Permanent im Pfoten-Einsatz. Seit Kurzem werden im „Krankenhaus“ für Katzen und Hunde rund um die Uhr tierische Notfälle behandelt.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 09. Juli 2019 (02:13)

Die Klinik ist top ausgestattet: Zwei Operationssäle, vier Untersuchungsräume. Arthroskopie und Laparoskopie sind auch möglich. Ein digitales Röntgen- und ein Zahnröntgengerät sowie ein Computertomograf und ein Labor für zytologische Untersuchungen und Blutuntersuchung gibt es ebenso. Und sogar eine eigene Blutspenderkartei. „Wir haben keine Blutkonserven lagernd“, erklärt Martin Riegler. Daher gibt es eine Liste von Spenderhunden und -katzen, die kurzfristig bereit stehen.

Richtig gelesen. Es geht nämlich nicht um eine Menschen-, sondern um eine Tierklinik. Obwohl die Geräte tatsächlich gebrauchte Geräte aus der Humanmedizin sind, wie Martin Riegler beim Rundgang durch die Klinik erklärt. Er ist Tierarzt und gemeinsam mit seinem Berufskollegen Thomas Wiebogen Geschäftsführer der Tierklinik am Rande von St. Pölten, in der Lilienthalgasse 7. Die hat seit wenigen Wochen geöffnet.

"Ich wollte schon immer selbstständig sein"

Damit ist eine große Versorgungslücke geschlossen, da sich die nächsten Tierkliniken in Wien, Sattledt und Hollabrunn befinden. In erster Linie sind Hunde und Katzen hier Patienten. Besetzt ist die Klinik immer mit mindestens einem Tierarzt – denn es gibt einen 24-Stunden-Notdienst zu stemmen. Außerdem müssen auch Tiere stationär überwacht werden.

Die Gründe, warum Tiere in ihre Klinik gebracht werden, sind vielfältig: Unfallpatienten kommen ebenso wie Herzpatienten (vor allem jetzt im Sommer) und Hunde mit Magendrehungen. Rund 30 Patienten kommen pro Tag im Schnitt in die Tierklinik St. Pölten, die Tierärzte ereilen in jeder Nacht zwei bis sieben Notfälle. Fünf bis zehn der Patienten werden auch stationär überwacht und versorgt. Das sind oft internistische Intensivpatienten, etwa mit einem Lungenödem.

Die Idee zur Klinik kam von den beiden Tierärzten selbst. Wiebogen und Riegler kennen einander seit ihrem Studium der Veterinärmedizin. „Ich wollte schon immer selbstständig sein“, sagt Wiebogen, der bereits Geschäftsführer einer Tierklinik war. Unterstützung bei der Umsetzung ihres Projekts erhielten sie von der NÖ-Gründeragentur riz up. Die beiden ergänzen einander perfekt: Wiebogen ist internistischer Leiter der Klinik, Riegler ist orthopädischer und chirurgischer Leiter.

Aktuell gibt es fünf Tierärzte in der Klinik. Bis Ende des Jahres soll das Team auf acht Tierärzte aufgestockt werden.

Ziel: Gesundes Wachstum

In Zukunft wollen die beiden Tierklinik-Leiter „gesund wachsen“ und die perfekte Versorgung für ihre vierbeinigen Patienten bieten. Außerdem arbeite man eng mit den Tierärzten aus der Umgebung zusammen, betont Riegler. „Wir sind ja eine Überweisungsklinik.“ Die beiden sehen sich als Ergänzung bei Fällen, für die in einer Tierarztpraxis die Mittel fehlen. „Wir sind vergleichbar mit einem kleinen Krankenhaus, das Hausärzte ergänzt.“

Wie um den Rundgang komplettieren zu wollen, eilt plötzlich eine Mitarbeiterin auf Martin Riegler zu. „Ein Notfall, ein Hund mit Verdacht auf anaphylaktischen Schock“, informiert sie ihn. Notfälle kennen eben keine Uhrzeit – und auch keine Interviews.