Investition in die Bahn ist auf Schiene. ÖBB und Regierung beschließen 17,5 Mrd. Euro Bauprojekte. NÖ-Regionalbahnen und Pendler sollen profitieren.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 21. Oktober 2020 (05:22)
ÖBB-Rahmenplan: 2021-2026
Quelle/Karte: ÖBB NÖN-Grafik: Bischof

Das „größte Bahnpaket, das die Republik je gesehen hat“, sagt Umweltministerin Leonore Gewessler über das 17,5 Milliarden-Euro-ÖBB-Investitionspaket, das die Regierung beschlossen hat. Als einen „Meilenstein im Kampf gegen den Klimawandel“ soll das Milliardenpaket die österreichische Bahn klima- und zukunftsfit machen, so Gewessler. Das Paket diene auch als Basis für einen Taktfahrplan mit leicht merkbaren Abfahrtszeiten, kurzen Umstiegszeiten und kürzeren Reisezeiten. Außerdem sind die Infrastruktur-Bauprojekte Grundlage für das 1-2-3 Ticket und die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene.

Die Schwerpunkte des neuen Rahmenplans 2021-2026 liegen auf mehr S-Bahnen in und rund um die Städte, Modernisierung der Regionalbahnen durch Elektrifizierung und Digitalisierung, und mehr Kapazitäten für den Güterverkehr. „Investitionen in die Bahn wirken während der Bauphase, sie schaffen Arbeitsplätze und sind ein Konjunkturmotor. Das bedeutet auch regionale Wertschöpfung“, sagt ÖBB-CEO Andreas Matthä. Mit jeder investierter Milliarde sollen 15,000 Arbeitsplätze gesichert werden. Jeder Euro in den Bahnausbau bringe zwei Euro für die Volkswirtschaft an Steuern, Abgaben und Sozialversicherungsbeiträgen, sagt Matthä.

4,18 Millarden Euro für Bauprojekte in Niederösterreich und die Ostregion sind für die nächsten sechs Jahre im neuen ÖBB-Rahmenplan vorgesehen. Neben der Modernisierung der Wiener S-Bahn-Stammstrecke (vsl. Baubeginn 2022), dem zweigleisigen Vollausbau der Marchegger-Ostbahn (2022), der Direktanbiedung von Horn an die Franz-Joseph-Bahn (2024), inklusive zweigleisigen Ausbau, ist auch der viergleisige Ausbau der am stärksten frequentierten Pendlerstrecke Österreichs, Meidling bis Mödling (2026), geplant. Entlang dieser Strecke pendeln täglich über 200.000 Menschen, so Matthä. Neben dem Semmeringbasistunnel sind auch Bahnsteigverlängerungen entlang der Semmeringbahn zwischen Wiener Neustadt und Gloggnitz, der Streckenausbau der Nordbahn (2022) und die neue Flughafenspange Flughafen Wien – Bruck/Leitha (2025) geplant.

Auch die Regionalbahnen profitieren. Eine Elektrifizierung und Attraktivierung der Erlauftalbahn (Pöchlarn - Scheibbs), der Mattersburger Bahn (Wr. Neustadt - Loipersbach) und der Traisentalbahn (St. Pölten - Hainfeld) sollen eine Taktverdichtung und Fahrzeitverkürzung bringen. Bahnhöfe werden zu „Drehscheiben des öffentlichen Verkehrs“ (Stichwort Mikro-ÖV). Pro Jahr will die ÖBB 1.500 neue Radstellplätze österreichweit bauen. Es gebe einen Trend, dass immer mehr Kunden mit dem Rad zum Bahnhof fahren. Neben Klimaneutralität in allen Bauprojekten liegt ein Fokus auf Barrierefreiheit: „Im Jahr 2027 werden 90 Prozent aller Bahnhöfe barrierefrei sein“, sagt Matthä.

Nach dem Corona-Dämpfer mit 90 Prozent weniger Passagieren im April und minus 37 Prozent bis September rechnet die ÖBB nach einem Vor-Corona-Höchststand von 290 Millionen mit über 500 Millionen Bahn- und Buskunden im Jahr 2026.