Wilfried Gepp: „Nicht gedacht, dass es so tief geht“. Seit 30 Jahren gibt es die blau-grünen Tankstellen. Wilfried Gepp (OMV) erzählt vom Einbruch durch Corona und neuen Plänen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 16. September 2020 (05:16)
Vor 30 Jahren wurde in Wien-Auhof die erste OMV-Tankstelle eröffnet. Wilfried Gepp leitet das OMV-Tankstellengeschäft in Österreich.
OMV, Sandra Schartel

Im Lockdown stand der Verkehr quasi still. Die Tankstellen traf das hart. Wie sich die Situation seit März entwickelt hat, welche Pläne OMV für die Zukunft hat, und was man unter einem Tankstellen-Lieferservice verstehen kann, erzählt Wilfried Gepp im NÖN-Interview.

Der Spannberger (Bezirk Gänserndorf) erzählt von sich selbst, dass er den Geruch von Benzin liebt und mit Blick auf die OMV-Pumpböcke aufgewachsen ist. Seit 2016 leitet er das Geschäft der OMV-Tankstellen in Österreich, die heuer ihr Jubiläum feiern.

NÖN: Die Straßen waren im Lockdown praktisch leer. Wie schlimm war das für Sie?

Wilfried Gepp: Wir haben sehr stark gesehen, dass es nach der Verkündung des Lockdowns einen Riesen-Peak gab – an der Zapfsäule, im Shop und in der Gastro. Zwei Tage später hatten wir einen Tiefstand. Ich habe gar nicht gewusst, dass es so tief nach unter gehen kann. Der ganze Umsatz war praktisch weg. Auf den Autobahnen war einfach niemand unterwegs. Aber was man schon auch gesehen hat: Wir konnten die Versorgungssicherheit sicherstellen. Bei uns hat man Treibstoff bekommen, der Bankomat war offen, man konnte einkaufen. Am wenigsten gelitten hat in der Coronazeit das Waschgeschäft. Da haben wir gesehen, das hängt mehr am Wetter als an der Krise. Viele Leute haben den Lockdown genutzt, um ihr Auto zu waschen .

Sind Sie jetzt wieder auf Vor-Corona-Level?

Gepp: Nicht ganz. Wir haben schon eine signifikante Erholung. Was wir aber schon sehen, speziell auf den Reise-Routen ist viel weniger los. Es gibt zwar viel mehr Inlands-Reisende, aber die aus dem Ausland fehlen uns. Die Tourismus-Routen sind immer noch stark betroffen.

In Deutschland sorgte die OMV gerade mit dem möglichen Verkauf der über 200 Tankstellen für Schlagzeilen. Steht das auch hier bevor?

Wilfried Gepp: Das deutsche Tankstellennetz hat auf das österreichische gar keinen Einfluss. Im Gegenteil. Wir planen sogar, dass wir in Niederösterreich nächstes Jahr zwei bis drei neue Tankstellen eröffnen. Wir bleiben hier. Und die Tankstellen sind nach wie vor das Gesicht der OMV. Mit 45 Tankstellen führt NÖ im Bundesländer-Vergleich übrigens unser Tankstellennetz an.

Stehen die Zeichen trotzdem weiter auf Expansion?

Gepp: Wenn wir einen Standort sehen, wo es Potenzial gibt, bauen wir. Aber wir bauen nicht um der Expansion willen. Wir errichten Tankstellen nur dort, wo wir einen größeren Ort oder eine Stadt in der Nähe haben oder auch Fließverkehr. Das Tankstellen-Netz in Niederösterreich ist ein sehr dichtes. Aber natürlich verändern sich immer wieder die Straßenzüge und damit die Verkehrsflüsse. Deshalb gibt es hier immer wieder Potenzial.

Wenn man sich eine Tankstelle anschaut, findet man mehr als Zapfsäulen. Spielt das Rundherum, also der Shop, ein Kaffeehaus, heute eine große Rolle?

Gepp: Tankstelle bedeutet für uns natürlich Tanken, aber es geht nicht nur ums Auto. Auch Einkaufen, Geld abheben, Pakete aufgeben und Snacks. In unseren Shops legen wir großen Wert auf regionale Produkte. Wir bauen unser Angebot jetzt auch noch weiter aus. In Graz haben wir vor Kurzem mit dem Pilotprojekt von Mjam-Lieferservice gestartet. Das soll im Herbst auch in Niederösterreich kommen. Vorerst in St. Pölten, Baden und Wiener Neustadt – Leberkässemmeln oder Getränke gibt es dann per Lieferservice.

Wie viel macht das Drumherum vom Gesamt-Umsatz aus?

Gepp: Ein Viertel bis Drittel machen Shop und Gastro aus.

Der Ölpreis ist im Frühling drastisch gesunken. An der Zapfsäule hat man das nicht ganz so stark gemerkt. Warum?

Gepp: Ein niedriger Ölpreis ist natürlich für die Kunden erfreulich, weil der Preis dann auf der Tankstelle billiger ist. Aber, warum sich das nicht eins zu eins mitbewegt: Wir sprechen über den Rohölpreis. Aber das muss gefördert werden, transportiert werden, es wird verarbeitet, erst dann landet‘s in der Tankstelle. Da liegt eine Verarbeitungskette dazwischen. Deshalb gibt es keinen direkten Link zwischen dem Rohölpreis und der Tankstelle. Wir haben in der Krise auch gemerkt, dass die Leute gerade Premium-Treibstoffe nachgefragt haben.