35 Prozent weniger Insolvenzen in Niederösterreich. Trotz Pandemie und daraus resultierender Wirtschaftskrise war die Zahl an Insolvenzen im Corona-Jahr österreichweit rückläufig. Grund dafür sind die gesetzten Maßnahmen der Bundesregierung. Für 2021 wird jedoch ein Anstieg erwartet.

Von Michael Chudik. Erstellt am 19. Februar 2021 (12:58)
2020 gab es durchschnittlich mehr als ein Drittel weniger Insolvenzen. Der Kreditschutzverband geht von einer Insolvenzverschleppung aus.
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Der Kreditschutzverband spricht von einem "paradoxen Bild". Die Corona-Pandemie hat zu einer der größten Wirtschaftskrisen geführt, die das Land je erlebt hat. Dennoch gab es im Jahr 2020 um knapp 40 Prozent weniger Insolvenzen, als im Jahr davor. Österreichweit waren laut vorläufigen Zahlen von Statistik Austria 3.155 Unternehmen im Gesamtjahr 2020 insolvent.

Der Grund für den Rückgang ist auf die Maßnahmen der Bundesregierung zurückzuführen. Durch die zahlreichen Corona-Hilfen wie das Kurzarbeitsmodell, den Härtefallfonds, den Fixkostenzuschuss oder auch den Umsatz- und Verlustersatz konnten unzählige Unternehmen vor einer Insolvenz bewahrt werden.

"Dass hier Unternehmen, die nicht einmal in einem normal verlaufenden Insolvenzjahr überlebt hätten, künstlich am Leben gehalten werden, ist nur offensichtlich", erklärt der Kreditschutzverband in einer Aussendung. Der Ausblick für das laufende Jahr 2021 ist allerdings düster. Der Kreditschutzverband rechnet mit einer "dramatischen Insolvenzverschleppung" und einem "konstanten Insolvenzanstieg von rund 20 bis 25 Prozent" im Vergleich zu den Werten aus dem Jahr 2019.

552 Insolvenzen in NÖ

Die meisten Insolvenzen österreichweit im Jahr 2020 verzeichnen laut Statistik Austria die Bereiche Finanzdienstleistungen/ Sonstige Dienstleistungen (667), Bau (665), Handel (563), sowie Beherbergung und Gastronomie (484). Auch 2019 zählten diese vier Bereiche zu den insolvenzstärksten Bereichen. In Niederösterreich gab im Corona-Jahr exakt 552 Insolvenzen - davon 189 noch nicht eröffnete Insolvenzen. Das ist ein Rückgang um 35,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (860). In anderen Bundesländern ist der Rückgang noch deutlicher. In Salzburg und Tirol beträgt dieser fast 50 Prozent.