Zwei Milliarden Euro Wertschöpfung durch Ordensspitäler. Neue Einblicke in das österreichische Spitalswesen vermittelten die Ordensspitäler Österreich erstmals mit der Studie „Ökonomischer Impact der Ordensspitäler 2018“. Während der gesundheitspolitische Stellenwert der österreichweit 23 Ordensspitäler auf der Hand liegt, blieb deren wirtschaftspolitische Bedeutung bis dato weitgehend unbeachtet.

Von David Brandl. Erstellt am 21. Oktober 2019 (10:44)
Magdalena Schauer, Ordensgemeinschaften Österreich
Martin Gsellmann, Sprecher der Ordensgemeinschaften Österreich, Michael Heinisch, Leiter der Vinzenz Gruppe und Sprecher der Ordensspitäler Österreich und Christian Helmenstein, Economica Institut bei der Präsentation.

Ordensspitäler so stark wie Bergbau 

Christian Helmenstein vom Economica Institut und Chefökonom der Industriellenvereinigung legte dar, dass die Ordensspitäler eine gesamte Wertschöpfung von über 2,04 Milliarden Euro erzielen. Dieser Betrag enthält einerseits die direkte Wertschöpfungseffekte (962 Millionen Euro), die unmittelbar von den Krankenanstalten selbst ausgeht. Der Betrag entspricht ungefähr der direkten Wertschöpfung des gesamten Bergbausektors, sagt Helmenstein. Andererseits sind in der Wertschöpfung ebenso indirekte Effekte von 283 Millionen Euro enthalten, die sich aus den Vorleistungen von Unternehmen für die Spitäler ergeben, zum Beispiel durch Elektrounternehmen. Darüber hinaus verweist Helmenstein auf sekundäre Effekte (796 Millionen Euro), die sich aus der Kaufkraft des Krankenhauspersonals und den Beschäftigten der Zulieferbetriebe ergeben.

Beschäftigungseffekt doppelt groß wie Krems

Aus der von der Unternehmensberatung CBSC durchgeführten Studie geht hervor, dass die 23 Ordensspitäler enorme wirtschaftliche Bedeutung für ihre Umgebung haben. Dr Wirtschaftswissenschaftler führt hierzu aus, dass die Krankenhäuser wichtige Impulse für den Erhalt der Aktivität im ländlichen Raum setzen können. Denn während meist nur Ärzte aus ferneren Regionen stammen, kommt vor allem das medizinische und administrative Personal überwiegend aus dem jeweiligen Bezirk.

Allein die Ordensspitäler schaffen direkt rund 24.000 Arbeitsplätze. Berücksichtigt man zudem die 10.300 Jobs in den Zulieferbetrieben und den etwa 14.600 Beschäftigten durch sogenannte Kaufkrafteffekte, sichern die Ordensspitäler an die 48.800 Arbeitsplätze. Somit stehen fast doppelt so viele Jobs in Zusammenhang mit den Ordensspitälern wie Krems Einwohner zählt (rund 24.000).

Investitionen schaffen Arbeitsplätze und Gesundheit

Neben der Gesundheitsversorgung nehmen Krankenanstalten auch eine „konjunkturstabilisierende Funktion“ ein, erklärt Helmenstein. Denn die Nachfrage nach medizinischer Versorgung verläuft weitgehend konjunkturunabhängig. Welch enormes Potential in den Ordensspitälern steckt, zeigt sich anhand der berechneten Folgeeffekte einer Investition von einer Million Euro. Dadurch wird laut Studie eine Wertschöpfung von rund 930.000 Euro erzielt und elf Arbeitsplätze geschaffen. 

Gesundheitsversorgung und gesellschaftliche Verantwortung

Angesichts der Wertschöpfung, die von den Ordensspitälern ausgeht, betont deren Sprecher  Michael Heinisch, dass dies nicht deren Kernauftrag sei. Vielmehr werde fast jeder fünfte Patient in einem der 23 Krankenhäuser versorgt. Zudem weist Heinisch auf den Ausbildungsauftrag der Ordensspitäler für Medizin- und Pflegeberufe hin. Angesichts des Auslaufens der diplomierten Pflegeausbildung sieht der Leiter der „Vinzenz Gruppe“ momentan einen Mangel an Ausbildungsplätze für Pflegefachassistenz sowie für die akademische Pflege.

Nicht nur Krankenhäuser

Der Aufgabenbereich der Ordensspitäler beschränkt sich nicht nur auf Krankenhäuser. Neben der Betreuung und Verpflegung von Obdachlosen, wie beispielsweise durch das Elisabethbrot Wien, bietet die Armenambulanz der Barmherzigen Brüder Wien auch Nicht-Versicherten medizinische Betreuung. Ebenso begleiten und betreuen die Ordensspitäler minderjährige Schwangere im Projekt „Young Mum“ vor, während und nach der Geburt, führt Heinisch aus. Somit leisten die gemeinnützigen Ordensspitäler auch einen großen Beitrag in gesellschaftspolitischer Hinsicht.