„Die Krise ist auch eine große Chance für uns“. Robert Schmid und Georg Bursik von der Schmid Industrieholding zur Coronakrise und möglichen Effekte für die Bauwirtschaft.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 24. März 2020 (04:49)
Das Innovationszentrum von Baumit am Firmenstandort in Wopfing (Bezirk Wiener Neustadt).
Baumit

NÖN: Herr Schmid, wir erleben gerade äußerst herausfordernde Zeiten, auch für die heimische Bauwirtschaft. Was haben Sie mit der Schmid Industrieholding in den kommenden Jahren vor, und wie soll es nach der Coronakrise weitergehen?

Robert Schmid, Geschäftsführer Schmid Industrieholding.
Baumit

Robert Schmid: Wir sind in den vergangenen drei Jahren stark gewachsen. Wir haben sehr viele Ostmärkte, wo wir stark sind und zu den Marktführern gehören. Wir haben aber auch Märkte, wo wir nicht die Position haben, die wir beanspruchen – nämlich die Plätze eins bis drei. Das ist unser Ziel für die kommenden Jahre. Neue Märkte sind nicht geplant. Wir wollen auch in Europa bleiben. In wieweit uns die Corona-Krise bei diesen Zielen behilflich ist oder behindert werden wir sehen. Ich glaube jedenfalls, dass diese Krise zu einer gewissen Art von Besinnung auf das eigene Heim führen wird, die Menschen dann gesünder und schöner wohnen werden wollen und das ist natürlich eine große Chance für uns.

Georg Bursik: Die derzeitige Situation bringt viele Unternehmen an wirtschaftliche Grenzen. Wir werden leider auch viele Konkurse erleben, manche Branchen, wie die Flugbranche werden sich länger nicht erholen. Es muss auch genau geprüft werden, welche Unternehmen staatliche finanzielle Hilfe bekommen sollen. Es macht keinen Sinn Geld in Unternehmen zu stecken, die schon vor der Krise kein Ergebnis zustande gebracht haben – etwa ruinöse Billigsttickets. Kleine Nahversorger ausgenommen, da steht das volkswirtschaftliche Interesse im Vordergrund. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Lage mit Ende April normalisiert.

Auf welchen Märkten wollen Sie Platz eins bis drei erreichen?

Schmid: Auf den westeuropäischen Märkten - Spanien, Frankreich, England etc. Wenn es dort eine Akquisition gibt, die sich anbietet, dann werden wir die auch machen.

Herr Schmid, wie steht es um den Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft?

Schmid: Wir haben viel zu wenige Facharbeiter – und dieser Mangel lässt sich mittlerweile auch nicht mehr durch Mobilität der Arbeiter ausgleichen. Es gibt in der Ukraine, in Polen, in Tschechien und in Rumänien den gleichen Mangel an Arbeitskräften. In den Westländern sowieso. Das fehlende Fachpersonal reguliert das Bauvolumen von ganz alleine.

Es gebe auch in Ihrem Unternehmen mehr Aufträge, wenn Sie mehr Fachkräfte finden würden?

Schmid: Nein, die Baustellen brauchen mehr Facharbeiter! Wir könnten als Industriebetrieb durchaus noch etwas mehr produzieren. Nur: Wir sind abhängig von den Menschen, die unsere Ware verarbeiten. Wenn es die nicht ausreichend, können wir nicht mehr verkaufen. Wir selbst machen sehr viel in der Lehrlingsausbildung. Wir sind zum Glück als Arbeitgeber sehr beliebt. Insgesamt muss man in Österreich die Lehre wieder sexy machen. Da geht es in erster Linie nicht ums Geld, sondern das Image.

Herr Bursik, Sie haben vor kurzem wie vor vier Jahren eine Sanierungsoffensive gefordert. Hier ist also nichts passiert?

Georg Bursik, Geschäftsführer Baumit.
Baumit

Bursik: Gar nichts. Gerade in Zeiten, wo es um den Klimaschutz geht, ist die thermische Sanierung ein notwendiges und auch probates Mittel, um die Umweltbelastung zu senken. Entweder durch einen einfachen Sanierscheck in Form einer Einmalzahlung oder durch ein Steuermodell, mit dem die thermische Sanierung im Eigenheim auf zehn Jahre abgeschrieben werden kann. Das ist ab 2021 dringendst notwendig um der jetzt drohenden Arbeitslosigkeit am Bau entgegenzuwirken.

Was kostet eine thermische Sanierung im Durchschnitt?

Bursik: Das hängt stark davon ab, welche Maßnahmen man setzt. Pro Quadratmeter spart man sich, wenn man die Außenhülle dämmt, im Jahr rund 25 Kilogramm CO2. Das bedeutet für ein Einfamilienhaus den CO2-Ausstoß von rund 40.000 mit dem Auto zurückgelegten Kilometern. Das ist ein gewaltiger Aspekt. Bei den Kosten kann man von 70 bis 100 Euro pro Quadratmeter ausgehen. Potenzial ist da: Knapp 300 Millionen Quadratmeter in Österreich sind noch immer extrem schlecht bis gar nicht gedämmt.

Herr Schmid, Sie sind auch Umweltsprecher der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer und haben eine höhere Tonnage von 40 auf 44 Tonnen bei den Lkw gefordert. Wie viel ist da an Einsparpotenzial drin?

Schmid: Wir sprechen hier nur vom Nahverkehr, nicht von Megalinern. Wir sind als Baustoffhersteller Nahversorger. Alleine durch diese Maßnahme würden wir in Österreich nur beim Transport von Baustoffen 900.000 LKW-Fuhren im Jahr einsparen. Die Holztransporte dürfen das ja schon.

Wie viel Potenzial hat der Gütertranpsport auf der Schiene?

Bursik: Im Nahverkehr ist das kein Thema, das ist auch nicht die Aufgabe der Bahn. Bei längeren Strecken gibt es aber Potenzial. Die Bahn müsste aber um ein Drittel billiger werden, um hier wettbewerbsfähig zu sein.

Herr Bursik, Sie haben gerade bekannt gegeben, dass Sie 12,5 Millionen Euro am Standort Wopfing in den Ausbau des Forschungszentrums und in den Bereich Nassprodukte investieren werden. Warum dieser Schritt?

Bursik: In erster Linie, weil es unser Hauptstandort ist. Es passiert hier die Forschung und Entwicklung für den gesamten Baumit-Konzern. Wir investieren ja auch im Bereich Nassprodukte, weil wir die auch ins Ausland exportieren.

Den Standort zu verlegen ist kein Thema?

Bursik: Nein, im Moment nicht.