Immer mehr von Armut betroffen: Dauerhafte Entlastung gefordert

Erstellt am 20. Juli 2022 | 04:57
Lesezeit: 2 Min
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Mit vereinten Kräften wird ein Booster für soziale Sicherheit geschaffen (v.l.): Rotes Kreuz-Landesdirektor Hannes Buxbaum, Armutsnetzwerk-Obfrau und Projekt-Koordinatorin Barbara Bühler, Gabriela Zimba, eine nach mehreren Schicksalsschlägen Betroffene, und Caritas-Teamleiterin Ulrike Oforha.
Foto: RK NÖ/F. Schodritz
NÖ Armutsnetzwerk und Rotes Kreuz fordern Booster für soziale Sicherheit.
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Die Teuerungen in den Bereichen Lebensmittel, Wohnen und Energie lösen bei immer mehr Niederösterreichern Existenzängste aus. 14,7 Prozent der österreichischen Bevölkerung, vor allem Alleinerzieher und Kinder, sind armutsgefährdet. Das sind rund 1,4 Millionen Österreicher.

Die Armutsgefährdungsschwelle für einen Einpersonenhaushalt liegt bei einem Einkommen von 1.371 Euro monatlich. „In Niederösterreich leben rund 1,7 Millionen Menschen. 12 Prozent davon sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Besonders betroffen sind ältere Menschen, alleinerziehende Frauen sowie Familien mit mehr als drei Kindern“, sagt Hannes Buxbaum, Landesdirektor Gesundheits- und Soziale Dienste, Rotes Kreuz NÖ.

Forderung nach Reform der Sozialhilfe

Armutsnetzwerk, Caritas und Rotes Kreuz haben nun Forderungen formuliert, durch deren Erfüllung die Armut bekämpft werden soll. „Es gibt drei Bereiche, an welchen wir ansetzen. Die Reform der Sozialhilfe, die Gewährleistung von leistbarem Wohnen und die Gesundheit mit der medizinischen Versorgung von allen“, erklärt die Obfrau des Armutsnetzwerks Barbara Bühler. Im Konkreten bedeutet das punkto Schaffung von sozialer Sicherheit die Orientierung des Anteils für das Wohnen in der Sozialhilfe an den tatsächlichen Wohnkosten, punkto leistbares Wohnen keinen Abzug der Wohnbeihilfe vom Wohnkostenanteil der Sozialhilfe. Das Armutsnetzwerk fordert weiter eine Ausweitung des Bezieherinnenkreises und wünscht sich eine dauerhafte Entlastung der Betroffenen im Hinblick auf die stark gestiegenen Energiepreise.

Zudem soll eine Anlaufstelle für medizinische Behandlungen für Personen ohne Krankenversicherung in NÖ eingerichtet werden. Die Prognosen sind trotz allem Optimismus nicht rosig: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie wurden und werden langfristig sichtbar und sich voraussichtlich noch verschlimmern. Deswegen brauchen wir in dieser Krise mehr denn je starke Sicherheitssysteme“, sagt Bühler.

„Über 1.700 Personen haben sich 2021 in Niederösterreich an die Caritas Sozialberatungsstelle gewandt und Unterstützung gefunden. Die Hauptgründe sind Wohnen und Energie“, erklärt Caritas-Teamleiterin Sozialberatung NÖ Nord & Süd Ulrike Oforha.