Schlechtwetter: Sorge um die Getreide-Ernte. PROGNOSE / Mengenmäßig wird es eine überdurchschnittlich gute Gesamternte. Im regengeplagten Waldviertel könnte die Qualität leiden.

Erstellt am 07. August 2011 (20:03)
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VON CHRISTIANE BUCHECKER

85 Prozent der heimischen Getreideernte sind laut Agrarmarkt Austria bereits eingebracht. Ein beträchtlicher Teil der restlichen 15 Prozent steht noch auf den Feldern des Waldviertels. Regen, Sonne und wieder Regen immer wieder mussten die Mähdrescher in den letzten Tagen unfreiwillige Arbeitspausen einlegen. Geht das so weiter, hat das negative Auswirkungen auf die Qualität, blickt Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria (AMA), besorgt in den Norden Niederösterreichs.

Überdurchschnittliche Menge  und hoher Getreidepreis

Ansonsten zeigt man sich mit der Ernte 2011 zufrieden: Die Qualitäten sind witterungsbedingt zwar ein wenig tiefer, mit 5,3 Millionen Tonnen (inklusive Mais) wird aber mengenmäßig eine um 13 Prozent über dem Vorjahr liegende Ernte erwartet. Damit liegt man deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, so Griesmayr, die Versorgung ist hierzulande gesichert. Nicht nur in Österreich sind die Erntemengen höher als prognostiziert. Zuletzt wurde die Weltgetreideernte um neun Millionen Tonnen auf den Rekordwert von 1,817 Milliarden Tonnen korrigiert. Der steigende weltweite Verbrauch wird damit aber trotzdem nicht abgedeckt werden können, dafür muss man schon auf die globalen Getreidevorräte zugreifen.

Was heißt das für den Preis? Exportstopps in Russland und der Ukraine und Überflutungen in Australien haben im Vorjahr zu einer Explosion des Weizenpreises geführt: Er verdoppelte sich innerhalb weniger Monate auf rund 270 Euro pro Tonne.

Für dieses Jahr könne man sich noch nicht genau festlegen, so Franz Stefan Hautzinger, AMA-Verwaltungsrat-Vorsitzender, da die Ernte in Deutschland und Frankreich noch im Gange ist. Doch das Preisniveau wird eher in der Höhe bleiben, die Bauern dürfen sich Hoffnung auf zufrieden stellende Erlöse (siehe Bericht links) machen. Die große Unbekannte sind wieder die Spekulanten: Diese investieren an den Warenterminbörsen in Agrar-Rohstoffe und verknappen so das Angebot und verstärken den Trend zu steigenden Preisen.

Konsumenten gar nicht oder  nur minimal betroffen

Zu Preissprüngen bei Brot und Gebäck durch die hohen Getreidepreise wird es nicht kommen, sagt Johann Ehrenberger, NÖ-Landesinnungsmeister der Lebensmittel-Gewerbe und der Bäcker. Schon 2010 habe man die Teuerung beim Mehl um 70 Prozent nicht an die Konsumenten weitergegeben, denn: Die Familien haben auch nur ein begrenztes Budget.

Handlungsbedarf sieht Rudolf Menzl, NÖ-Landesinnungsmeister der Fleischer, wenn man die Eigenversorgung mit Schweinefleisch aufrecht erhalten will: Einerseits müsste der Schweinehalter wegen der hohen Futterkosten mehr Geld für die Tiere bekommen, andererseits wird auch der Fleischhauer den Preis ein wenig anheben müssen.



AKTUELLE MELDUNGEN AUS DER LANDWIRTSCHAFT
Was ist in der Vegetation gerade los?
Gemüsebau: Es fehlt an Sonnenschein, Pilzbefall ist häufig die Folge des feuchten und mäßig warmen Klimas.
Feuchtkühles Wetter ist nur für das Kohlgemüse einigermaßen in Ordnung, alle anderen Gemüsearten leiden etwas unter der Witterung.
Beispiele: Falscher Mehltau bei Zwiebeln, Echter Mehltau bei Kürbis und Zucchini, Falscher Mehltau bei Gurken, Alternaria bei Karotten, Rost bei Spargel, Mehltau bei Salaten, Kraut- und Braunfäule bei Tomaten (eher ein Hausgartenpro-
blem), Grauschimmel bei vielen Gemüsearten, vor allem nach Verletzungen, Bakterienerkrankungen bei vielen Gemüsearten.
Lichtmangel wirkt sich auf die Ertragsleistung und auf die Gewebefestigkeit negativ aus. Pflanzen werden anfälliger.
Was wird gerade gemacht?
Gemüsebau: Bodenvorbereitung für den Winterzwiebelanbau, Bohnenernte beginnt, erste Kürbisvariationen können geerntet werden.
Karottenernte steht am Beginn, ebenso Sellerie und Petersilienwurzen. 
QUELLE: LK-NÖ