Niedrige Zinsen beflügeln Aktien. Privatbank empfiehlt ihren Kunden Kauf von Unternehmensanteilen. Kein Interesse an Valartis-Bank.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 18. Mai 2015 (09:13)
NOEN, Markus Wache
»Das ist im Moment kein Thema«: Vorstand Franz Witt-Dörring hat kein Interesse an der Valartis-Bank.
Die mageren Sparbuchzinsen treiben vermögende Menschen wieder stärker in Richtung Wertpapiere. Das spürt die auf Private Banking – also auf Kunden ab 500.000 Euro Veranlagungsvolumen – spezialisierte Schoellerbank. Die Privatbank gehört zur Bank Austria, die wiederum Teil des italienischen UniCredit-Konzerns ist.

Ein Indiz für die zunehmende Risikobereitschaft ist die Einzelaktienquote (Aktienveranlagung exklusive Fonds). Im Krisenjahr 2009 lag sie bei 5,7 Prozent, 2012 kletterte sie auf 7,7 Prozent und im Vorjahr lag sie bereits bei 8,1 Prozent.

"Rendite ist heute nicht so wichtig“

„Wir empfehlen den Kunden, ihre Aktienanteile zu erhöhen“, sagt NÖ-Landesdirektor Alois Limberger. „Man muss dabei einen längerfristigen Anlagehorizont haben und Schwankungen aushalten“, weiß Vorstandschef Franz Witt-Dörring.

Dennoch: „Der Werterhalt des Kapitals steht bei den Kunden im Vordergrund – die Rendite ist heute nicht so wichtig“, ergänzt Thomas Kern, Direktor der St. Pöltner Schoellerbank-Niederlassung – der einzigen in Niederösterreich.

Insgesamt hat die Privatbank 60 Aktientitel auf ihrer Empfehlungsliste – davon derzeit aber keinen aus Österreich. Warum? „Wir haben einen globalen Ansatz“, erklärt der Zwölfaxinger Witt-Dörring. Es gebe zwar sehr gute Unternehmen im Inland. Man würde aber international vergleichen. Dabei hat die Bank die USA bereits untergewichtet. Die Titel wären nämlich schon relativ teuer und der Dollar binnen der letzten zwölf Monate um 25 Prozent gestiegen, erklärt Thomas Kern.

"Wir wachsen sehr schön organisch“

Im Gegenzug habe man Asien übergewichtet: „Hier sehen wir derzeit mehr Potenzial als in Amerika – auch sind die Dividendenrenditen höher.“ Wäre die zum Verkauf stehende Valartis Bank in Wien für die Schoellerbank interessant? „Nein, das ist im Moment kein Thema. Wir wachsen sehr schön organisch“, so Witt-Dörring.

Insgesamt liegt das verwaltete Kundenvermögen der Schoellerbank derzeit bei über 10 Milliarden Euro. Auf St. Pölten entfallen davon rund 330 Millionen Euro. Das entspricht einer Verdoppelung binnen vier Jahren.