Erstellt am 07. Oktober 2012, 19:30

Semmering setzt Railjet zu. Interner Bericht / Railjet-Hersteller Siemens warnt vor längerfristig „unzulässigen sicherheitsrelevanten Betriebszuständen“ auf engen Bergkurven. ÖBB sehen hingegen keine Gefahr.

 |  NOEN, Zvg
Von Heinz Bidner

Vor etwa einem Jahr starteten die ÖBB mit der Attraktivierung der Südbahnstrecke. Seither verbindet der viel beworbene Railjet Wien mit Graz und Villach.

Reibungslos verläuft der Einsatz allerdings nicht. Ende August flatterte ein Schreiben der Herstellerfirma Siemens den ÖBB ins Haus, das nun auch der NÖN vorliegt. Unter dem Titel „Kundeninformation“ werden die Bundesbahnen auf Probleme in den teils sehr engen Kurven am Semmering nachdrücklich hingewiesen. Fahrsicherheits-Messungen zufolge könnten hinsichtlich der Wagenkastenquerbeschleunigung „auf die Dauer unzulässige sicherheitsrelevante Betriebszustände bei Grenzwertüberschreitungen von bis zu 40 % nicht ausgeschlossen werden“, so Siemens.

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um jene Fliehkraft in besonders engen Kurven, die von der Wagengarnitur nicht mehr ausgeglichen werden kann und auch der Reisende in Form von unangenehmen Stößen spürt. Diese betrifft demnach nur die steile, kurvenreiche Semmering-Nordrampe Richtung Süden und nur den Schubbetrieb. Also dann, wenn die Lok den Rest vor sich herschiebt und damit der Widerstand auf den Schienenbögen besonders groß ist.

Siemens empfiehlt in dem Schreiben, auf der Nordrampe die Lok vor die Waggons zu spannen und den Schubbetrieb abzuhaken. Auch zu einer Temporeduktion in den betroffenen Bogenbereichen wird geraten.

„Den ÖBB ist diese Thematik natürlich bekannt“, erklärt Unternehmenssprecher Christopher Seif auf NÖN-Anfrage. Man könne hier aber keineswegs von Problemen mit den Railjets am Semmering sprechen.

„Es geht hierbei nicht um mögliche Gefahren hinsichtlich der Sicherheit, sondern es handelt sich um ein reines Komfortthema“, meint Seif. Und: „Es besteht absolut keine Gefahr, dass ein Zug entgleisen könnte. Es geht darum, dass im letzten Waggon vor der Lok ein gewisses Rucken zu spüren ist und diesbezüglich auch schon Tests stattfinden, wie man dieses verbessern oder beheben kann.“

Ob man die Siemens-Empfehlungen umsetzen werde, sei offen. „Wie hierfür die Lösung aussehen wird, werden die Auswertungen zeigen“, so Seif. Auswirkungen auf die Fahrpläne schließt er jedenfalls aus.