Rege Diskussionen unter Lehrlingen. Das erste Lehrlingsparlament ist in der WKNÖ über die Bühne gegangen.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 20. Juni 2017 (03:00)
Josef Bollwein
59 Lehrlinge fanden sich zum freiwilligen Lehrlingswirtschaftsparlament in der Wirtschaftskammer NÖ in St. Pölten ein.

Eine Premiere gab es in der Vorwoche in der Wirtschaftskammer NÖ (WKNÖ). Das erste Lehrlingswirtschaftsparlament der WKNÖ fand in St. Pölten statt. 59 Lehrlinge kamen zusammen, um insgesamt acht Anträge zu diskutieren und über diese auch abzustimmen. Wie im „richtigen“ Wirtschaftsparlament fand auch das Lehrlingswirtschaftsparlament unter dem Vorsitz von WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl statt.

Bereits im Mai sind die Lehrlinge erstmals in Ausschüssen zusammengekommen, um jeweils einen Antrag thematisch zu erarbeiten und für die Abstimmung im Plenum vorzubereiten. Die Lehrlinge wurden dabei bunt in die Ausschüsse eingeteilt. „Die Lehrlinge konnten sich freiwillig zum Parlament anmelden. Es sind 59 Lehrlinge quer über alle Branchen gekommen. Alle, die sich angemeldet haben, konnten auch teilnehmen“, erklärt Organisator Stefan Gratzl von der Abteilung Bildung in der WKNÖ.

"Ich habe große Hochachtung vor der Jugend"

Sechs der acht Anträge fanden eine Mehrheit im Parlament. Diese werden in die Arbeit der WKNÖ einfließen, kündigte Sonja Zwazl am Rande des Lehrlingsparlaments an. Einstimmig angenommen wurde jener Antrag zur Verstärkung der berufsbezogenen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Rahmen der Lehre. Andere Anträge betrafen etwa die Themen politische Bildung, Gleichberechtigung und Digitalisierung.

Entstanden ist das Lehrlingswirtschaftsparlament auf Initiative von Sonja Zwazl, die in ihrer Funktion als Vorsitzende des Bundesrates bei einem solchen Parlament im Nationalrat bereits Mitorganisatorin war. „Ich habe große Hochachtung vor der Jugend. Sie ist viel ernster und überlegter als angenommen und nimmt nichts für selbstverständlich“, so Zwazl.

Die Lehrlinge nutzten die Gelegenheit, WKNÖ-Präsidentin Zwazl vor Ort zu haben auch gleich, um Anregungen in eigener Sache zu deponieren. So wie der 16-jährige Daniel Habel, Einzelhandelskaufmann-Lehrling aus Wiener Neustadt. „Wir lernen in der Berufsschule teilweise noch etwas über Röhrenfernseher. Das sind Dinge, die man überarbeiten könnte“, so Habel. Dies habe er Zwazl am Rande des Lehrlingswirtschaftsparlaments näher gebracht.