Handel lehnt Mehrwegquoten ab. Der Mehrweganteil bei Getränken soll mit einer Quote auf 25 Prozent gesteigert werden. Was Umwelt-NGO freut, zürnt den Handel.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:33)
Bis 2025 soll jede vierte Flasche in Mehrwegflaschen (Glas, Plastik) abgefüllt und vom Handel verbindlich zurückgenommen werden. Ein Pfand auf PET-Flaschen kommt vorerst nicht.
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Die Leergut-Sammelautomaten in Niederösterreichs Supermärkten sollen in Zukunft wieder öfters von Konsumenten frequentiert und „gefüttert“ werden. Das und eine Reduktion des Plastikmülls will Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) mit der Abfallwirtschaftsgesetz-Novelle erreichen. Die Novelle ist derzeit in Begutachtung.

PET, Alu und Co. verdrängten Mehrweg

Noch in den 1990ern lag die Mehrweg-Quote bei Getränkeverpackungen (Glas und Plastik) in Österreich bei 80 Prozent. Heute dümpelt sie aufgrund des Triumphs von PET-Flaschen, Aludosen und Tetrapack bei rund 19 Prozent herum. Mehrweggebinde standen (oder lagen) zuletzt aber wieder öfter auf den Kassafließbändern: Der Erfolg der Berglandmilch-Glasflaschen und die erste Mehrweg-PET-Flasche am österreichischen Markt, entwickelt von Vöslauer, sprechen Bände.

Mithilfe einer verbindlichen Mehrwegquote im Handel ab 1. Jänner 2024 sollen Hersteller und Handelsketten angehalten werden, ihr Sortiment auf Mehrweg umzubauen: Zehn Prozent bei Milch und Soft Drinks, 20 Prozent bei Mineral- und Sodawasser und 60 Prozent bei Bier. „Wir bringen damit Wahlfreiheit zwischen Mehr- und Einweggebinden zurück ins Regal“, sagt Umweltministerin Gewessler. Bis 2025 soll so jede vierte Flasche in Mehrwegflaschen abgefüllt sein.

Zusätzlich soll ein Verbot von Einwegplastikprodukten wie Wegwerfbesteck, Strohhalme und Becher aus Polystyrol ab Juli den Plastikmüllberg weiter reduzieren. Auch der Mülltransport ist betroffen: Ab drei Tonnen Müll soll der Transport schrittweise auf die Bahn verlagert und der Import von vermischtem Industriemüll aus anderen Ländern untersagt werden. „Unser Müll fährt künftig Bahn“, sagt Gewessler.

Umweltorganisationen wie Global 2000, Greenpeace und WWF begrüßen die Vorhaben, mokieren sich aber über zu niedrige Quoten und pochen auf ein Pfandsystem per Verordnung. Dem Handel wiederum missfällt die Novelle. „Eine verpflichtende Quote wird in der Umsetzung teurer und bürokratisch, das muss letztlich der Konsument bezahlen“, sagt WKNÖ-Handelsobmann Franz Kirnbauer.

WKNÖ-Handelsobmann Franz Kirnbauer ist gegen eine verpflichtende Mehrwegquote.
T. Wagner, T. Wagner

Mit mehr Freiwilligkeit bei Mehrwegangeboten, einer Bewusstseinsbildung beim Konsumenten und mit Verbesserungen im bestehenden Sammel- und Verwertungssystem könne man auch gute Fortschritte erzielen und die nötigen EU-Sammelquoten erfüllen. Die Wirtschaftskammer (WKO) bewirbt dafür ihren „Zehn-Punkte-Plan für eine alltagstaugliche Kreislaufwirtschaft“. Das sei günstiger und erspare dem Konsumenten den Rücktransport des Leerguts, sagt Kirnbauer.

Auch Spar unterstützt den WKO-Plan als „bessere Lösung für die gesamten Plastikverpackungen.“ Ein Einwegpfand auf Plastik lehnt man strikt ab, „weil die Plastikflaschen nur etwa zehn Prozent des gesamten Plastikmülls ausmachen. Die Kosten und der Aufwand stehen in keiner Relation dazu“, sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Im Rewe-Konzern investiere man freiwillig in Mehrwegsysteme, „weil es der ausdrückliche Wunsch unserer Kundinnen und Kunden ist“, sagt eine Sprecherin.

Die Diskonter Hofer und Lidl, die derzeit kein Mehrwegsystem betreiben, geben sich aufgrund „offener“ bzw. „diskussionswürdiger“ Punkte in der Novelle noch abwartend, wollen aber wirtschaftliche Auswirkungen aufzeigen. Lidl befürwortet aber ein Einwegpfand als „ökologisch und ökonomisch sinnvollere Maßnahme.“

Einwegpfand in der Warteschleife

Ursprünglich sah der im September von Gewessler vorgestellte „Dreipunkteplan gegen die Plastikflut“ auch ein Einwegpfand auf PET-Flaschen und eine Hersteller- und Importabgabe auf Plastik vor. Das war alles bereits im türkis-grünen Regierungsprogramm getitelt. Davon ist in der Novelle aber keine Rede mehr. Ein Einwegpfandsystem könnte die Ministerin auch per Verordnung einführen. Wann das sein wird, ließ Gewessler offen. Es würden bereits einige Pilotprojekte für Einwegpfand laufen, aus denen „das beste System für Österreich“ entwickelt werden soll.

Pro & Kontra: Pfandsystem

  • Brauchen wir ein Einweg-Pfandsystem