Mit dem E-Bike aus der Krise radeln. Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent für die Sommersaison befürchtet der Sportartikelhandel. Ein Lichtblick ist die Nachfrage bei Fahrrädern.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 29. April 2020 (05:59)
Bis zu 30 Prozent der in NÖ verkauften Fahrräder sind E-Bikes. Der Trend dürfte sich in der Coronakrise noch verstärken. Immer öfter wird es bereits für tägliche Fahrten zur Arbeit oder zum Bahnhof genutzt.
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Wie viele Branchen ist auch der Sportartikelhandel von der Coronakrise stark betroffen. „Wir werden sicher noch über ein Jahr lang die Auswirkungen spüren“, sagt Michael Nendwich. Der Niederösterreicher ist Obmann im Bundesgremium für Sportartikelhandel der Wirtschaftskammer Österreich.

Obwohl ab Freitag (1. Mai) erste Lockerungen in Kraft treten und Sportarten wie Tennis oder Golf wieder möglich sein werden, bleibt die Situation schwierig. Für die Sommersaison rechnet man mit Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent. Auch für die folgende Wintersaison 20/21 befürchtet Nendwich noch einen Rückgang von bis zu 30 Prozent. Zwar konnten einige Händler in den letzten Wochen im Online-Geschäft stark zulegen, allerdings von einem sehr niedrigem Niveau ausgehend. Das war viel zu zuwenig, um große Verluste abfedern zu können.

Michael Nendwich, WK-Obmann für Sportartikelhandel in Österreich.
privat

Besonders hart getroffen hat den Sportfachhandel, dass das „Weihnachten des Fahrrades“ – sprich das Ostergeschäft – gefehlt hat, wie Nendwich betont.

Genau in diesem Segment sieht er aber jetzt auch den ersten Lichtblick: „Seit der teilweisen Öffnung der Geschäfte konnten die Händler mit dem Schwerpunkt bei Fahrrädern vor allem im urbanen Bereich sehr gut aufholen“, sagt Nendwich, für den die „400 Quadratmeter-Beschränkung“ für die vorzeitige Öffnung der Geschäfte nicht nachvollziehbar war. Im allgemeinen Sportfachhandel sind aber auch jetzt nach der Öffnung Kundenfrequenz und Umsätze nicht zufriedenstellend.

Mehr Radfahrer, heißt weniger in den Öffis

Was bleibt, ist eben die große Hoffnung auf das zuletzt boomende Fahrradgeschäft. Schon 2018 gingen von den österreichweit 450.000 verkauften Rädern 80.000 in Niederösterreich an den Mann oder die Frau (aktuellere Zahlen für 2019 werden erst präsentiert). 30 Prozent davon waren E-Bikes. Das ist bundesweit ein Spitzenwert. Und dieser Trend setzt sich in Niederösterreich weiterhin verstärkt fort.

Zudem würden E-Bikes immer mehr im Kontext mit Mobilität gekauft. Sie dienen als umweltschonende Alternative für die Fahrt zum Bahnhof oder gleich in die Arbeit. Und vor allem in Zeiten von Corona sind Fahrräder und E-Bikes ein ideales Verkehrsmittel mit vielen Vorteilen (siehe Infos unten). Speziell im Nahverkehr ist das Rad ein ideales Fortbewegungsmittel, um ohne Ansteckungsrisiko von A nach B zu kommen.

Der Sportfachhandel bekommt aktuell auch viele Anfragen von Firmen, die ihre Mitarbeiter mit Fahrrädern ausstatten wollen, weil die Regierung seit Jahresbeginn die Rahmenbedingungen für Jobräder geschaffen hat. So sind das Dienst-Fahrrad und das Dienst-Elektrofahrrad nun klar vorsteuerabzugsfähig. Und auch die Privatnutzung ist vom Sachbezug befreit.