Presseaussendung Backhausen zu Al Jaber. Untenstehend finden Sie die Presseaussendung des Unternehmens Backhausen interior textiles in Hoheneich (Bezirk Gmünd) zur nicht fristgerecht eingetroffenen Zahlung von Scheich Al Jaber.

Erstellt am 10. Oktober 2012 (16:33)
Scheich Al Jaber hat für 9. Oktober die Überweisung des vereinbarten Geldbetrages für den Einstieg beim Unternehmen Backhausen zugesichert. Die mit Notariatsakt zugesagte Zahlung ist nicht fristgerecht eingetroffen. Die Banken stellten alle Kredite an Backhausen fällig. Um eine strukturierte Sanierung vornehmen zu können, beantragen Reinhard und Herbert Backhausen deshalb ein Sanierungsverfahren. Der Betrieb des Unternehmens geht während der Sanierungsphase unverändert weiter. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Die Arbeitsplätze sind nicht gefährdet. Kundenbestellungen werden weiterhin fristgerecht erfüllt
 
„Wir müssen die Reißleine ziehen. Der Druck der Banken wurde zu groß. Wir bzw. die Hypo-NÖ-Bank haben zwar schriftliche Zusagen von Mohamed Bin Issa Al Jaber, aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen ist die für 9. Oktober fix zugesagte Überweisung nicht rechtzeitig erfolgt. Nun haben leider unsere Banken keine Geduld mehr“, erklärt Reinhard Backhausen, Geschäftsführender Gesellschafter.

Das Unternehmen orientiert sich nun neu. Ein Sanierungsverfahren wurde eingeleitet, um eine strukturierte Sanierung vorzunehmen und Gläubiger und MitarbeiterInnen zu schützen. Backhausen betont, dass der Betrieb während der Sanierungsphase unverändert weitergeht. „Die Auftragslage ist sehr erfreulich, wir haben heuer zahlreiche Projekte umgesetzt; viele weitere Projekte sind bereits in der Pipeline. Umso mehr schmerzt uns die derzeitige Situation“, so Backhausen. Eine Reduzierung der Anzahl an MitarbeiterInnen (derzeit 104 in Österreich und weitere 40 freischaffende internationale Vertriebsleute) ist nicht geplant. Die Kunden können sich auf eine fristgerechte Ausführung der Bestellungen verlassen. Für 2012 wird ein Umsatz von ca. 12 Mio. Euro angepeilt. Der operative Cash Flow ist positiv und damit der Fortbestand des Unternehmens gesichert.

Der Partnerschaft mit Al Jaber hat Backhausen bis zuletzt aus mehreren Gründen reale Chancen eingeräumt. Reinhard Backhausen: „Al Jaber ist bei uns mit seinen Hotels seit einigen Jahren ein guter Kunde und hat immer alle Rechnungen bezahlt. Auch die Banken unterstützten seine Beteiligung. Wir sind also keineswegs blauäugig in diese Verhandlungen gegangen.“

Rechtsanwalt Dr. Florian Kremslehner von der Kanzlei Dorda Brugger Jordis, der Backhausen vertritt: „Wir erwarten, dass Al Jaber seinen Verpflichtungen in den nächsten Tagen nachkommt. Sonst müsste Backhausen andere Investoren suchen." Mit einigen Investoren gab es bereits im Vorfeld Gespräche und konkrete Interessensbekundungen. Wir erwarten uns durch diese Strategie eine rasche und vollständige Rekapitalisierung von Backhausen noch während des Sanierungsverfahrens.

Strukturierte Sanierung
Generell geht es bei einem gerichtlichen Sanierungsverfahren um die Existenzerhaltung des Unternehmens und um die Wiederherstellung der vollen Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Es dient v.a. auch dem Schutz der Gläubiger. Backhausen: “Wir haben den Antrag für ein Sanierungsverfahren für eine strukturierte Sanierung zum Schutz für unsere MitarbeiterInnen und Lieferanten eingebracht. Ihnen soll so wenig wie möglich Schaden entstehen.“ Den Gläubigern wird im Sanierungsverfahren eine Quote von 30 Prozent innerhalb von zwei Jahren vorgeschlagen. Die Banken haben Forderungen von rund 4,2 Mio Euro.

Hauptgrund für die Schieflage war die Wirtschaftskrise in 2008/2009 und der damit verbundene Preisverfall im Großprojektgeschäft (speziell durch asiatische Konkurrenz), das einen beträchtlichen Anteil des Umsatzes von Backhausen bildete. Nach einem Kostenoptimierungsprogramm und der Implementierung einer neuen Vertriebsstrategie war 2012 ein deutlicher Aufschwung zu spüren. Mit einer Stärkung der Eigenkapitalstruktur durch einen Partner will sich Backhausen gegen die volatilen Märkte schützen und das Unternehmen für die Zukunft fit machen.
 
Neue Vertriebsstrategie
Überzeugt sind die Brüder Reinhard und Herbert Backhausen von dem weiteren Erfolg der neuen Vertriebsstrategie des Unternehmens. Der Fokus liegt dabei auf dem exklusiven Fachhandel, der gehobenen Hotellerie und Gastronomie, der Möbelindustrie und auf der Ausstattung von Wohnresidenzen. Denn Marktbeobachtungen zeigen, dass Markenware von hoher Qualität unabhängig von der Wirtschaftslage im oberen bzw. Luxussegment sehr gefragt ist. Das Unternehmen ist in 40 Ländern der Welt tätig – Zielmärkte sollen in Zukunft Mittel-, Ost- & Nordeuropa, Nordamerika und der arabische und russische Raum werden. „Wir können und müssen uns von der Billigkonkurrenz aus Asien deutlich abgrenzen. Der Produktionsstandort Österreich ist dabei ein Gütesiegel, auf den wir auch weiterhin setzen werden“, so Backhausen.

Die Firma Backhausen interior textiles wurde 1849 gegründet und produziert hochwertige Möbel-und Vorhangstoffe, die in 40 Länder der Welt exportiert werden. Backhausen ist im Fachhandel und im Objektgeschäft tätig und Ausstatter zahlreicher nationaler und internationaler Tophotels, Konzerthallen, Executive-Offices, Appartements, usw. Produziert wird nach wie vor im Waldviertel in Hoheneich, das Einrichtungshaus befindet sich in Wien. Der Jahresumsatz beträgt ca. 12 Mio Euro mit ca. 150 Mitarbeitern weltweit. Backhausen verfügt über ein Archiv mit 3.500 Originalentwürfen speziell auch aus der Zeit der Wiener Werkstätte, die sich im hauseigenen „Wiener Werkstätte-Textilmuseum“ in der Schwarzenbergstraße befinden. Besonderes Augenmerk wird in der Produktentwicklung aber auch auf klassische, moderne und Landhaus-Dessins gelegt. Auch die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstler war und bleibt für Backhausen immer ein großes Anliegen.