Hagelversicherung warnt vor rasantem Bodenverbrauch. In einer Online-Kampagne warnt die Österreichische Hagelversicherung vor einem rasanten Bodenverbrauch in Österreich.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 24. August 2017 (14:44)
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Symbolbild

Falls weiterhin pro Tag 20 Hektar verbaut würden, gebe es in 200 Jahren keine Agrarflächen mehr. "Ein Land ohne Boden ist wie ein Mensch ohne Haut, er ist nicht mehr lebensfähig", erklärte Vorstandsvorsitzender Kurt Weinberger am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Salzburg.

Pro Jahr werde in Österreich eine Fläche von rund 7.000 Hektar verbaut, das entspreche der Größe der Stadt Salzburg, veranschaulichte Weinberger. Immer weniger Wiesen- und Ackerböden würde vermehrt zu Überschwemmung, Hochwasser und Dürre führen, weil asphaltierte und verbaute Böden kein Wasser aufnehmen könnten. Rund 500.000 Arbeitsplätze in und um die Landwirtschaft seien gefährdet, zudem werde Österreich durch Zersiedelung unattraktiv für Touristen, fasste Weinberger zusammen. Was die diesjährige Schadenssumme nach Unwettern betrifft, so sei das Jahr 2017 mit mehr als 200 Millionen Euro "ein Rekordjahr".

Die Kampagne startete Ende Juli, in den ersten drei Wochen haben 11.000 Österreicher unterschrieben. Im Herbst folgt ein offener Brief unter dem Titel "Stoppen Sie den rasanten Bodenverbrauch" an die Politik. Weinberger hofft, dass der Masterplan für den ländlichen Raum, der eine tägliche Neuverbauung von maximal 2,5 Hektar pro Tag vorsieht und auf den sich Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP), die Landeshauptleute und der Gemeindebund bereits geeinigt haben, in das neue Regierungsprogramm aufgenommen wird.

Tobias Moretti unterstützt Kampagne

Prominenter Unterstützer der Kampagne ist der Tiroler Schauspieler Tobias Moretti, zurzeit als "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen zu sehen. Dass pro Tag in Österreich eine Fläche von umgerechnet 30 Fußballfeldern verbaut werde, sei nicht nur ein agrarisches, sondern auch ein soziokulturelles Problem, sagte Moretti, der seit 25 Jahren selbst eine Landwirtschaft betreibt. "Wir sägen uns den Ast ab, auf dem wir selber sitzen." Auf dieses Thema "müssten eigentlich die Grünen aufspringen, und zwar eilens."

Als er das erste Mal in Salzburg gewesen und viel mit dem Rad in Elsbethen, Kuchl und Hallein unterwegs war, sei ihm aufgefallen, dass "alle sieben Kilometer" ein Einkaufszentrum errichtet war, erzählte der Schauspieler. In Innsbruck-Land gebe es innerhalb von 15 Kilometern vier bis fünf "Kolosse" an Einkaufszentren, eine Fläche von zehn oder zwölf Hektar sei da verbaut. "Umso mehr braucht es ein politisches Korrektiv dafür. Es scheint die kommunale Steuer die einzige Möglichkeit zu sein, dass man der sozialen Verantwortung nachkommt."

Kritik an "zahnlosem" Raumordnungsgesetz

Moretti stieß damit ins selbe Horn wie Weinberger, der als politischen Lenkungsmechanismus gefordert hat, die Kommunalsteuer nicht mehr auf Gemeindeebene einzuheben, sondern auf Landesebene. Das Raumordnungsgesetz sei im Gegensatz zum bundesweiten Raumordnungsgesetz in Deutschland "offensichtlich zahnlos", kritisierte Weinberger. Was Einkaufszentren betreffe, habe Salzburg in den letzten Monaten aber einen wesentlichen Schritt gesetzt.

"Wir brauchen in Österreich einen strengeren und klaren Vollzug." Österreich habe ein Juwel an Lebens- und Naturraum, es fließe Trinkwasser aus der Leitung. "Wir gehen in die Richtung, das gedankenlos zu zerstören. Wir brauchen auch ein klares Bekenntnis zum Öffentlichen Verkehr."

Die Österreichische Hagelversicherung hat auch eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes market zum Bodenverbrauch in Auftrag gegeben und die Ergebnisse heute präsentiert. "84 Prozent aller Befragten möchten keine rasante fortschreitende Verbauung des Landes. Vier von fünf Befragten sprechen sich für gesetzliche Beschränkungen aus", erläuterte Institutsleiter Werner Beutelmeyer. Beim Thema Regionalität sei eine Verhaltensänderung beim Konsumenten feststellbar.

"Heimische Lebensmittel sind besser für die Umwelt, das Klima und die Wirtschaft. Das müssen wir bewusst machen, dazu brauchen wir Äcker und Wiesen in Österreich", fasste Weinberger zusammen. Dazu Moretti: "Wir merken, wie bewusst in Österreich gekauft wird, komisch dass das die Entscheidungsträger nicht merken."