Regionalisierung: „Hausverstand nicht nur in Wien“. Ein Wirtschaftsinstitut drängt auf eine stärkere Kooperation der Gemeinden, um der Landflucht wie etwa auch im Waldviertel in Niederösterreich zu begegnen.

Erstellt am 27. März 2018 (11:16)
Shutterstock.com, Dreamframer
Neuer Vorstoß für eine Verlagerung von Bundesstellen weg aus der Bundeshauptstadt Wien in die Bundesländer.

Neuer Vorstoß für eine Verlagerung von Bundesstellen weg aus der Bundeshauptstadt Wien in die Bundesländer: Gerade eine verstärkte Regionalisierung sei das beste Rezept, um junge Menschen in den Gemeinden zu halten und einen Arbeitsplatz vor Ort zu ermöglichen.

Darauf macht Gottfried Kneifel, Geschäftsführer der Initiative Wirtschaftsstandort OÖ (IWS), angesichts rückläufiger Einwohnerzahlen in vielen Gemeinden Österreichs aufmerksam. Das Waldviertel war nach den jüngsten Daten der Statistik Austria bundesweit jene Region mit der am stärksten sinkenden Bevölkerung.

Kneifel: "Wissen und Hausverstand ist in Wien und in den Bundesländern gleich vorhanden"

Kneifel, ÖVP-Politiker aus Enns unmittelbar an der niederösterreichischen Grenze und ehemaliger Präsident des Bundesrates, unterstützt damit grundsätzlich auch die Linie der niederösterreichischen ÖVP mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die in der neuen Gesetzgebungsperiode auf Regionalisierung setzt. Die geplante und von Niederösterreich vehement betriebene Verlagerung des Umweltbundesamtes von Wien nach Klosterneuburg ist für den IWS-Geschäftsführer zwar „kein Paradebeispiel“ für Regionalisierung.

Aber, so betont Kneifel: „Akademisches Wissen und Hausverstand sind sowohl in Wien als auch in den Bundesländern in gleichem Maße vorhanden.“ Er tritt etwa für die Absiedlung der Bundesanstalt für Bergbauernfragen aus Wien ein.

830 Gemeinden verlieren Einwohner

Immerhin sei 830 Gemeinden der mehr als 2200 Gemeinden in Österreich, das seien rund 38 Prozent, von Landflucht und Abwanderung betroffen, warnt der IWS-Geschäftsführer. Eine Gegenmaßnahme zu dieser Entwicklung ist für ihn die verstärkte Kooperation von Kommunen. Denn dies würde die Gestaltungsmöglichkeiten der einzelnen Gemeinden erhöhen. Für Kneifel ist das auch eine Antwort auf die Absiedlung von Post- und Polizeistationen, Gerichten und Kasernen in den vergangenen Jahren.

Gerade in Wien sei der Bevölkerungszuwachs mit 40.000 von bundesweit rund 60.000 zusätzlichen Einwohnern besonders groß. Eine Antwort darauf und auf die gleichzeitige Landflucht sei die Übersiedlung von Bundesstellen in die Bundesländer. Bundeseinrichtungen seien in Österreich laut einer Studie wie in keinem vergleichbaren Staat in der Bundeshauptstadt konzentriert, hebt Kneifel hervor. Denn es hätten 64 von 68 Bundesstellen ihren Sitz in Wien.