nur inszeniert“. Peter Layr auf Beruhigung nach den Neuwahlen.

Erstellt am 17. März 2013 (15:48)
Mittlerweile ist bekannt, dass die beiden bulgarischen EVN-Autos nicht während einer Demonstration gegen die hohen Strompreise angezündet wurden. Der Brandanschlag wurde über Nacht von einem professionellen Kameramann verübt, der die Videos zu Geld machen wollte. EVN
NOEN
Von Gerti Süss

Was als Protest gegen zu hohe Strompreise begann, eskalierte in Demonstrationen, zwei brennenden Autos und dem Rücktritt eines Premierministers. Und obwohl sich das in Bulgarien, also gut 1.200 Kilometer entfernt, abspielte, richteten sich die Unruhen auch gegen ein Unternehmen aus NÖ.

Die EVN, die dort rund 1,6 Millionen Kunden mit Strom versorgt, wurde Zielscheibe jener Bulgaren, denen die Strompreise einfach zu viel wurden. „Im Moment hat sich die Lage noch nicht ganz stabilisiert. Wir hoffen, dass die Neuwahlen am 12. Mai Beruhigung bringen“, so EVN-Vorstandssprecher Peter Layr gegenüber der NÖN.

Der Durchschnittslohn in Bulgarien beträgt rund 350 bis 400 Euro. „Natürlich ist eine Stromrechnung von 70 Euro dann eine enorme Belastung“, gibt Layr zu. Er sieht das Problem aber eher in den politischen Rahmenbedingungen. Denn: Die Strompreise werden von der staatlichen Regulierungsbehörde genau vorgegeben. „Wir haben da nicht einmal Spielraum“, so Layr. Außerdem erfolge die Abrechnung nicht in gleichbleibenden Teilbeträgen wie in Österreich. „Da kann es auch sein, dass im Sommer nur zehn Euro verrechnet werden. Sozial verträglicher wäre ein moderneres Abrechnungssystem“, so Layr. Auch die im Juli erfolgten Strompreiserhöhungen von rund 13 Prozent seien großteils auf Ökostrom-Zulagen zurückzuführen. „Auf den Rechnungen steht jedoch EVN“, so EVN-Sprecher Stefan Zach.

Brandanschläge:

Erste Festnahmen

Jener Bulgare, der im Zuge der Proteste die beiden EVN-Autos in Brand gesteckt haben soll, wurde Anfang März gemeinsam mit vier Komplizen gefasst. „Die brennenden Autos waren Teil einer Inszenierung für das Internet. Sie wurden gar nicht während der Demonstrationen angezündet“, so Zach. Das Video, das ein brennendes EVN-Kundenzentrum zeigt, sei laut Zach ebenso inszeniert gewesen. Bei dem festgenommenen Verdächtigen handle es sich laut bulgarischer Polizei zudem um einen Profi-Kameramann. Der Schaden, den der Energiekonzern durch die Unruhen erlitten hat, lasse sich noch nicht beziffern.

Um die Proteste einzudämmen, hat die bulgarische Regierung die Strompreise der EVN um 7,28 Prozent gesenkt. „Also gehen wir davon aus, dass unsere Einnahmen im gleichen Ausmaß sinken werden“, so EVN-Chef Layr. Mit dieser Preissenkung hat die EVN aber noch ein ganz anderes Problem: „Sie ist nicht rechtmäßig zustande gekommen. Das wurde auch von der EU kritisiert.“

Daran, Bulgarien zu verlassen, denkt die EVN trotzdem nicht. „Wir machen dort rund 550 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Außerdem haben wir in den vergangenen siebeneinhalb Jahren rund 450 Millionen Euro investiert“, erklärt Layr. Insgesamt arbeiten rund 2.500 Menschen für die EVN Bulgaria. Im Juli werden in Bulgarien die Stromtarife neu festgesetzt.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass die EVN aus einem Wasserkraftprojekt in Albanien aussteigt, in das sie 475 Millionen Euro investieren wollte. Laut EVN hätten sich die Bedingungen derart verschlechtert, dass das Projekt nicht profitabel genug gewesen wäre.