Praktiker muss in die Insolvenz. Die deutsche Baumarktkette Praktiker, an der die österreichische Donau Invest von Alain de Krassny mit knapp 10 Prozent beteiligt ist, hat beim Amtsgericht Hamburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragt. Das teilte Praktiker am Donnerstag mit.

Erstellt am 11. Juli 2013 (17:52)

Der beim Amtsgericht Hamburg gestellte Antrag erstrecke sich über acht Tochterfirmen in Deutschland. Der Insolvenzantrag für die Praktiker AG sollte noch nachgereicht werden. Praktiker strebt an, im Regelinsolvenzverfahren einen Sanierungsplan zu erstellen. In der Regel macht sich ein Insolvenzverwalter zunächst ein Bild über die Geschäftslage.

Die derzeit 132 Max-Bahr-Märkte sowie das Auslandsgeschäft sind laut Unternehmen nicht von den Anträgen betroffen. Die Filialen der Vertriebslinien Praktiker sowie Extra-Bau+Hobby sollen im Rahmen eines vorläufigen Insolvenzverfahrens uneingeschränkt fortgeführt werden.

Die deutsche Gewerkschaft Verdi sprach angesichts der Pleite von einer Tragödie für die Mitarbeiter. Sie seien bereit gewesen, für drei Jahre auf jeweils rund fünf Prozent ihres Jahresgehaltes zu verzichten. Ein entsprechender Tarifvertrag war im Oktober 2012 mit der Unternehmensführung abgeschlossen worden.

Praktiker wies Ende März knapp 18.000 Vollzeitstellen aus, beschäftigt werden nach Unternehmensangaben rund 20.000 Mitarbeiter, davon 12.000 im Inland. Je die Hälfte sei bei den beiden Konzern-Marken beschäftigt, teilte ein Sprecher mit.

Das Unternehmen betreibt in Deutschland insgesamt 315 Baumarkt-Filialen (Stand Ende März). Vorstandschef Armin Burger trieb die Umstellung von Praktiker-Filialen auf die ertragsstärkere Marke Max-Bahr voran. Das Unternehmen war auch durch seine fehlgeschlagene Rabattstrategie in eine schwere Krise geraten. Wechselnde Vorstandschefs hatten zuvor versucht, das Unternehmen zu stabilisieren. Zuletzt wurden der Einkauf gestrafft und die Konzernzentrale aus dem Saarland nach Hamburg verlegt.

Der österreichische Großaktionär Alain de Krassny (Donau Invest) wäre bereit gewesen, noch einmal Geld nachzuschießen. Praktiker hätte kurzfristig 30 bis 35 Mio. Euro zum Überleben gebraucht. Der lange Winter und das verregnete Frühjahr hatten dem Unternehmen unter anderem im wichtigen Gartengeschäft zugesetzt und die Finanzreserven stärker als zu dieser Jahreszeit gewöhnlich aufgezehrt.