Die Leiden am heimischen Arbeitsmarkt. Waldviertler Unternehmer beklagen schleppende Zahlungen, Arbeitskräftemangel und fehlenden Ausblick.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:15)
Trotz hoher Arbeitslosigkeit gibt es derzeit Fachkräftemangel – beispielsweise fehlen Physiotherapeuten im Waldviertel.
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Rausfahren aus St. Pölten und hinhören, wo am Arbeitsmarkt im Land der Schuh drückt. Das ist die Idee des Round-Table-Gesprächs, zu dem NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger und Landesrat Martin Eichtinger diesmal in Horn luden. Und der Schuh drückt an einigen Stellen gewaltig, wie Waldviertler Unternehmer berichteten:

Diskutierten mit Landesrat Martin Eichtinger (vorne rechts) in Horn: Victoria Blie, Werner Groiß, Mario Ludwig, Karin Weißenböck und Jürgen Maier. NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger (vorne links) moderierte das Round-Table-Gespräch. Foto: Kornell
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Lob für Kurzarbeit, Kritik an Auszahlung von Hilfen

Vor einem Jahr übernahm Victoria Blie das Horner Stadt-Hotel von ihrem Vater. 15 Mitarbeiter sind hier beschäftigt und seit Monaten in Kurzarbeit. Die Antragsabwicklung war problemlos, die Kurzarbeit funktioniert. Das bestätigten auch die anderen Unternehmer. Aber: Bei der Auszahlung des Umsatz-Ersatzes hakt es. Der Grund bei Blie: Die Jung-Unternehmerin hat eine andere Steuernummer als ihr Vater. Der Vergleichsumsatz des Hotels wird somit nicht angerechnet, die Hotel-Besitzerin muss mit der niedrigsten Ersatzrate leben.

Daran änderten bislang auch unzählige Telefonate nichts. Blie: „Ich stehe mit dem Rücken zur Wand. Niemand kann mir weiterhelfen.“ Eichtinger sicherte zu, sich um diesen Fall zu kümmern. Der Steuerberater Werner Groiß aus Gars, der zugleich Obmann der Wirtschaftskammer Horn ist, bestätigte, dass es bei den Hilfen immer wieder zu Problemen komme – und die Bundesbehörden hier nicht sehr kooperativ seien: „Die Stimmung der Unternehmer geht gegen Null.“ Besser werde die Stimmung erst, wenn die Bundesregierung ein längerfristiges Szenario erarbeite.

Arbeitskräftemangel trotz Krise

Die Moorheilbad-Harbach-Gruppe beschäftigt etwa 1.500 Mitarbeiter in sieben Betrieben. Nach dem ersten Lockdown füllten sich die Häuser langsam. Größtes Sorgenkind ist die „neue Kur“, die nur mäßig angenommen wird. Und: Obwohl die Krise leider viele Arbeitslose brachte, bleibt der Fachkräftemangel gerade im Waldviertel eklatant. Neben Ärzten und Pflegern mangelt es derzeit an Physiotherapeuten und medizinischen Masseuren. Besonders bitter: Die Zauner-Dungl-Gesundheitsakademie in Gars, in der Heilmasseure ausgebildet werden, steht vor dem Aus. Weil sich zu wenige angemeldet haben.

Landesrat Martin Eichtinger
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Eichtinger kann sich hier eine Zusammenarbeit im Zuge der Umschulungen vorstellen. Denn: „Durch Umschulungen ließe sich dieser Mangel zumindest reduzieren.“. Ein eigenes AMS-Programm ermögliche Arbeitslosen die Umschulung beispielsweise zum Masseur, sofern es die Einstellungszusage eines Betriebes gebe. Aber das Problem ist größer, betont Groiß: Selbst für Kanzleikräfte wie Bilanzbuchhalter ließen sich derzeit keine Bewerber finden. Der 16-jährige Kochlehrling Mario Ludwig hofft insgesamt auf ein Umdenken: „Viele meiner Freunde gehen in weiterführende Schulen, weil sie nicht wissen, was sie werden wollen.“

Maßnahmen gegen Bevölkerungsschwund im Waldviertel

„Wenn die Jugendlichen zum Studium nach Krems, St. Pölten oder Wien gehen, kommen sie meistens nicht mehr zurück“, beklagte der Horner Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Jürgen Maier (ÖVP). Er fordert deshalb die Einrichtung dislozierter FH-Studiengänge in peripheren Regionen. Zusätzlich müsse auch der Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur beschleunigt werden, um Homeoffice zu ermöglichen. Passiere das, habe das Waldviertel wieder eine Chance. Denn, so Maier: „Die Menschen wollen wieder auf das Land, das Waldviertel ist die Zukunftsregion des Landes.“