Die Schuldner werden jünger. Die Jahresstatistik der Schuldnerberatung NÖ zeigt, dass die Schuldner jünger werden, seit 2015 steigt die Verschuldung junger Menschen konstant an. Aber auch bei Personen ab 56 Jahren steigt die Schuldenlast. Vor allem der Verlust des Arbeitsplatzes ist dafür ausschlaggebend.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 13. Februar 2020 (12:07)
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Seit 2014 steigt die Anzahl der Erstkontakte bei der NÖ Schuldnerberatung wieder an, 2019 gab es 2.804 Erstkontakte. 4.393 Personen wurden Face-to-Face betreut. Die Schuldner werden in NÖ an fünf Standorten von 41 Mitarbeitern betreut. Von der Anmeldung bis zum Erstgespräch dauert es im Schnitt 3,5 Wochen.

Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, Geschäftsführer Michael Lackenberger (Schuldnerberatung NÖ) und Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister
NLK Filzwieser

Die Landesrätinnen Christiane Teschl-Hofmeister (VP) und Ulrike Königsberger-Ludwig (SP) haben gemeinsam mit Michael Lackenberger, Geschäftsführer der Schuldnerberatung NÖ, die Statistik 2019 präsentiert. Und der beunruhigendste Trend ist der, dass sich junge Leute bis 25 immer stärker verschulden. 1,9 Prozent beträgt hier der Anstieg im Vergleicht zu 2018. "Wobei es nicht unbedingt mehr junge Schuldner sind", wie Landesrätin Teschl-Hofmeister erklärt, "aber die Höhe der Schulden steigt an." Und die liegt in dieser Altersgruppe im Schnitt bei 26.800 Euro.

Konsumverhalten als Schuldenfalle Nummer 1

Ausschlaggebend für die Verschuldung in dieser Altergruppe ist zuallererst das Konsumverhalten (36%), gefolgt von Arbeitslosigkeit (35%), gescheiterter Selbstständigkeit (11%), Problemen nach der Wohnraumbeschaffung (10%) und Scheidung oder Trennung (10%).

Die Jugendinformation des Landes wird daher ihre Beratung zu Schuldenthematik intensivierten, betont Jugend-Landesrätin Teschl-Hofmeister.

Bei den Erwachsenen ab 25 Jahren ist die Ursache Nummer eins für finanzielle Schieflagen die Arbeitslosigkeit (37%), gefolgt von gescheiterter Selbstständigkeit (25%) und Scheidung bzw. Trennung (21 %).

Frauen von Trennung stärker betroffen

Wobei hier ein Unterschied zwischen Männern und Frauen auszumachen ist: Bei Männern steht die Ursache "Trennung/Scheidung" an dritter Stelle bei der Ursache der Verschuldung, bei Frauen an zweiter Stelle. "Frauen schlittern oft in Schulden, weil sie für Kredite bürgen", merkt Landesrätin Königsberger-Ludwig dazu an.

Eine Zunahme ist bei Schuldnern zwischen 36 und 40 Jahren zu verzeichnen, 14 Prozent der Schuldnerberatungs-Klienten sind in dieser Altersgruppe.

28 Prozent trotz Vollzeitjobs verschuldet

Generell haben 28 Prozent der Schuldner einen Vollzeitjob, zehn Prozent sind Pensionisten, der große Restanteil besteht als Notstandshilfe-Beziehern und arbeitslosen Personen.

"Schulden machen krank", weist Königsberger-Ludwig noch auf einen wesentlichen Aspekt hin: Jeder 7. Klient der Schuldnerberatung ist aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, den Entschuldungsprozess gleich zu starten. Und: Viele Schuldner kommen zu spät, oft aus Scham. Dabei arbeitet die Schuldnerberatung nicht wertend, die Beratung ist individuell und kostenlos.

"Auf einen Berater kommen 244 Klienten", umreißt Michael Lackenberger das Arbsitsaufkommen seiner Mitarbeiter: Pro Jahr entfallen auf einen Mitarbeiter im Durchschnitt 493 Beratungen.

"Wissen der Jungen teilweise katastrophal"

"Das Wissen der Jungen in Geldangelegenheiten ist teilweise katastrophal", sagt Lackenberger. Die Schuldnerberatung wird daher im ersten Quartal dieses Jahres eine Umfrage zum Geldwissen in der Altersgruppe bis 25 machen, um hier zu validen Daten zu kommen.

Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Geschäftsführer Michael Lackenberger (Schuldnerberatung NÖ) bei der Präsentation des Jahresberichtes 2019 der Schuldnerberatung NÖ
NLK Filzwieser

Was sich als wirklich gutes Mittel zur Schuldensteuerung erwiesen habe sei das betreute Konto, das es seit 2016 gibt. 261 betreute Konten gab es 2019: monatliche Fixkosten werden über dieses Konto bezahlt um zu verhindern, dass Zahlungsrückstände zu noch größeren Schulden führen.

Problem: Konsum- und Onlinekredite

Was Lackenberger bedauert, ist die einfache Möglichkeit Konsumkredite zu bekommen. "Viele Schuldner bedenken nicht, dass sie beim Kauf eines Fernsehers auf Raten einen Kreditvertrag mit einer Bank abschließen." Und sie unterschätzen, dass mehrere nebeneinander laufende Konsumkredite oft das verfügbare Haushaltsbudget sprengen.

Auch problematisch sind die Online-Kredite: Hier brauche es zwar diverse Einkommensnachweise, aber die Beratung fehle gänzlich. Kredite bis zu 50.000 Euro sind so erhältlich - und viele tappen hier in die Schuldenfalle.

Beratung fehlt oft

Beratung ist generell ein Thema in diesem Zusammenhang: Durch den Abbau an Bankfilialen und auch den Abbau an beratendem Bankpersonal steige natürlich die Gefahr für viele Menschen, sich zu verschulden, sagt Lackenberger.

Der jüngste Klient der Schuldnerberatung im Jahr 2019 war übrigens 18 Jahre alt, die beiden ältesten 87. Die Bandbreite der Schuldenlast reichte von 1.100 bis 7,8 Millionen Euro.