagegen habe sich erholt. Kasko und KH würden stark umkämpft bleiben, erwartet Schultes; es gebe Anbieter, die an Neukunden im ersten Jahr eine Kasko-Versicherung praktisch als Zugabe "verschenken".
 
Der Kostensatz der NV stieg - durch Einmaleffekte - leicht von 23,5 auf 24,0 Prozent an, das technische Ergebnis war somit auch 2011 deutlich positiv. Mit der daraus folgenden Combined Ratio von 90,7 Prozent im Eigenbehalt liege sein Haus "im Spitzenfeld" der Branche, so Schultes. Unter dem Strich werde man 2011 das Jahresergebnis von 2010 in Höhe von 12 Mio. Euro "jedenfalls überschritten haben", der Aufsichtsrat tagt erst im Mai zur Bilanz. Für 2010 wurden auf das Grundkapital von 3,3 Mio. Euro 90 Prozent Dividende ausgeschüttet; Ziel seien im Schnitt 15 bis 30 Prozent Payout bezogen auf das EGT.
 
Die Kapitalanlagen stiegen deutlich von 1,006 auf 1,089 Mrd. Euro. Die Durchschnittsrendite betrug 2011 - wegen aktivierter stiller Reserven bei einem Hausverkauf im 1. Bezirk in Wien als Einmaleffekt - 6,9 Prozent, die echte Kapitalrendite 3,4 Prozent. Nur gering, mit 3 bis 5 Mio. Euro, sei man mit Abschreibungen konfrontiert gewesen.
 
Das ausgezeichnete Ergebnis habe in der Lebenssparte eine Gewinnbeteiligung von 3,75 Prozent möglich gemacht, womit die NV einen Spitzenwert in der Branche erreiche. Außerdem seien weitere 0,6 Prozent für 2011 den Kunden als Zusatzgewinn gewährt worden. Die Auszahlungen in Leben stiegen wegen einer hohen Zahl abreifender Verträge um 69 Prozent auf fast 48 Mio. Euro. Grund ist ein vor zwölf Jahren als Sonderprodukt aufgelegter Gewinnsparbrief, der der NV 2011 und 2012 höhere Abreifungen beschert. Die laufenden Einnahmen in Leben konnten aber 2011 trotz der hohen Zahl von Abreifern und dem damit verbundenen Prämienwegfall stabil gehalten werden.
 
Ins neue Jahr 2012 ist die NV gut gestartet. Die Einnahmen stiegen bis Februar um 4,0 Prozent. In Leben blieb man bei den laufenden Prämien stabil, und in Schaden/Unfall gab es plus 5,0 Prozent.
 
Ihre Personaloffensive setzt die "Niederösterreichische" heuer fort: Für den Vertrieb sucht sie mehr als 50 neue Mitarbeiter.