Pölten ausbauen. Ebergassing kommt ein Jahr verspätet. Bislang keine Razzia in NÖ.

Erstellt am 26. August 2013 (11:30)
NOEN, (c) ZOOM visual project gmbh
Von Heinz Bidner

Die Handelskette Spar kommt nicht aus den Schlagzeilen. Erst in der Vorwoche wurde neuerlich die Spar-Konzernzentrale in Salzburg sowie die Kärntner Zentrale von der Bundeswettbewerbsbehörde wegen möglicher Preisabsprachen durchsucht.

Zentrale soll um bis zu 13.000 Quadratmeter erweitert werden

Die St. Pöltner Zentrale, welche die 410 Märkte aller Spar-Vertriebsschienen in NÖ, Wien und dem Nordburgenland beliefert und auch für den Einkauf von 5.730 regionalen Artikeln zuständig ist, blieb bislang verschont. Das bestätigt Spar-Ostösterreich-Chef Alois Huber. Und wenn die Wettbewerbshüter noch vorbeikommen sollten? „Dann werden wir alles offen legen. Wir haben ein reines Gewissen“, meint Huber.

Ausbaupläne hegt der Manager indes nicht nur bei der Filialzahl, die heuer unterm Strich um neun steigen soll. Auch die Zentrale St. Pölten, wo rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, soll wachsen.

Kosten im niedrigen zweistelligen Millionenbereich

So soll das Tann-Fleisch- und Wurstwarenwerk mit 9.245 Quadratmetern Fläche schrittweise erweitert werden. In der ersten Stufe 2014 sollen es insgesamt 9.600, in der zweiten Stufe 2015 rund 13.000 Quadratmeter werden.

„Wir beginnen jetzt gerade zu planen, weil wir an allen Ecken und Enden an unsere Grenzen stoßen“, sagt Huber. Die Kosten würden sich im niedrigen zweistelligen Millionenbereich bewegen. Für Details sei es zu früh.

Mit dem Ausbau soll die Mitarbeiterzahl gehalten werden. Denn parallel dazu soll ein Drittel der Logistikkapazität ins neu geplante Logistikzentrum am Ortsrand von Ebergassing verlagert werden, wo 150 Jobs entstehen sollen.

Lager Ebergassing erst im Frühjahr 2015 fertig 

Dort allerdings teilen sich die Meinungen zur 88 Millionen Euro schweren Mega-Investition. Neben den regelmäßigen Protesten einer Bürgerinitiative hat sich in der Zwischenzeit auch VP-Landtagsabgeordneter Lukas Mandl dagegen ausgesprochen. Rückendeckung kommt dagegen von SP-Bürgermeister Roman Stachelberger: „Vier Prozent der Bevölkerung sind nicht die Mehrheit.“

War die Inbetriebnahme für das Frühjahr 2014 geplant, spricht Huber nun vom Frühjahr 2015. Spar hat in der Zwischenzeit jede Menge Gutachten im Talon, welche die Verkehrs-, Luft- und Lärmbelastungsbedenken der Bürgerinitiative widerlegen sollen. Die Lkw sollen jedenfalls nicht durch den Ort fahren.

Bäckerei-Pläne vorerst ad acta gelegt

Auch in puncto Ortsbild ist man frisch gewappnet. So soll das Lager nicht nur zum Teil im Erdreich versenkt und mit Lärmschutzwänden abgeschirmt werden. Neu ist der Plan, vor dem Lager Erdreich aufzuschütten, um die Sichtbarkeit weiter zu reduzieren.

„Damit gehen wir davon aus, dass das Letzte, was uns fehlt, positiv ausfällt – nämlich das Ortsbildgutachten“, erklärt Huber. Festhalten will er am Standort auf jeden Fall, um von dort künftig den Großraum Wien zu beliefern: „Wir haben derzeit keinen Plan B zu Ebergassing.“ Zudem stelle sich die Frage, ob irgendein Projekt ohne irgendwelche Einsprüche realisierbar sei.

Vorerst ad acta gelegt sind die Pläne, nebenan eine Bäckerei zu bauen. Zuerst will man das Lager umsetzen.

Hummus überholt Liptauer-Aufstrich 

Reagieren muss Spar zudem auf das geänderte Konsumverhalten. Ein Trend sind etwa essfertige Convenience-Produkte, so Huber: „Es hat ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden. Hier sehen wir einen unglaublichen Bedarf.“ Die Eigenmarke Spar-Enjoy umfasst nun 120 Artikel – über alle Vertriebstypen. Bis Jahresende sollen es 140 sein. In St. Pölten wurden 2012 vier Millionen Euro investiert, um diese Produkte mit mobilen Kühlcontainern transportieren zu können.

Ebenfalls markant: Hummus (Kichererbsenbrei) hat bereits Liptauer überholt. Auch steige die Zahl jener, die sich gelegentlich vegetarisch ernähren wollen, so Huber. Der klassische Fleischkonsum stagniere. Wird Spar nach Rewe auch optisch nicht einwandfreies Obst und Gemüse in die Regale legen? „Wir haben seit einigen Monaten Tests laufen. Wir werden sehen, was rauskommt“, meint Huber.