Spaziergänger. Die verlässlichsten Kunden sind Privatpersonen. Zu diesem Ergebnis kommt einmal mehr eine Umfrage des Kreditschutzverbandes KSV1870 unter Betrieben im Juni. Demnach dauert es in NÖ im Schnitt 17 Tage, bis ein privater Haushalt seine Rechnungen begleicht.

Erstellt am 01. September 2013 (17:07)
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Von Heinz Bidner

Die verlässlichsten Kunden sind Privatpersonen. Zu diesem Ergebnis kommt einmal mehr eine Umfrage des Kreditschutzverbandes KSV1870 unter Betrieben im Juni. Demnach dauert es in NÖ im Schnitt 17 Tage, bis ein privater Haushalt seine Rechnungen begleicht.

Laxer sind Unternehmer, die sich 32 Tage Zeit lassen, obwohl als Zahlungsziel meist 26 Tage vereinbart werden. Noch säumiger ist die öffentliche Hand. Hier dauert es stolze 43 Tage. Das bedeutet einen Zahlungsverzug von 8 Tagen, da meist 35 Tage als Zahlungsziel gelten.

Im Westen werden offene Rechnungen rascher bezahlt

NÖ befindet sich damit in Ostösterreich in schlechter Gesellschaft, zumal die Zahlungsmoral durchwegs ähnlich ist. Je weiter man hingegen in den Westen blickt, umso rascher werden Geldangelegenheiten erledigt. In Vorarlberg etwa werden Rechnungen der öffentlichen Hand im Schnitt binnen 32 Tagen beglichen.

„Im Westen dürfte die alemannische Genauigkeit zählen“, sieht Johannes Eibl, Chef der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH, einen Mentalitätsunterschied: „Wir vermuten aber auch, dass Prozesse in größeren Bundesländern und in größeren Unternehmen länger dauern. Das finden wir vor allem im Osten Österreichs.“

Ob es Unterschiede in der Zahlungsmoral von Bund, Ländern oder Gemeinden gibt, wurde vom KSV nicht erhoben. Klar sei aber, so KSV1870-Holding-Vorstand Johannes Nejedlik, dass derartig lange Zahlungszeiträume die Insolvenzgefahr erhöhen: „Liquiditätsengpass ist sehr oft Insolvenzursache.“

Als Hauptgründe für Zahlungsverzug nennen Firmenkunden vornehmlich einen momentanen Liquiditätsengpass (65 Prozent) oder Vorsatz (45 Prozent). In den letzten Jahren hat sich die Zahlungsmoral verschlechtert (Grafik). Zurückhaltender wird von den Unternehmern zudem die Geschäftslage eingeschätzt. Wurde sie vor einem Jahr noch von 60 Prozent der Befragten als sehr gut und gut bewertet, sind es aktuell nur mehr 53 Prozent.

Strengere Regeln für die öffentliche Hand

Gerade in NÖ stehen die öffentlichen Auftraggeber nun vor einer großen Herausforderung. Nach einer Novelle des Bundesvergabegesetzes mit 12. Juli dürfen sie nur mehr Zahlungsfristen von maximal 30 Tagen festlegen. Für Unternehmen gilt das schon seit 16. März.

Damit wurde die EU-Zahlungsverzugsrichtlinie in Österreich umgesetzt. Eine Ausnahme gibt es jedoch für Unternehmen. Sie können Abweichungen vertraglich festlegen. Dann darf die Zahlungsfrist bis zu 60 Tage ausmachen. Verbrauchergeschäfte sind dieser Neuregelung nicht unterworfen.

Halten sich die öffentliche Hand oder Unternehmen nicht daran, können die Gläubiger Pönalen einheben. Bei Zahlungsverzug darf ein Pauschalbetrag von 40 Euro als Mahnspesen gefordert werden. Zudem wurden im Rahmen des neuen Zahlungsverzugsgesetzes die gesetzlichen Verzugszinsen von 8 auf 9,2 Prozentpunkte (pro Jahr) angehoben. Dazu kommt noch der Basiszinssatz, der wegen der am Boden liegenden Zinsenlandschaft aktuell jedoch nur bei minus 0,12 Prozentpunkten liegt.