Spar plant neue Großbäckerei. Spar-Ostösterreich-Chef Alois Huber über Ausbaupläne, Druck im Handel und Preisvergleiche.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 01. September 2014 (09:41)
NOEN, NÖN
»Fix ist, dass wir eine Bäckerei brauchen und dass wir sie in NÖ realisieren werden«, sagt Alois Huber.

NÖN: Fast zwei Jahre lang gab es mit einer Bürgerinitiative Kontroversen um das geplante Logistikzentrum in Eber gassing bei Wien, welches die Spar-Ostösterreich-Zentrale in St. Pölten entlasten soll. Letztlich hat Spar nun doch gesiegt und konnte nun mit dem Bau starten.
Huber: Ich würde das nicht als Sieg bezeichnen. Wir haben im Herbst 2012 ein 88-Millionen-Euro-Projekt eingereicht, das wir jetzt genehmigt bekamen. Jedes Projekt – auch in deutlich kleineren Dimensionen – ruft Menschen auf den Plan, die damit nicht einverstanden sind. Sie haben alle Rechtsmittel ausgeschöpft, was ihnen auch zusteht.

War das Ihr härtester Kampf?
Huber: Natürlich war eine gewisse Anspannung da, da wir in St. Pölten aus allen Nähten platzen. Wir haben hier bereits große Bierzelte aufgebaut, wo wir temperaturunempfindliche Waren wie Holzbriketts oder Toilettenpapier lagern. Und wir nutzen auch die Gleishalle teils als Lagerfläche.

Im Mai wurde mit dem Bau des Logistikzentrums begonnen. Gibt es noch Einsprüche?
Huber: Die Bürgerinitiative hat noch vier Beschwerden gegen den ausgestellten Gewerbebescheid eingereicht, was aber keine bauaufschiebende Wirkung hat. Der Bescheid ist aus unserer Sicht lupenrein, und das wird die zweite Instanz auch ans Tageslicht bringen. Wir haben die Vorgaben sogar freiwillig deutlich unterschritten.

Ursprünglich wollten Sie das Lager in Ebergassing im Frühjahr 2014 in Betrieb nehmen.
Huber: Im Herbst 2015 beginnt der Testbetrieb in Form einer reinen Simulation, um die Anlage auf Herz und Niere zu prüfen. Im März oder April 2016 beginnt die Hochlaufphase, und im Sommer soll dann die Auslieferung voll laufen.

Es war auch eine Bäckerei der Spar-Tochter Interspar neben dem Logistikzentrum im Gespräch. Durch die Komplikationen mit der Bürgerinitiative wurde sie auf Eis gelegt?
Huber: Fix ist, dass wir eine Bäckerei brauchen und dass wir sie in NÖ realisieren werden. Nächstes Jahr soll entschieden werden, wo und wann wir sie bauen. Details kann ich dazu noch nicht nennen.

Ist Ebergassing noch im Rennen oder wird man eher in St. Pölten bauen?
Huber: Beides ist möglich – oder ein Standort in der Nähe der beiden Orte.

Sie haben angekündigt, das Tann-Fleischwerk in St. Pölten auszubauen.
Huber: Damit haben wir schon begonnen. Wir stoßen nämlich auch hier an unsere Grenzen, weil wir stark expandieren. Bis 2016 werden wir dafür rund 7,4 Millionen Euro investieren.

Im Vorjahr wurden von St. Pölten aus 410 Standorte aller Spar-Vertriebsschienen in NÖ, Wien und dem Nordburgenland beliefert. Wie läuft die Expansion?
Huber: Wir haben jetzt 420 Standorte. Heuer investieren wir mit unseren Kaufleuten 40 Millionen Euro in die Expansion und Modernisierung der Standorte. 2015 werden voraussichtlich fünf bis zehn weitere Standorte dazukommen.

Im Handel wird beklagt, dass in den Filialen immer weniger Mitarbeiter tätig sind und an ihnen mehr Arbeit hängen bleibt, um Kosten zu sparen.
Huber: Sagen Sie mir einen Wirtschaftsbereich, wo das nicht so ist. Natürlich können wir aus dem Wettbewerb nicht ausscheren, den es in Österreich gibt. Wir sind mit unseren Mitarbeitern aber auf einer absolut transparenten Ebene. Jeder kennt von seinem Markt die Geschäftszahlen: Welche Leistungen sind für dieses Jahr vereinbart und wo liegt man. Das wird auch wöchentlich besprochen.

Kürzlich hat die Arbeiterkammer kritisiert, dass die Preise in Wien um ein Viertel höher sind als in Berlin. Ist das gerechtfertigt?
Huber: Die Landwirte sagen, dass wir zu billig sind, weil wir zu viele Aktionen machen. Die Arbeiterkammer sagt, dass wir zu teuer sind. Zudem wird dem Lebensmittelhandel vorgeworfen, dass er in kleinen Orten nicht präsent ist. Damit haben wir drei Klischees. Im Vergleich zu Deutschland muss man aber sehen, dass dort die landwirtschaftliche Struktur viel größer und damit effizienter ist. Wir haben in Österreich – in Relation zur Einwohnerzahl – doppelt so viele Geschäfte wie in Deutschland. Und schließlich bietet der Einzelhandel in Österreich eine Top-Qualität.


Auf einen Blick

Ausbaupläne in NÖ. Das Logistikzentrum Ebergassing (38.000m?) soll 2016 ein Drittel der Lagerkapazität der Ostösterreich-Zentrale St. Pölten (60.000m?) übernehmen. 150 Jobs sollen dort entstehen. In St. Pölten soll der Mitarbeiterstand von rund 1.000 beibehalten werden, da parallel das Tann-Fleischwerk in St. Pölten bis 2016 ausgebaut und auf 13.000m? erweitert werden soll. Aktuell sind den Interspar-Märkten in St. Pölten und Vösendorf Bäckereien angeschlossen. Künftig soll eine Großbäckerei für Ostösterreich in NÖ entstehen und beide Standorte ablösen.

Spar. Der Konzern mit all seinen Handelssparten im In- und Ausland hat den Nettogewinn 2013 auf 188,6 Mio. Euro gesteigert – regionale Daten werden nicht bekannt gegeben. Bei Spar in Ostösterreich sind 10.200 Personen tätig, darunter rund 600 Lehrlinge.