Ohne Pkw geht es oft nicht. OGM-Datenerhebung zeigt: Nur in größeren Städten kann man auf das Auto verzichten.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 15. September 2021 (05:47)
Abhängigkeit der PendlerInnen vom PKW
Quelle: ogm.at; NÖN-Grafik: Hammerl

In diesen Wochen wird die türkis-grüne Bundesregierung die Grundzüge der öko-sozialen Steuerreform erarbeiten. Gespannt wartet man vor allem in Niederösterreich auf das Ergebnis – eine Mehrbelastung des Pkw-Verkehrs träfe viele Landsleute. Wie stark konkret, das zeigt nun eine Micro-Datenerhebung des Institutes OGM, die der NÖN exklusiv vorliegt (hier geht es zur Gemeindeauswertung).

Grundlage für diese Auswertung sind die offiziellen Pendlerdaten der Statistik Austria sowie die Daten der ÖROK (Österreichischen Raumordnungskonferenz) zu Qualität und Nutzung der Öffi-Anbindung – also beispielsweise die Zahl der Öffi-Haltestellen, die Fahrzeit sowie der Fahrplan und die Intervalldichte.

Viele Öffi-Nutzer nur in den größeren Städten

Im Bundesländervergleich sei das Öffi-Netz in Niederösterreich sehr gut, fasst Studienautor Wolfgang Bachmayer zusammen. Aber: Es hat einige Lücken. Und die spiegeln sich auch im Ergebnis der OGM-Studie wider.

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Wolfgang Bachmayer erhob die Abhängigkeit der Landsleute vom Pkw.
privat

„In der Landeshauptstadt St. Pölten sowie in den größeren Städten Wiener Neustadt, Krems und Amstetten ist die Öffi-Anbindung top und die Öffi-Nutzung daher sehr hoch. Dort zahlt sich das günstigere Klimaticket für Pendlerinnen und Pendler aus“, fasst Bachmayer zusammen.

Allerdings: Gerade in diesen Städten arbeiten die meisten Einwohner ohnehin in der eigenen Stadt. So pendeln fast 40.000 Arbeitnehmer täglich in die 60.000-Einwohner-Stadt St. Pölten ein, aber nur 12.000 aus. „Es ist daher fraglich, ob die dort ohnehin schon hohe Öffi-Nutzungsquote durch ein Klimaticket um rund 1.000 Euro weiter ansteigt“, meint Bachmayer. Gleiches gilt für Gemeinden entlang der Bahnachsen, in denen heute schon viele Öffis nutzen – beispielsweise in Purkersdorf, Klosterneuburg, Tulln, Mödling oder Baden.

Anders sieht das Bild erwartungsgemäß in den peripheren Gemeinden aus – vor allem außerhalb der Bezirksstädte: Im Waldviertel, im nördlichen Weinviertel, in weiten Teilen des Dunkelsteiner Waldes, des Schwarzatals sowie der Buckligen Welt ist die Abhängigkeit vom eigenen Auto am größten. Die Gründe dafür liegen einerseits in überschaubaren Öffi-Angebot, andererseits im hohen Auspendleranteil. In der eigenen Gemeinde gibt es hier oft kaum Jobs. Wenn hier das Klimaticket jemals Wirkung entfalten soll, müssten neben dem Öffi-Ausbau auch die Park&Ride-Anlagen an lokalen Bahnknoten sowie die Anschlusszeiten auf den Bahnstrecken optimiert werden, betont Bachmayer.

Link: OGM-Gemeineauswertung