"Das Dirndl": Dirndlsaft und viel Herzblut

Das Familienunternehmen „Das Dirndl“ bietet an zwei Standorten frische Lebensmittel zur Selbstbedienung an. Die Produkte stammen dabei auch vom eigenen Biohof – aber nicht nur.

Erstellt am 04. Oktober 2021 | 05:33
Das Dirndl Selbstbedienungsladen
Noch kaum ein Jahr sind die zwei Dirndl-Läden in St. Georgen und in St. Pölten-Wagram alt, trotzdem hat man sich schon ein treues Stammpublikum erarbeitet, das seinen Wocheneinkauf im Selbstbedienungsladen erledigt.  
Foto: Das Dirndl

„Am Anfang ist jemand im Laden gestanden, der wollte ein Dirndl kaufen“, schmunzelt Hannes Weichhart. Nicht die Tracht, sondern die Frucht ist Namensgeber für den innovativen Regionalladen, den es in zweifacher Ausführung gibt – in St. Georgen und in St. Pölten-Wagram. Mittlerweile hat es sich allerdings herumgesprochen, dass es hier Lebensmittel zu kaufen gibt, und zwar allesamt aus der Region. „Die meisten Produkte kommen aus einem Umkreis von maximal 30 Kilometern“, sagt Weichhart.

Das Dirndl Selbstbedienungsladen
Für Kaffee wird eine Ausnahme gemacht, ansonsten nehmen Hannes Weichhart und Team es mit der Regionalität sehr genau.
Das Dirndl

Knapp zwölf Kilometer entfernt, in Perschenegg, wachsen die ideengebenden Dirndlsträucher von Franz und Petra Rank – Hannes Weichharts Schwiegereltern. Die Quereinsteiger in die Landwirtschaft betreiben seit 2016 einen Biobauernhof unter anderem mit Schafen, Bienen und Pferden. Aus den roten Wildfrüchten – die auch am Logo des Regionalladen-Konzepts zu sehen sind – stellen sie seit einiger Zeit Sirup, Saft, Schnaps und einiges mehr her. Die Produkte verkauft die Familie Rank auf Märkten, etwa am Domplatz St. Pölten.

Die Idee eines Regionalladens gärte aber schon länger in den Köpfen der Familie. Noch vor dem Ausbruch der Coronapandemie und somit vor dem Beginn des Regional-Booms wurde die Vorstellung Realität und tatkräftig an der Umsetzung gefeilt. Vor allem die Standortsuche nahm einiges an Zeit in Anspruch. Wichtig war genügend Platz, denn nicht nur den eigenen Produkten sollte eine Verkaufsfläche geboten werden, sondern auch anderen Lieferanten aus der Umgebung. „Für kleine Produzenten, die vielleicht zwei, drei Produkte haben, ist es oft schwer, sichtbar zu sein“, erklärt Hannes Weichhart. Dem wollte man Abhilfe schaffen.

800 Produkte von 80 Lieferanten

Im November 2020 öffnete der erste Standort in St. Georgen am Steinfelde seine Türen, einen Monat später folgte die Eröffnung des zweiten Ladens in St. Pölten-Wagram. Seitdem hat das sechsköpfige Team hinter „Das Dirndl“, also die erweiterte Familie Rank, einiges zu tun.

Platz genug gibt es auf jeden Fall, das wird beim Betreten des Wagramer Ladens deutlich. Freundlich, hell und geräumig wirkt er und durch die Holzregale entsteht eine Art Markt-Feeling. Mehr als 800 verschiedene Produkte von aktuell 80 Lieferanten finden sich in den Regalen, überfüllt wirkt es aufgrund der offenen Warenpräsentation trotzdem nicht.

Das Dirndl Selbstbedienungsladen
Von Montag bis Sonntag sind die beiden Dirndl-Standorte geöffnet.
Das Dirndl

Auch ein „Zweite Kassa, bitte!“ hört man hier bestimmt nicht, handelt es schließlich bei den zwei „Dirndln“ um Selbstbedienungsläden. „Jedes Produkt hat einen eigenen Strichcode“, erklärt Weichhart. „Die Kunden können dann die Lebensmittel an der Kassa selbst einscannen und bar, mit der Karte oder dem Handy bezahlen.“

Falls es Fragen gibt, findet sich neben der Kassa auch eine ausgedruckte Bedienungsanleitung und für Notfälle eine Telefonnummer. „Wir helfen natürlich gerne, falls es Probleme gibt.“ Aber nicht immer sei das auch notwendig. „Ich kann mich noch gut an einen älteren Herrn erinnern, dem wollte ich schon beim Bezahlen helfen, da hat der ganz flink sein Smartphone aus der Tasche geholt und mit einem Wisch auf dem Handy gezahlt“, lacht Weichhart.

Ein Sortiment fast wie im Supermarkt

Bezahlt ist also schnell, nur was gibt es hier überhaupt zu kaufen? Bauernbrot und Gebäck stechen sofort ins Auge, viermal die Woche wird das frisch geliefert. Regelmäßig finden sich auch unterschiedliche Mehlspeisen im Angebot. Daneben gibt es eine große Auswahl an Säften, Marmeladen, Aufstrichen, Honig, allerhand Nudelsorten, Obst und Gemüse. Weiter hinten befinden sich die Tiefkühl- und Kühlvitrinen. Fleisch, Wurst, Käse, Eier, Tofu – alles da, was auch ein Supermarkt hat, nur eben von Anbietern aus der Region.

„Ich habe schon alles durchgekostet“, schmunzelt der Jungunternehmer. Der eindeutige Verkaufsschlager während des Sommers war Eis aus Kilb, das es in großen und kleinen Portionen zu kaufen gibt. „Das war anscheinend zu gut, so schnell konnte ich gar nicht schauen, war es schon wieder ausverkauft.“ Aber das gehöre nun einmal dazu. „Die Menschen müssen wieder lernen, dass nicht alles ständig verfügbar ist und dass viele Lebensmittel saisonal sind.“ So wie es eben früher war.

„Die Menschen müssen wieder lernen, dass nicht alles ständig verfügbar ist und dass viele Lebensmittel saisonal sind.“ Hannes Weichhart,
Teammitglied „Das Dirndl“

Im Kühlregal rechts neben dem Eis, das es so lange gibt, bis der Vorrat reicht, finden sich fertige Suppen, Fermentiertes und allerhand Aufstriche, darunter auch der „beste Liptauer überhaupt“, so Weichhart. „Absolut!“, wirft eine Kundin ein, die sich gerade im Laden befindet: „Und das, obwohl die Verpackung so unscheinbar ist.“ Auf die inneren Werte kommt es schließlich an. „Wir sind alle mit viel Herzblut dabei und sehr dankbar über das überwältigende positive Feedback der Kunden“, ist Weichhart stolz.

Auch gemeinsam mit der Familie zusammenzuarbeiten sei ein schöner Aspekt der Regionalläden. „Obwohl wir natürlich darauf achten müssen, dass wir am Mittagstisch nicht ausschließlich über die Läden sprechen.“
Einen weiteren Standort wolle man in der nächsten Zeit nicht eröffnen. „Wir sind glücklich, so wie es jetzt ist, und haben alle Hände voll zu tun.“ Denn alle Familienmitglieder haben ja auch ihre Hauptjobs, sei es eben am Biobauernhof oder im Büro.

Auch Alkohol gibt es zu kaufen – aber nicht in Selbstbedienung aufgrund des Jugendschutzes. Stattdessen kann man Dirndl-Schnaps und Co. mehrmals die Woche per Vorbestellung erwerben. „Betreutes Einkaufen von regionalen Getränken“ nennt sich das.

Regionalität trifft auf Transparenz

Reine Bioläden sind es aber nicht, betont Weichhart, auch wenn die zahlreichen Bio-Produkte es vermuten lassen. „Im Vordergrund steht immer die Regionalität. Daher haben wir auch konventionelle Produkte, etwa Freilandeier aus der direkten Umgebung.“ Transparenz ist für das Dirndl-Team selbstverständlich. Sehr streng ist man daher auch bei der Auswahl der Lieferanten.

Eine kleine Ausnahme gibt es aber: „Wir haben nun auch Kaffee im Angebot, obwohl dieser logischerweise nicht in Österreich wächst. Die Rösterei ist aber aus St. Pölten.“ Für das vollständige Sonntagsfrühstück ist also gesorgt, wenn alle anderen Läden zu haben.

www.dasdirndl.at