Kika/Leiner-Chef: "Fünf Stunden sind genug". Kika/Leiner-Chef Reinhold Gütebier macht sich für Einkaufssonntage nach dem Lockdown stark. Nur so könne gewährleistet werden, dass nicht noch mehr Umsatz ins Ausland abfließe.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 23. November 2020 (10:32)
Kika/Leiner-Chef Reinhold Gütebier
Chris Hofer

Die Forderung nach Advent-Einkaufssonntagen nach dem Lockdown von Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer sorgt weiter für Diskussionen. Nach heftiger Ablehnung durch die "Allianz für den freien Sonntag", zu der auch Kirchen und Gewerkschaft zählen, meldet sich jetzt ein weiterer Befürworter zu Wort.

Reinhold Gütebier, Vorstandschef des Kika/Leiner-Konzerns mit Sitz in St. Pölten, sieht im NÖN-Gespräch keine Alternative zur Öffnung der Geschäfte an den - nach dem Lockdown verbleibenden - beiden Adventsonntagen: „Wir müssen alles dafür tun, die Umsätze im Land zu halten und die Kundenströme zu verteilen. Die Kunden kaufen gerade Produkte wie Möbel gerne dann ein, wenn die ganze Familie Zeit hat. Das ist keine Vermutung, sondern die Erfahrung aus meinen Jahrzehnten als Manager.“

Es sei kein Zufall, dass die umsatzstärksten Tage der Samstag sowie der Freitagnachmittag seien. Und eben der Sonntag, wie sich in Deutschland in jenen Bundesländern zeige, wo der Handel am Sonntag fallweise öffnen dürfe. Etwa 60 Prozent des Sonntagsumsatzes seien hier tatsächlich zusätzlicher Umsatz. Die Erfahrungen in Deutschland hätten auch gezeigt, dass es ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebe, die am Sonntag arbeiten wollen – nicht zuletzt aufgrund der hohen Zuschläge.

„Ich gehe davon aus, dass wir bei Kika/Leiner genug Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden, die freiwillig am Sonntag arbeiten wollen“, ist Gütebier sicher. Dass hier wertvolle Zeit mit der Familie verloren gehe, sieht er in einem Jahr wie diesem etwas differenzierter: „Wir haben den zweiten Lockdown. Das heißt, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter derzeit wieder in Kurzarbeit oder im Homeoffice sind. Sie haben also jetzt viel Zeit für ihre Familien.“ 

Offener Sonntag soll Ausnahme bleiben

Ein wesentliches Argument für den Einkaufssonntag sei auch, dass er zumindest teilweise zu einer Verteilung der Kundenströme beitrage – und damit den Andrang vor allem an den Samstagen reduziere. Doch was heißt Sonntagsöffnung für Gütebier konkret? Fünf Stunden seien jedenfalls ausreichend, meint er. Also von 12 bis 17 Uhr oder 13 bis 18 Uhr. „Damit stünde auch dem Gottesdienstbesuch nichts im Wege“, betont Gütebier.

Eine generelle Sonntagsöffnung sieht aber auch er kritisch: „Jeden Sonntag zu öffnen ist sicher keine Option – und bringt auch nichts. Es geht jetzt vor allem um die aktuelle Situation nach zwei Lockdowns.“ Auf Sicht könnte er sich vorstellen, dass das deutsche Modell auch in Österreich praktikabel sein könnte: Ein Einkaufssonntag je Quartal gebe der Markt her. Nicht mehr.