„Sind letzte Einhörner in Österreich". Maximilian Riedel, Chef des Glas-Imperiums Riedel, über 95-Euro-Gläser und seine Wurzeln in NÖ.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 12. Mai 2014 (13:00)
NOEN, Franz Gleiss
Maximilian Riedel

Riedel-Glas-Chef Maximilian Riedel (36) war vergangene Woche in der Wachau unterwegs, um seine Kontakte zu den Winzern zu pflegen. Mit der NÖN sprach er über seine Weinviertler Wurzeln, 95-Euro-Weingläser mit viermonatiger Wartezeit, unsichtbare Glas-Markierungen und den Graumarkt.

NÖN: Ihr Vater hat im Juli 2013 zwar offiziell die Riedel-Geschäftsführung an Sie abgegeben. Laut Firmenbuch sitzt er dort neben Ihnen aber nach wie vor.

Maximilian Riedel: Er sieht sich jetzt eher als Berater. Er reist und ist Markenbotschafter.

Und Sie haben die operative Leitung übernommen?

Riedel: Das ist richtig. Ich bin auch glücklich, dass mir mein Vater zur Seite steht.

Gibt es da nie Reibereien?

Riedel: Doch. Aber die werden wie zwischen Freunden gelöst.

Sie haben auch Wurzeln in NÖ. Ihre Mutter, eine geborene König, kommt aus Retz.

Riedel: Aufgrund dieser Herkunft Retz, wo auch sehr guter Wein angebaut wird, kommt auch von meiner mütterlichen Seite die Freude am Wein. Ich trage dieses Niederösterreichische also ein bisschen in mir. Meine Mutter führt unseren Shop in Kufstein. Sie kommt aus einer Industriellenfamilie und hat im Hintergrund sehr viel zum Wachstum des Unternehmens beigetragen.

Wie viele Gläser führen Sie?

Riedel: In Summe gibt es 287 Riedel-Gläser in verschiedenen Kollektionen.

Ein Laie würde wohl eine Verkaufstaktik darin sehen, für jede Rebsorte ein eigenes Weinglas verkaufen zu wollen.

Riedel: Dann ist das derjenige, der auch gerne Gläser bei Ikea kauft. Da geht es dann nur um den Preis und vielleicht um die Optik. Bei Riedel ist es ein Werkzeug. Traubenspezifisch.

Sie verkaufen auch mundgeblasene Weingläser um 95 Euro.

Riedel: Ja, die werden in Tirol produziert.

Wer gibt so viel Geld für ein Bleikristallglas aus, das im Geschirrspüler trüb werden kann?

Riedel: Ich weiß nicht, woher dieser Mythos kommt. Das stimmt nicht, wenn Sie einen modernen Geschirrspüler verwenden. Es gibt interessanterweise immer mehr Kunden für diese Gläser. Es gibt so eine starke Nachfrage, dass wir 16 Wochen Lieferzeit haben.

Wie viele dieser Gläser verkaufen Sie im Jahr?

Riedel: Sie machen ein Prozent der Produktion und zehn Prozent vom Umsatz aus. Wir produzieren 60 Millionen Gläser. Dazu möchte ich sagen, dass wir – gemeinsam mit den Swarovskis – die letzten Einhörner in Österreich sind, die noch Glas produzieren. Aber über unsere Industrie spricht man nicht, weil wir nur zwei große Marken sind. Deshalb gibt es auch den Beruf Glasmacher nicht mehr.

Die Stammgesellschaft Tiroler Glashütte GmbH hat 2012 einen Gewinn von 4,9 Millionen Euro geschrieben. Wie lief 2013?

Riedel: Das muss ich nicht sagen. Es ist aber immer ähnlich.

2011 gab es aber ein Minus von 4,2 Millionen Euro.

Riedel: Es ist so, dass wir relativ viel investieren – besonders in der letzten Zeit.

Zum Beispiel?

Riedel: Je größer die Marke wird, umso intensiver wird ein Graumarkt betrieben. Darum haben wir jetzt unheimlich viel Geld investiert, um jedes Glas so zu markieren, dass ich es bis zum Händler zurückverfolgen kann.

Wie markieren Sie die Gläser?

Riedel: Das sag’ ich Ihnen nicht, das ist ein internes Geheimnis. Den Händler-Bereich kann ich nur so schützen, indem ich einen unverbindlichen Verkaufspreis offeriere und versuche, den Graumarkt zu eliminieren. Das habe ich mir in der Weinindustrie abgeschaut.

Wie definieren Sie Graumarkt?

Riedel: Graumarkt ist ein Markt, den ich nicht direkt beliefere, der sich über Dritte mein Produkt beschafft und das Produkt günstiger an den Markt verkauft. Der Großteil meiner internationalen Kunden hat Verträge mit mir abgeschlossen – mit gewissen Richtlinien, wie man die Marke positioniert. Im Graumarkt gibt es diese Verträge nicht.

Heißt das gar, dass Sie Mindestverkaufspreise vorgeben?

Riedel: Nein, das ist gesetzlich verboten. Es geht hauptsächlich nicht um den Preis, sondern um die strategische Positionierung der Marke. Eine untere Preisgrenze ist so immer eingezogen, da jeder offizielle Partner von mir Positionierungskosten hat. Und die muss er in den Einzelpreis inkludieren.


Riedel-Gruppe

Der addierte Umsatz der Unternehmen der Gruppe (Riedel, Nachtmann, Spiegelau) lag im Vorjahr bei 280 Millionen Euro. 54 Millionen davon entfielen auf die Stammgesellschaft Tiroler Glashütte GmbH in Kufstein. Weltweit werden 1.240 Mitarbeiter beschäftigt, 300 im Inland.