Gutschermühle: Eine Million Riegel pro Tag. Produktion wird mit neuer Fabrik erweitert – aber ohne Heinrich Prokop.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 01. Juli 2020 (02:08)
Müsliriegel-Produktion in der Gutschermühle
Archiv/Gleiss

„Der Mann mit den Müsliriegeln und den Start-Ups“: So ist Heinrich Prokop – spätestens seit seiner Zeit als Juror bei dem Puls4-Format „2 Minuten 2 Millionen“ – im ganzen Land bekannt. Ganz so stimmt das jetzt aber nicht mehr. Der 57-Jährige zog sich aus dem operativen Geschäft der Müsliriegel-Fabrik Gutschermühle in Traismauer (Bezirk St. Pölten) nun endgültig zurück, nachdem er das Familienunternehmen vor einem Jahrzehnt an die Schweizer HACO Holding AG verkauft hatte. Er will sich künftig ganz auf die Beteiligung an Start-ups konzentrieren. Das Ruder in der Gutschermühle übernahm der 36-jährige Traismaurer Stefan Grössinger.

Heinrich Prokop (rechts) widmet sich nun ganz seinen Start-ups. Die Gutschermühle mit der Müsliriegel-Produktion leitet Stefan Grössinger (links).
Lisa Röhrer

Aber nicht nur an der Spitze der Gutschermühle gibt es Veränderungen. Die Riegel-Fabrik startet „in ein ganz neues Zeitalter“, betonen Prokop und Grössinger. Denn der frischgebackene Geschäftsführer begann seine Laufbahn gleich mit einem Millionen-Projekt. In den vergangenen Monaten wurde auf dem Areal der Gutschermühle eine neue, zweite Riegel-Fabrik aus dem Boden gestampft. Investiert wurden 15 Millionen Euro. „Das ist eine große Nummer für uns als mittelständigen Betrieb“, betont Grössinger. Ab Mitte Juli sollen in dem Traismaurer Traditionsbetrieb damit erstmals erdnusshaltige Produkte hergestellt werden.

Pro Tag eine Million zusätzliche Riegel

Bisher rollten im Durchschnitt 800.000 Müsliriegel pro Tag über die Förderbänder der Gutschermühle. Produziert werden dort Riegel großer Marken sowie innovative Konzepte von Start-ups. Als Ziel hat sich der neue Geschäftsführer nun gesetzt, dass pro Tag zusätzliche eine Million erdnusshaltige Riegel produziert werden können. Dafür wurde ein Vertrag mit einem großen US-amerikanischen Hersteller an Land gezogen.

„Wir haben jetzt eine zusätzliche Komponente, die wir so in der Gruppe noch nicht gehabt haben (Anmerkung: zur HACO AG gehören drei Riegel-Fabriken). Wir haben einen Standort, an dem wir sowohl garantiert erdnussfreie als auch erdnusshaltige Produkte produzieren können. Das ist in Europa einzigartig“, freut sich Grössinger. Ungewöhnlich ist das deshalb, weil Erdnuss als eines der stärksten Allergene gilt. Für einen Allergiker kann schon ein kleines Stückchen tödlich sein.

Etablieren will Grössinger in Traismauer außerdem „das europäische Kompetenzcenter für die Entwicklung und Produktion von Riegel, Müslis und Snackbites“. In neuen Bereichen – etwa in der Produktion mit wenig Zucker – habe das rund 80 Mitarbeiter starke Team der Gutschermühle in den vergangenen Jahren viel gelernt. „Jetzt trauen wir uns schon ausgerissenere Projekte zu, mit denen Heinrich Prokop kommt“, lacht Grössinger.

Prokop ist an 40 Unternehmen beteiligt

Und dank dieser „ausgerissenen Projekte“ wird Prokop weiter mit der Gutschermühle verbunden bleiben. Gleichzeitig bleiben die Riegel damit Teil seines Lebens: „Ich habe mir in den letzten Jahren die Investment-Gesellschaft Clever Clover aufgebaut. Mittlerweile haben wir Beteiligungen an 40 Unternehmen“, erzählt der Investor. Konzentriert hat er sich auf Lebensmittel-Start-ups und innovative Riegel-Konzepte. „Mit der REWE-Group habe ich eine Kooperation, das Start-Up-Ticket, da schauen wir uns jedes Jahr 300 Kandidaten an.“