Agrana-CEO: "Es sind keine normalen Zeiten"

Erstellt am 13. Mai 2022 | 18:19
Lesezeit: 3 Min
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Pressekonferenz zur Agrana-Jahresbilanz 2021/22 vor Medienvertreter in Wien. Im Bild v.l.n.r: Vorstand Norbert Harringer, Vorstandsvorsitzender Markus Mühleisen und Finanzvorstand Stephan Büttner.
Foto: Norbert Oberndorfer
Die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten und der Ukraine-Krieg schmälerten das Ergebnis des Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzerns Agrana im Wirtschaftsjahr 2021/22. Profitiert hat der Konzern von den hohen Ethanol-Preisen und einer Trendwende bei den Zuckerpreisen.
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„Es sind keine normalen Zeiten“, sagt Agrana-Vorstandsvorsitzender Markus Mühleisen bei der Bilanzpressekonferenz der Agrana am Freitag in Wien. Der Krieg in der Ukraine habe den Konzern doch stärker getroffen als erhofft. Eine wertmindernde Abschreibung für die Werke und den Vertrieb in der Ukraine und Russland schmälerte das Ergebnis um satte 70 Millionen Euro auf minus 12,2 Millionen Euro. 2020/2021 konnte noch ein Konzernergebnis von 55 Millionen Euro erreicht werden.

Seit 1997 ist die Agrana mit einer Stärke-Fabrik im Südwesten der Ukraine präsent und beschäftigt dort 800 Mitarbeiter. Der Anteil des Ukraine-Geschäfts am Konzernumsatz beträgt 1,7 Prozent. "Je nach aktueller Situation fahren wir die Produktion immer wieder hoch", sagt Mühleisen. Die Produktion laufe auf rund ein Drittel seiner Leistung. Die Sicherheit der Agrana-Mitarbeiter habe oberste Priorität - "deshalb arbeiten nur 50 bis Mitarbeiter pro Schicht derzeit im Werk."

Auch in Russland, in Serpukhov bei Moskau, ist die Agrana mit einem Fruchtzubereitungswerk präsent. Der Anteil am Konzernumsatz beträgt 2 Prozent. Derzeit sei kein Rückzug aus dem russischen Markt geplant, sagt Mühleisen. Aber: "Wir evaluieren ständig, ob es richtig ist, dass wir noch dort sind". Der Agrana-CEO findet auch klare Worte zur russischen Invasion. „Wir verurteilen auf das Schärfste die Menschenrechtsverletzungen und stehen vollends hinter den politischen Sanktionen“, so Mühleisen. 

Als "Rettungsanker" in dem Geschäftsjahr 2020/21 bezeichnet Finanz-Vorstand Stephan Büttner das Stärke-Geschäft: von Preissteigerungen bei Bioethanol profitierte der Konzern. Auch das Fruchtsaftkonzentrat-Geschäft habe sich erholt und "ist auf einem guten Weg". Die Zuckerpreise haben wieder angezogen. Das sei eine Trendwende.

Mit einer um 10 Eurocents geringeren Dividende - Aktionäre bekommen 0,75 Euro pro Aktie ausgeschüttet, trage man auch den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf den Konzern Rechnung. Zusätzlich belastete das Geschäft die steigenden Rohstoff-, Transport- und Energiekosten. 

Um die Produktionssicherheit in den österreichischen Agrana-Werken bei einem Gaslieferstopp abzusichern, rüstet der Konzern seine Primärenergieversorgung auf. "Wir haben uns dazu entscheiden, unsere große Fabriken (Zucker, Stärke) auf einen Alternativ-Betrieb mit Heizöl Extraleicht umzurüsten"; sagt Vorstandsmitglied Norbert Harringer. Entsprechendes Equipment sei bereits angeschafft worden und wird derzeit installiert. 

Der Umsatzanstieg von 14 Prozent sei in erster Linie preisgetrieben, sagt Büttner. Letztendlich müssten die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten auch an den Markt (und die Kunden, Anm.) weitergegeben werden, sagt der Finanzvorstand. Derzeit sei das noch nicht "vollends" der Fall.

Derzeit spüre die Agrana eine "massive Störung der Lieferketten". Die praktisch geschlossene "Schwarzmeer-Route", fehlende Transportkapazitäten wie auch Getreide-Preise "auf einem noch nie dagewesen Niveau" wirken belastend auf das Geschäft. "Wir steuern international auf eine sehr sehr enge Versorgungslage hin", sagt Harringer. Er rechnet mit verstärkten Vorratskäufen. Schon jetzt seien die Nachfrage nach Weizen aus Nordafrika und dem Nahen Osten hoch.