63 Millionen für Weiterbildung in NÖ. Eine Offensive am Jobmarkt bringt mehr Kurse, 23.000 zusätzliche Plätze wird es 2021 geben.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 02. März 2021 (08:33)

Es sieht nicht rosig aus am Arbeitsmarkt: Um 15,6 Prozent mehr Arbeitslose im Vergleich zum Vorjahr gibt es in Niederösterreich, insgesamt sind 68.391 Menschen im Bundesland derzeit ohne Job.

Das sei, sagt Landesrat Martin Eichtinger, im Vergleich zu den anderen Bundesländern immer noch ein guter Wert. Aber zufrieden kann damit niemand sein. Aus diesem Grund nimmt das Land jetzt 63 Millionen Euro für Investitionen in die Aus- und Weiterbildung in die Hand. Die inhaltlichen Schwerpunkte werden in den Bereichen Technik, Elektronik und Gesundheit mit Schwerpunkt Pflege gesetzt.

In der NÖ Arbeitsmarktstrategie der Jahre 2021 bis 2027, die Eichtinger kurz umreißt, ist die Aus- und Weiterbildung nur eine Säule. Die beiden anderen sind Maßnahmen für den leichteren Wiedereinstieg und Kernkompetenzorientierung. Für Letzteres wurde ein eigener Kompass entwickelt, der die Fähigkeiten der Arbeitssuchenden besser sichtbar machen und damit Hinweise auf eventuell passende Umschulungen geben soll.

Bis zu 15.000 Euro für einen Lehrabschluss

En konkreter Plan ist, dass bis zum Mai jeder siebte Arbeitslose in ein Aus- oder Weiterbildungsprogramm eingebunden sein soll. Dafür wurde die Anzahl der Kursplätze im laufenden Jahr um 46 Prozent auf insgesamt 23.000 Plätze aufgestockt.

„Die Lehrlinge sind uns wirklich etwas wert“, betont AMS-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich: Bis zu 15.000 Euro investiert das AMS in einen Kursplatz mit Lehrabschluss. Ausbildungswünsche von Angeboten am freien Bildungsmarkt werden mit bis zu 3.000 Euro gefördert.

Berufsorientierung, fordert Arbeiterkammer-Präsident Markus Wieser, müsse generell möglichst bald beginnen. An den Schulen könnte das Thema bereits ab der 5. Schulstufe in den Unterricht eingebaut werden.

Versorgungssicherheit im Fokus

Was die Pandemie jedenfalls gezeigt habe, ist, dass man künftig beim Thema Versorgungssicherheit genau hinschauen müsse: Welche Produktionen haben wir im Land? Und welche brauchen wir? Daraus lasse sich ableiten, welche Fähigkeiten am Arbeitsmarkt benötigt werden.

Wirtschaftskammer-Präsident Wolfgang Ecker hebt das WIFI-Technikzentrum in St. Pölten als wesentliche Ausbildungsstätte hervor: „Über 50 Prozent derer, die hier ausgebildet wurden, haben binnen drei Monaten einen fixen Arbeitsplatz. Und 20 Prozent davon sind Frauen.“

Eine davon ist die 37-jährige Judith Hillberger, zweifache Mutter, die sich am WIFI gerade zur Mechatronikerin ausbilden lässt. In ihren alten Job in der Gastronomie möchte sie nicht zurück, „ich habe jetzt genau das gefunden, was ich will.“

Ein kleiner Lichtblick in der angespannten Situation am Arbeitsmarkt ist, dass die Zunahme der Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen nur bei neun Prozent liegt, informiert Landesrat Eichtinger. Düster hingegen sieht es bei den Langzeitarbeitslosen aus: „Der Trend verstärkt sich, das macht uns Sorge.“